Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 12.527,50-1,04% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.981,75-1,23% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.505,50-0,78% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 26.880,00-1,07% Gold: 1.639,40-0,01% EUR/USD: 1,0885+0,07%
Redaktion

Kommentar
Nun gibt es offenbar gar keine Tabus mehr in der europäischen Geldpolitik. Gleich mit zwei Todsünden wartete die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag auf. Erstens kassierten die Währungshüter überraschend die Regel ein, nach der als Sicherheit für Ausleihungen an Banken des Eurogebiets nur relativ sichere Staatsanleihen angenommen werden. Die Mindestanforderung für die Ratings griechischer Staatsanleihen werden nun "bis auf weiteres" ausgesetzt. Damit verabschiedet sich die EZB von dem Grundsatz, die Eurozone als Ganzes im Blick zu haben.

Zweitens stellt EZB-Chef Jean-Claude Trichet zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Wochen zuvor getroffene Aussagen auf den Kopf. Noch im Januar hatte er betont, dass der Sicherheitenrahmen für Repo-Geschäfte nicht für ein einzelnes Land geändert werde. Im März kündigte Trichet dann aber an, entgegen zuvor anders lautenden Plänen auch über das Jahresende 2010 hinaus zweitklassige Staatsanleihen als Pfand zu akzeptieren. Zumindest wurde diese Lex Griechenland - denn nur hellenische Bonds profitieren von diesem Schwenk - insofern formal kaschiert, als die aufgeweichten Regeln ja für alle Euro-Länder gelten. Da nun aber die Ratinganforderungen ausschließlich für griechische Anleihen gestrichen werden, gibt man sich offenbar nicht einmal mehr die Mühe, diesen Schein zu wahren. Die Glaubwürdigkeit der Institution nimmt jedoch zwangsläufig Schaden, wenn der oberste Währungshüter alle paar Wochen nach dem Motto agiert: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" Und Glaubwürdigkeit ist das vielleicht höchste Gut einer Zentralbank.

Es geht nicht um die Frage, ob Athen gerettet werden soll oder nicht. Dies zu klären, ist Aufgabe der Politik. Eindeutig ist aber, dass die hellenische Krise eine der öffentlichen Finanzen des Landes ist - und in diesem Umfeld hat die demokratisch nicht legitimierte EZB nichts verloren. Die Vermischung von Fiskal- und Geldpolitik ist aus gutem Grund verboten. Der Monetarisierung von Staatsschulden und damit deren Inflationierung steht nicht mehr viel im Wege. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass als Nächstes der Ankauf von griechischen Anleihen und vergleichbarem Ramsch ansteht. Dann wird die Stabilitätsorientierung der europäischen Geldpolitik endgültig zu Grabe getragen.


Börsen-Zeitung, 04.05.2010, Autor Jürgen Schaaf, Nummer 84, Seite 1, 325 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010084014&titel=Geldpolitik-ohne-Tabus
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Konjunktur & Politik
Themendossiers zu Konjunktur & Politik
Länderratings


Termine des Tages
Donnerstag, 27.02.2020

Ergebnisse
AB Inbev: Jahr
Aixtron: Jahr
Aston Martin: Jahr
Autodesk: Jahr
Best Buy: Jahr
Beyond Meat: Jahr
British American Tobacco: Jahr
Carrefour: Jahr
Campbell Soup: 2. Quartal
Dassault Aviation: Jahr
Dell Technologies: 2. Quartal
Dürr: Jahr
Engie: Jahr
Kühne + Nagel: Jahr
LafargeHolcim: Jahr
Raiffeisen: Jahresergebnis
Reckitt Benckiser: Jahr
Safran: Jahr
Saint-Gobain: Jahr
Standard Chartered: Jahresergebnis
TAG Immobilien: Jahr
VM Ware: Jahr
Zalando: Jahr

Presse- und Analystenkonferenzen
Bayer: Bilanz-PK
DZ Bank: Bilanz-PK

Hauptversammlungen
Aurubis












21

0.293715 s