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Geld oder Brief
Von Andreas Hippin, Frankfurt

Die Aktie des Kasseler Salz- und Düngemittelherstellers K+S hat seit Jahresbeginn knapp 11 % zugelegt. Vom 2008 erreichten Höchststand ist das Papier damit noch weit entfernt. Vor zwei Jahren hatte das Papier von der Rally bei Agrarrohstoffen wie Mais, Weizen und Sojabohnen profitiert. Zu deren Produktion braucht man schließlich Dünger. Zeitweise waren die Kali-Preise in einigen Regionen auf bis zu 1 000 Dollar je Tonne gestiegen. Als die Soft-Commodity-Spekulationsblase platzte, stürzten sie dann auf unter 400 Dollar ab.

Heute halten Branchenexperten eine Wette auf erneut steigende Nahrungsmittelpreise für riskant. Unter den von Bloomberg befragten Analysten raten nur 11 zum Kauf, aber 14 zum Verkauf der K+S-Aktie. "Halten" lautet das Votum von 12 Aktienexperten. Dabei geht es häufig nicht um die Strategie des Unternehmens, sondern um Bewertungsfragen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 44,59 Euro, das darin unterstellte Aufwärtspotenzial zum Schlusskurs vom Donnerstag bei knapp 4 %. Die Aktie notiert zum 21,3-fachen des für das laufende Jahr erwarteten Gewinns.

Übernahmewelle verebbt

Wer angesichts des Gezerres um den US-Düngemittelhersteller Terra Industries darauf gehofft hatte, dass sich die Branche zum Schauplatz dramatischer Übernahmeschlachten entwickeln würde, mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Kursentwicklung möglicher Akquisitionsziele, wurde enttäuscht. Die Weltwirtschaftskrise sorgt für Kostendisziplin. Die norwegische Yara bot schließlich doch nicht mehr als 4,1 Mrd. Dollar für Terra und überließ dem Rivalen CF Industries das Feld.

Das Stickstoffdüngergeschäft des niederländischen Chemiekonzerns DSM, für das auch K+S zeitweise als mögliche Käuferin gehandelt wurde, ging an die ägyptische Orascom Construction Industries. Ob sich bei K+S schon Interessenten gemeldet haben, wollte Konzernchef Norbert Steiner nicht beantworten. "Die letzte Frage muss im Raum verhallen", sagte er auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Spekulationen wurde unter anderem dem US-Investor Warren Buffett Interesse an einem Einstieg nachgesagt.

Nach einem dramatischen Umsatz- und Ergebniseinbruch im vergangenen Jahr, unter dem die gesamte Branche zu leiden hatte, hofft die ehemalige BASF-Tochter auf eine Normalisierung der Düngemittelnachfrage. Zuletzt habe sich eine Erholung abgezeichnet. Für 2010 hat der Dax-Konzern einen deutlichen Anstieg von Umsatz und Ergebnis in Aussicht gestellt. Nach Beginn der Düngesaison will der größte Kali-Produzent Europas prüfen, ob die Produktionsprognose für das laufende Jahr angehoben wird.

Der Wettbewerber Potash Corp. of Saskatchewan hob seine Gewinnprognose für das erste Quartal wegen der starken Kali-Nachfrage und besserer Margen im Stickstoff- und Phosphatgeschäft zuletzt unerwartet stark an.

"Wir wissen zwar, dass sich Wachstum nicht entlang einer stetigen Linie nach oben vollzieht", sagte Potash-Chef Bill Doyle. "Wir glauben aber, dass der steigende Kaliabsatz im laufenden Quartal für den Beginn der Rückkehr zu langfristigem Nachfragewachstum steht."

Europa wesentlicher Markt

Potash bedient allerdings andere Märkte als das deutsche Unternehmen, das bis 1999 schlicht "Kali und Salz" hieß - auch wenn dessen Geschäftsbereich Kali- und Magnesiumprodukte im abgelaufenen Jahr lediglich 44 % seines Umsatzes in Europa erwirtschaftete. Zum Vergleich: In "normalen" Jahren wie 2006 oder 2007 waren es rund 60 %. In Europa ging der Absatz der Kalisparte im vergangenen Jahr um 58 % zurück, in Übersee lediglich um 2,9 %.

Die europäischen Böden hätten im Vergleich zu denen der Schwellenländer im Schnitt einen relativ hohen Kaligehalt, schreibt die Deutsche-Bank-Analystin Virginie Boucher-Ferte. Zudem werde auf rund zwei Dritteln der kultivierten Fläche Weizen und anderes Getreide angebaut. Im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen benötige Getreide wenig Kali.

Das habe die Landwirte dazu bewegt, die Kalidüngung auszusetzen, in manchen Fällen gleich zweimal. Hätten die aktuellen Getreidepreise Bestand, verlören die europäischen Landwirte 2010 Geld. Deshalb sei mit einer Normalisierung der Nachfrage vor 2011 nicht zu rechnen. Boucher-Ferte rät zum Verkauf der Aktie.

Canpotex, die Vermarktungsorganisation von Potash, Mosaic und Agrium, lieferte in den vergangenen Jahren dagegen lediglich 5 bis 7 % ihres Gesamtabsatzes in die Region "Ozeanien und Europa". Ein Drittel ging im vergangenen Jahr nach Indien, mehr als 40 % in andere asiatische Länder.

Schrumpfende Dividende

K+S-Anleger müssen zudem verkraften, dass die Dividende auf 0,20 Euro schrumpfen soll - weniger als ein Zehntel des Vorjahreswerts von 2,40 Euro. Die Ausschüttungsquote liegt dabei mit 41 % am unteren Ende der vom Unternehmen angestrebten Spanne von 40 bis 50 % des bereinigten Konzernergebnisses. Auf Dividenden achtende Investoren wie Jens Ehrhardt, Gründer der Vermögensverwaltung DJE Kapital, hatten allerdings schon Positionen abgebaut, als der Preis für Kalidünger ins Rutschen kam.

Die Erstkonsolidierung des für 1,6 Mrd. Dollar von Dow Chemical erworbenen US-Salzherstellers Morton Salt sorgte im Schlussquartal für ein Umsatzwachstum von 11 %. Mit Salz wurde infolge des Zukaufs mehr als das Doppelte erlöst. Der Beitrag des Geschäftsbereichs zum operativen Ergebnis wuchs um 81 %. Damit geht die Strategie auf, Schwankungen im Düngemittelgeschäft mit dem zweiten Standbein zumindest etwas auszugleichen. Allerdings ist das wohl - wie auch die sich abzeichnende Erholung der Düngernachfrage - schon in den Kurs eingepreist.

Börsen-Zeitung, 09.04.2010, Autor Andreas Hippin, Frankfurt, Nummer 67, Seite 17, 768 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010067172&titel=Geringe-Kali-Nachfrage-macht-K+S-zu-schaffen
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