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Redaktion

Geld oder Brief
Von Thorsten Kramer, Frankfurt

Alternativen Energien gehört die Zukunft, im aktuellen Umfeld kommt das für die Hersteller von Windturbinen aber nicht zum Tragen: Der Auftragsbestand des Weltmarktführers Vestas Wind Systems brach zum Jahreswechsel bis auf 2,2 Mrd. Euro ein. Zwölf Monate zuvor lag er noch knapp dreimal so hoch. Hintergrund dieser Flaute ist die Finanzmarktkrise, die dazu führte, dass nun auch die Entwickler großer Windparks immense Probleme haben, die Finanzierung ihrer Projekte sicherzustellen. Dies veranlasste 2009 etliche Vestas-Kunden dazu, Aufträge aufzuschieben oder diese sogar komplett zu streichen.

Bedenklich stimmt dabei, dass sich die Situation im Laufe des Jahres zuspitzte: Auf Basis der einzelnen Quartalsberichte werde die Verlangsamung des Wachstums buchstäblich sichtbar, meinen Analysten. So verbuchte Vestas im Schlussquartal einen Umsatzanstieg von gerade noch 1 % - ein trübes Ergebnis in einem Sektor, der laut Daten des dänischen Marktforschungsinstituts BTM Consult zwischen 2004 und 2008 Wachstumsraten von 30 bis 40 % pro Jahr generierte. Gleichwohl wusste Vestas den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Gesamtjahr 2009 um 28 % auf den Rekordwert von 856 Mill. Euro zu steigern, weil das Management rechtzeitig Maßnahmen zur Senkung der Kosten eingeleitet hatte. Dazu zählte etwa, dass der Konzern in Großbritannien Standorte auf der Isle of Wight und in Southampton schloss und in Nordeuropa insgesamt 1 900 Mitarbeiter, also knapp 9 % der Belegschaft, nach Hause schickte.

Große Herausforderungen

Im neuen Geschäftsjahr steht das Management vor anhaltenden Herausforderungen. Der jüngsten enttäuschenden Entwicklung bei den Auftragseingängen trug Vestas bereits Rechnung, indem der Konzern seine Prognosen korrigierte. Das neue Ziel für den Umsatz im Jahr 2010 lautet nun 7 Mrd. Euro nach 7 bis 8 Mrd. Euro, und das neue Ziel für die Gewinnmarge liegt bei 10 bis 11 % anstatt bei 12 %. Zudem muss sich der Konzern, der 2008 noch 21 % des Weltmarkts kontrollierte, dem zunehmenden Konkurrenzdruck stellen und hier gegenüber billigeren Anbietern aus China vor allem mit gewohnt hoher Qualität überzeugen.

Am Aktienmarkt kam die Korrektur der Jahresziele nicht gut an, die Titel des Windturbinenbauers gerieten daher Mitte Februar erneut unter Druck und setzten damit den Negativtrend der zurückliegenden Monate fort. Aktuell notiert der Wert bei 290,20 dkr, im Vergleich zum Jahresbeginn bedeutet das einen Verlust von 10,4 %. Vor neun Monaten wurde eine Vestas-Aktie gar noch mit 429,50 dkr bezahlt.

Markttechnisch betrachtet ist die Vestas-Aktie sicherlich angezählt. Der Trend zeigt abwärts, eine schnelle Wende ist nicht in Sicht. Die meisten Analysten fürchten allerdings keinen weiteren Kurseinbruch. Nur sieben von ihnen raten dazu, die Vestas-Aktie zu verkaufen, zwölf Analysten stufen den Titel mit "Halten" ein, 21 hingegen erkennen Potenzial und raten zum Kauf. Als durchschnittliches Kursziel errechnet sich aus allen vorliegenden Unternehmensanalysen der Wert von 331,63 dkr.

Unterstützung gewährt

Aus Sicht der Branchenexperten bietet die Bewertung der Vestas-Aktie Unterstützung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt 13,1, beim Konkurrenten Repower Systems etwa aber 19,8. Zudem ist Vestas auf dem gegenwärtigen Niveau nur noch mit dem 14-fachen Nettoergebnis bewertet; im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2008 lag dieser Quotient noch bei 30.

Zudem schwand zuletzt die Sorge über eine weitere Kapitalerhöhung, nachdem das Unternehmen den Plan zur Emission einer Anleihe durchblicken ließ. Dabei muss eine Kapitalerhöhung nicht zwangsläufig negativ wirken: Ende April 2009 hatte Vestas bereits das Kapital im Volumen von umgerechnet 730 Mill. Euro erhöht. Damals interpretierte der Markt dies positiv, weil Investoren Vestas nach der Transaktion dafür gerüstet sahen, Chancen besser zu nutzen. Die Verwässerungseffekte für die Aktionäre fielen kaum ins Gewicht.

Auf mittlere Sicht ist die Entwicklung der Vestas-Aktien maßgeblich davon abhängig, ob sich die Finanzierungsmöglichkeiten für die Entwickler von Windparks verbessern. Vestas erwartet dies für das zweite Halbjahr. Wenn Unternehmen dann tatsächlich neue Aufträge erteilen bzw. bislang gestoppte Order freigeben, dürfte das Anlegern die Angst vor einer schwachen Umsatzentwicklung nehmen. Die Hoffnung liegt dabei vor allem im US-Markt, dessen Entwicklung Vestas-Chef Ditlev Engel kürzlich in einem Interview als größte Enttäuschung des Jahres 2009 bezeichnete. Inzwischen zeichneten sich dort aber enorme Aktivitäten ab. Als zweiter Treiber der Nachfrage gelten die großen Offshore-Windparks, die etwa vor der deutschen Nordsee-Küste geplant sind.

Ehrgeizige Ziele

Umgekehrt würde eine enttäuschende Entwicklung der Nachfrage nach Windkraftanlagen die langfristige Planung infrage stellen und wahrscheinlich eine Reihe von Herabstufungen der Vestas-Aktie zur Folge haben. Analysten betrachten die langfristigen Aussichten aber als intakt. Von dem zu erwartenden Wachstum, das BTM Consult für 2010 auf rund 10 % festschreibt, sollte Vestas als Weltmarktführer in besonderem Maße profitieren können.

Dies wäre nicht zuletzt ein wichtiger Erfolg im Rahmen der "Triple 15 Strategy", mit der sich der Konzern vornimmt, spätestens im Jahr 2015 einen Umsatz von 15 Mrd. Euro und eine Marge von 15 % zu erreichen - ein durchaus ehrgeiziges Projekt. Gelingt es Vestas, dieses hohe Wachstum zu generieren, steckt darin das Potenzial, die Aktie des Unternehmens in Richtung alter Höhen anzutreiben. Vor rund zwei Jahren notierte der Titel nach einem etwa zwei Jahre währenden, allerdings immer wieder unterbrochenen Anstieg in der Spitze bei 700 dkr. Die meisten Aktionäre wären aber wahrscheinlich schon mit weniger zufrieden.

Börsen-Zeitung, 19.02.2010, Autor Thorsten Kramer, Frankfurt, Nummer 34, Seite 17, 816 Wörter

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Unternehmensbereich: Vestas Wind Systems AS
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