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Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Stürmische Wachstumsraten, eine schuldenfreie Bilanz und eine glänzende Kursentwicklung - das sind im Maschinen- und Anlagenbau derzeit in der Regel Wunschträume und stehen in scharfem Kontrast zur Realität. Doch Aixtron zeigt mitten in der Wirtschaftskrise, dass es in der gebeutelten Branche tatsächlich einzelne Lichtblicke gibt. Das Zauberwort heißt LED. Den energiesparenden langlebigen Leuchtdioden gelingt derzeit auf breiter Front der Durchbruch in der Massenanwendung. Und Aixtron liefert die Maschinen für ihre Herstellung.

Dem LED-Markt wird bis 2013 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 24 % in Aussicht gestellt. Das Volumen von knapp 5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr soll in diesem Zeitraum auf rund 15 Mrd. Dollar anschwellen. Die Mengen jedoch schießen den Vorhersagen nach deutlich stärker nach oben, da die Preise für LED stetig sinken. Somit dürfte Aixtron überproportional von dem dynamischen Markt profitieren, da für den Anlagenbauer die Stückzahlentwicklung relevant ist.

Immens hohe Ziele

Die Erwartungen für das laufende Jahr sind immens. Einige Analysten prognostizieren einen Umsatz von weit mehr als 500 Mill. Euro, fast alle gehen mindestens von einer Gewinnverdoppelung aus. Nach vorläufigen Angaben beliefen sich die Erlöse 2009 auf 302 Mill. Euro. Die Ebit-Marge lag bei 20 (i.V. 12) % und soll in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Konsensschätzung der Analysten für das abgelaufene Jahr beträgt beim Ergebnis je Aktie 0,41 Euro. Ihre vollständige Bilanz legt Aixtron am 11. März vor.

An der Börse avancierte das Aachener Unternehmen zuletzt zu einem Star. Binnen eines Jahres hat sich der Kurs versiebenfacht, im TecDax steht Aixtron mit einem Börsenwert von rund 2,3 Mrd. Euro derzeit auf Position fünf. Aixtron hat vom Kursverlauf her die Peer Group in den vergangenen zwölf Monaten größtenteils abgehängt. Lediglich das US-Unternehmen Veeco, ebenfalls Hightech-Maschinenbauer und vom Umsatz her mit Aixtron vergleichbar, legte eine ähnliche Performance hin. Applied Materials, die bayrische Süss Microtec oder ASM entwickelten sich deutlich schlechter.

Optimistische Analysten

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mittlerweile bei einem durchaus ambitionierten Wert von 27 für 2010. Dass die Zeit der ganz großen Kurssprünge erst einmal vorbei sein dürfte, lässt die Entwicklung der vergangenen drei Monate vermuten. Anfang Dezember erreichten die Titel ihren vorläufigen Höchststand von 25,71 Euro und fielen seitdem wieder etwas. Die Analysten favorisieren die Papiere jedoch noch immer. Mit 15 Beobachtern rät mehr als die Hälfte zum Kauf, 7 Häuser stufen Aixtron mit "Neutral" ein, und nur drei Analysten empfehlen, sich von den Papieren zu trennen.

Lange Zeit war die Gesellschaft alles andere als der Liebling der Analysten. Die Übernahme des US-Unternehmens Genus im Jahr 2005 drohte zum Desaster zu werden. Hohe Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen zogen Aixtron mit einem Verlust von 53 Mill. Euro im Jahr 2005 tief in die Miesen. In dieser Zeit zeigte sich zudem das Management wenig prognosesicher. Diverse Male mussten Finanzziele korrigiert werden, die Folge waren oft heftige Kursbewegungen im zweistelligen Prozentbereich, sobald eine neue Meldung aus dem äußersten Westen der Republik eintraf.

Neues Plattformkonzept

Aixtron selbst führt den stetigen Aufwärtstrend der jüngsten Zeit nicht nur auf den boomenden LED-Markt zurück, sondern auch auf interne Effizienzgewinne. Nach der letztlich doch gelungenen Integration von Genus seien auch die Produktionsprozesse besser geworden, heißt es aus dem Haus. Aixtron verfolgt nun ein Plattformkonzept und hat viele Einzelmodule dabei standardisiert. Die Produktionskapazität ist dadurch nach Auskunft eines Unternehmenssprechers im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut worden.

Aixtron profitiert davon, dass sich LED in immer mehr Anwendungen durchsetzen. Der gegenwärtige Haupttrend sind Hintergrundbeleuchtungen bei Fernsehern, Monitoren oder Mobiltelefonen, doch auch in der Automobilindustrie spielen die Leuchtdioden eine immer größere Rolle. Ein noch wenig erschlossener Markt sind Raumbeleuchtungen. Hier ist der Siegeszug angesichts des behördlich verordneten Verbots der Glühbirnen fast schon programmiert. Aixtron ist mit einem Marktanteil von 72 % weltweit Marktführer bei der für die Herstellung der Chips benötigten MOCVD-Technologie (metallorganische Gasphasenepitaxie).

Zyklischer Absatz

Technisch ist die Entwicklung der Dioden noch lange nicht abgeschlossen. Die Hersteller sind dabei, den Wirkungsgrad weiter zu steigern und Farbnuancen besser zu treffen. Dennoch besteht die Gefahr, das Potenzial von Aixtron zu überschätzen. Die Endmärkte des Unternehmens hätten sich in der Vergangenheit als sehr zyklisch erwiesen, schreiben beispielsweise die Analysten von HSBC in einem aktuellen Kommentar. Ein Überangebot an LED-Chips würde auch Aixtron durch sinkende Nachfrage nach den Produktionsmaschinen treffen. Daneben existieren Währungsrisiken, da die Absatzmärkte zu gut 80 % in Asien liegen und Aixtron mehr als 70 % der Erlöse in Dollar erzielt. Die Kosten dagegen fallen zu 70 % in Euro an.

Die Aixtron-Aktien sind zu über 90 % breit gestreut. Größte Aktionärin bei Aixtron ist die Camma GmbH, die mehrheitlich Holger Jürgensen gehört. Er ist einer der Gründer und seit 2002 stellvertretender Aufsichtsratschef.

Eine wenn auch schmale Dividende gibt es bei Aixtron auch. Sie betrug im vergangenen Jahr 0,09 (i.V. 0,07) Euro, nachdem die Anteilseigner davor drei Jahre lang leer ausgegangen waren.

Börsen-Zeitung, 05.03.2010, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf, Nummer 44, Seite 17, 780 Wörter

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