Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 11.329,00-1,66% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.566,50-3,63% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.196,50-1,01% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 25.424,00-2,01% Gold: 1.200,10-0,87% EUR/USD: 1,1223-0,89%
Zusatzdienste
Geld oder Brief
Von Andreas Heitker, Düsseldorf

Zumindest auf den ersten Blick ist das Anfang Oktober begonnene Geschäftsjahr 2009/10 für ThyssenKrupp bislang recht erfolgreich verlaufen. Im ersten Quartal schaffte der Stahl- und Industriegüterhersteller die Rückkehr in die Gewinnzone - zumindest auf Konzernebene. Der Konzernumbau war vollzogen, die Kostensenkungsprogramme begannen zu wirken, und die konjunkturelle Erholung sorgte langsam wieder für steigende Preise und eine höhere Produktivität. Mit dem Werftenverkauf an Abu Dhabi Mar, den ThyssenKrupp in diesem Monat abschließen konnte, hatte das Dax-Unternehmen zudem eines seiner drängendsten Probleme endlich aus der Welt schaffen können. Und die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA, die in den vergangenen Monaten so viel Ärger und Verluste gebracht hatten, stehen derzeit kurz vor dem Produktionsstart.

Höheres Marktinteresse

Auch die im Dax gelistete ThyssenKrupp-Aktie hatte im ersten Quartal ihren bereits in den Vormonaten gezeigten Aufwärtstrend fortsetzen können. Das erste Quartal brachte noch einmal ein Kursplus von 12 %, was 7 %-Punkte besser ausfiel als in gleicher Zeit die Dax- und Stoxx-Entwicklung. Zudem registrierte der Konzern grundsätzlich ein höheres Kapitalmarktinteresse an dem Papier und eine stärkere Analysten-Coverage. Daran änderte auch die deutliche Kurskorrektur vom Januar nichts, die ThyssenKrupp bis zum Ende des zweiten Quartals - also Ende März - fast wieder ausgleichen konnte.

Wäre da nicht dieses Rohstoffproblem, Ekkehard Schulz könnte mit seinem letzten vollen Geschäftsjahr als ThyssenKrupp-Chef recht zufrieden sein. Doch in der Stahlbranche bringen seit Monatsbeginn die neuen Preise für die wichtigsten Einsatzstoffe die Kostenrechnungen völlig durcheinander: Eisenerz, Kokskohle und Stahlschrott, die in der Stahlproduktion gut zwei Drittel der gesamten Kosten ausmachen, sind zum Teil nur noch für den doppelten Preis zu haben. Vor allem das mächtige Erzoligopol konnte Steigerungsraten von 100 % und mehr durchsetzen, die allein der deutschen Stahlbranche Mehrkosten von 3 Mrd. Euro pro Jahr bescheren. Zudem konnten die Erzkonzerne einen Abschied von den Jahresverträgen zugunsten von Quartalskontrakten erreichen. Dies erschwert zusätzlich noch einmal die Kalkulationen für die Stahlhersteller und schafft auch für die Investoren der Unternehmen neue Risiken und Unsicherheiten.

ThyssenKrupp ist von den neuen Rahmenbedingungen und Preisen besonders getroffen, weil der Konzern anders als etwa Weltmarktführer Arcelor Mittal über keine Eigenversorgung mit Rohstoffen verfügt. Zudem hat der Ruhrkonzern bislang etwa drei Viertel seines Stahls über Langfristverträge verkauft, deren Kalkulationsbasis natürlich auch die jeweiligen Erz- und Kohlepreise waren. Nun müssen auch die Liefervereinbarungen mit den Stahlkunden umgestellt werden.

Nach Berechnungen von Björn Voss von M.M. Warburg lassen die Erz- und Kokskohlenpreise die Cash-Kosten der Rohstahlproduktion von ThyssenKrupp um satte 32 % steigen. Zum Erhalt der Marge seien nun entsprechende Stahlpreiserhöhungen nötig, so der Analyst. Ob diese jedoch so schnell und in dieser Höhe durchsetzbar sind, erwarten längst nicht alle Marktbeobachter. "Wir zweifeln daran, dass die Stahlindustrie in der Lage sein wird, 2010 oder 2011 ihre Kapitalkosten zu verdienen - angesichts der Kostensteigerungen und einer Nachfrage, die weiterhin deutlich unter früheren Rekordniveaus liegt", warnt zum Beispiel Christian Obst, Stahlexperte von UniCredit.

Aufgrund der Preisausschläge auf der Rohstoffseite und den wachsenden Unsicherheiten, welches Kostenniveau an die Stahlverbraucher aus der Automobil- oder Bauindustrie weitergereicht werden kann, haben schon einige Analysten eine Überprüfung ihrer ThyssenKrupp-Schätzungen angekündigt. Unternehmensangaben zufolge stehen derzeit 23 Kaufempfehlungen von Bankenseite gerade einmal fünf "Halten"- und sechs "Verkaufs"-Einstufungen durch die Analysten gegenüber.

Gewinnanstieg erwartet

Im Schnitt rechnen die Analysten für 2009/10 mit einem Umsatz von 40,9 Mrd. Euro sowie einem bereinigten Vorsteuer-Ergebnis von 539 Mill. Euro. ThyssenKrupp selbst hatte ebenfalls stabile Erlöse von rund 41 Mrd. Euro sowie einen bereinigten Vorsteuer-Gewinn im niedrigen dreistelligen Mill.-Euro-Bereich in Aussicht gestellt, nachdem im Krisenjahr 2008/09 noch ein Verlust von 2,4 Mrd. Euro verbucht wurde. Den Analystenprognosen zufolge wird sich die Erholung erst 2010/11 so richtig wieder in den Zahlen niederschlagen: Im Durchschnitt prognostizieren sie für das nächste Geschäftsjahr einen Umsatz von 45,7 Mrd. und einen Vorsteuer-Gewinn von 1,4 Mrd. Euro. Als Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2010 wird immerhin ein Wert von 32,6 erwartet, für 2011 dann noch von 11,7.

Die ThyssenKrupp-Aktie, die derzeit zwischen 25,00 und 25,50 Euro pendelt, ist durch die Rohstoffdiskussion zuletzt wieder ein wenig unter Druck geraten. Ein Vorkrisen-Kursniveau, das im Sommer 2008 immerhin die 45-Euro-Marke erreichte, wird so schnell wohl nicht wiederkommen.

Das nun auf der Tagesordnung ganz oben stehende Rohstoff-Problem zeigt auch noch einmal, wie fragil die Entwicklung noch ist - gerade in dem für ThyssenKrupp wichtigsten Bereich, dem Stahlgeschäft. In den Boomjahren bis 2007/2008 hat das Unternehmen allein im Flachstahlgeschäft (Steel) rund ein Viertel des Konzernumsatzes sowie knapp die Hälfte des Vorsteuer-Ergebnisses erwirtschaftet. Auch im ersten Quartal der laufenden Periode trug das Segment Steel Europe immerhin 104 Mill. zu den insgesamt 237 Mill. Euro bereinigtem VorsteuerGewinn bei. Die Zahlen zum zweiten Quartal, die ThyssenKrupp am 12. Mai veröffentlichen wird, sollten einen ähnlichen Trend zeigen. In dieser Zwischenbilanz ist die jüngste Erz- und Kohlepreis-Explosion aber auch noch nicht enthalten.

Börsen-Zeitung, 30.04.2010, Autor Andreas Heitker, Düsseldorf, Nummer 82, Seite 17, 779 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010082213&titel=Rohstoffkosten-bremsen-ThyssenKrupp-Erholung
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook

Unternehmensbereich: thyssenkrupp AG
Übersicht Kurse / Charts Redaktionelle BerichteResearch
Ad-hoc FinanzanzeigenAktionärsstrukturDirectors’ Dealings
Termine Wertpapiersuche Audio / Video


Serien zu Kapitalmärkte
Themendossiers zu Kapitalmärkte
Länderratings
Neue Produkte
Zusatztabellen zur Analyse "Geld oder Brief"


Termine des Tages
Dienstag, 13.11.2018

Ergebnisse
1&1 Drillisch: 3. Quartal
Aareal Bank: 3. Quartal
Bauer: 3. Quartal
Bayer: 3. Quartal
Bechtle: 3. Quartal
Bilfinger: 3. Quartal
Cewe Stiftung: 3. Quartal
EDF: Umsatz 3. Quartal
Evotec: 3. Quartal
Fraport: Verkehrszahlen Oktober
Grammer: 3. Quartal
Hellofresh: 3. Quartal
HHLA: 3. Quartal
Home Depot: 3. Quartal
Innogy: 3. Quartal
Jenoptik: 3. Quartal
Medigene: 3. Quartal
Nordex: 3. Quartal
OHB: 3. Quartal
Ströer: 3. Quartal
Tom Tailor: 3. Quartal
Uniper: 3. Quartal
United Internet: 3. Quartal
Vodafone: 2. Quartal
Voltabox: 3. Quartal
VTG: 3. Quartal
W & W: 3. Quartal

Hauptversammlungen
Akzo Nobel (ao.)
WEG Bank (ao.)

Sonstiges
Auf boersen-zeitung.de finden Sie in den Zusatzdiensten unter Audio/Video einen Link zur Liveübertragung des Conference Calls von Bayer (14 Uhr).




























22

0.221451 s