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Redaktion

Unternehmen fordern einen wohlüberlegten Mix staatlicher Lenkungsmaßnahmen
Der zunehmenden Umweltverschmutzung und einer steigenden Arbeitslosigkeit begegnete man in Deutschland vor mehr als zehn Jahren mit der Idee des Schweizer Ökonomen Hans Christoph Binswanger: Die mit der Besteuerung des Verbrauchs von Energie erzielten Einnahmen sollten zumindest teilweise zur Absenkung der Lohnnebenkosten genutzt werden. Zum 1. April 1999 wurde die Ökosteuer eingeführt und in den Folgejahren zu einer ökologischen Finanzreform ausgebaut.

Heute zählen Klimawandel, voranschreitende Ressourcen- und Energieverknappung, schnelles Bevölkerungswachstum in vielen Schwellenländern und die durch die Finanzkrise sprunghaft gestiegene Verschuldung vieler westlicher Länzu den größten Herausforderungen, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht. Im Spannungsfeld zwischen dem ökologischen Erfordernis, die Umweltverschmutzung und den Klimawandel einzudämmen, und der humanistischen Selbstverständlichkeit, auch den aufstrebenden Schwellenländern die gleichen Chancen auf Wohlstand einzuräumen, muss das Ziel erreicht werden, den wirtschaftlichen Wohlstand für die folgenden Generationen zu erhalten. Die Frage, wer für die Erreichung dieser nur schwer zu vereinbarenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Ziele verantwortlich ist und wie diese Ziele am besten erreicht werden können, stellt sich heute mehr denn je.

PricewaterhouseCoopers (PwC) hat Unternehmen unterschiedlicher Branchen in 15 Ländern nach den gegenwärtigen und erwarteten Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft befragt. Darüber hinaus wollten wir wissen, wie dem Klimawandel aus Sicht der Wirtschaft begegnet werden kann, wem die führende Rolle bei dessen Bekämpfung zukommt, welche umweltpolitischen Instrumente zu einer globalen Strategie gegen den Klimawandel gehören müssen und wie die Unternehmen die bisherigen Anstrengungen ihrer Regierungen einschätzen. Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am 13. April in Mannheim werden die Ergebnisse der Studie im Detail vorgestellt und mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert.

Eine deutliche Mehrheit der fast 700 befragten Unternehmer geht davon aus, dass der Klimawandel die Art und Weise ihres Wirtschaftens beeinflussen wird (85 %) und dass Steuern und Regulierungen eine Rolle bei der Erreichung von Klimaschutzzielen spielen werden (96 %). Weltweit zahlen heute nur 13 % der Unternehmen eine Art CO2-Steuer. 17 % beteiligen sich am Emissionshandel. Auch wenn die Unternehmen den Einsatz von Steuerungsinstrumenten erwarten, sind sie sich bei der Auswahl derselben nicht einig. Die Wirtschaftsführer in Kanada, China, Brasilien, Indien und Südafrika präferieren eher marktbasierte Emissionshandelssysteme, während die Unternehmer aus den USA und den meisten europäischen Ländern, darunter Deutschland, die Einfüh-rung einer einheitlichen CO2-Steuer bevorzugen. Neben einer erwarteten stärkeren Lenkungswirkung würde eine allgemeine CO2-Steuer die Unternehmen aller Branchen und Größen gleichermaßen betreffen.

Weniger als die Hälfte der Unternehmen ist mit der gegenwärtigen Umweltpolitik ihrer Regierung einverstanden. Insbesondere inkonsistente politische Vorgaben und deren inkonsequente Durchsetzung werden bemängelt. Ferner kritisieren die Unternehmen, dass eine nicht hinreichende Koordination zwischen den Regierungen zu einer großen Vielfalt national sehr unterschiedlicher Steuer- und Emissionshandelssysteme führt. Die Folgen sind erhebliche Wettbewerbsverzerrungen und unnötige Kosten, aber auch deutliche Unsicherheiten in Bezug auf langfristige Investitionen und Geschäftsentscheidungen. Die Wirtschaftsführer fordern deshalb von der Politik klare Vorgaben für einen mittel- und langfristigen Wandel hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen (44 %) sieht die Regierungen in der Pflicht, den Übergang in eine "low carbon economy" anzuführen. Nur 18 % geben an, die Wirtschaft solle in führender Rolle den Wandel gestalten, und lediglich 10 % sehen die Verbraucher als Schrittmacher. Ein knappes Drittel der Unternehmen (27 %) meint, diese Aufgabe müsste von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern in gleicher Weise angepackt werden.

Europa zeigt sich in dieser Frage uneinig: Während 60 % der Unternehmen in Großbritannien angeben, die Veränderung hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung müsste von der Regierung angeführt werden, sehen 50 % der in Deutschland befragten Unternehmen darin eine gemeinsame Aufgabe von Regierung, Wirtschaft und Verbrauchern. Nur 24 % schreiben allein der Politik Führungsverantwortung zu.

Zum Gegensteuern notwendig ist aus Sicht der Unternehmen nicht nur die Peitsche, also Steuern und Regulierungen, sondern auch das Zuckerbrot in Form von Anreizsystemen, die ein klimafreundliches Wirtschaften belohnen. 87 % der befragten Unternehmen bevorzugen Anreizsysteme - trotz der Kritik an existierenden Systemen. Umweltsteuern, die in erster Linie der Erhöhung des allgemeinen Steueraufkommens dienen, lehnen die Wirtschaftsführer mehrheitlich ab. Akzeptanz finden solche Steuern jedoch, wenn sie in direktem Bezug zu klaren Umweltzielen stehen.

Auch wenn es bislang an klaren Signalen aus der Politik mangelt, investieren vor allem Großunternehmen in Umweltschutzmaßnahmen. Etwa zwei Drittel der befragten Führungskräfte größerer Unternehmen geben an, dass in ihrem Unternehmen Umweltschutzmaßnahmen bestehen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Größere Unternehmen sind auch eher bereit, ihre Geschäftsabläufe den Herausforderungen anzupassen, die der Klimawandel mit sich bringt. So streben 62 % der Unternehmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern ein CO2-neutrales Wirtschaften an (nur 35 % der Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern). Neben dem Einhalten von Gesetzen und Vorgaben (Compliance) nennen die befragten Unternehmen die Unternehmensreputation als zweitwichtigste Motivation für ihre Umweltschutzbemühungen. Zukünftig werden auch andere betriebliche und strategische Faktoren an Bedeutung gewinnen. Kostenersparnis steht bereits heute auf Platz 3.

Unternehmen, die entsprechende Risiken aber auch Chancen rechtzeitig erkennen, können in einem sich massiv verändernden Wirtschaftsumfeld mittel- und langfristig konkurrenzfähig bleiben. Die Wirtschaftsführer vertrauen darauf, dass Wirtschaft und Politik gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen können, und suchen den Dialog mit der Politik. Sie sind entschlossen, einen Beitrag zur Ausarbeitung einer effektiven Umweltschutzgesetzgebung zu leisten und plädieren für eine Führungsrolle der Politik und eine engere politische Koordination auf nationaler und internationaler Ebene. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierungen diese Chance nutzen und auf die Gesprächsbereitschaft der Unternehmen eingehen. Geschieht dies nicht, dürften die meisten Stakeholder, vom Global Player bis zum kommunalen Verband, ihren eigenen Weg weitergehen. Die Regierungen dieser Welt könnten damit eine historische Chance verpassen.

Börsen-Zeitung, 13.04.2010, Autor Dr. Frank Schmidt, Partner bei PricewaterhouseCoopers, Felix von der Planitz, Senior Manager bei PricewaterhouseCoopers, Nummer 69, Seite B 4, 903 Wörter

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