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Geld oder Brief
Von Angelika Engler, Madrid

Spanische Aktien stehen bei Investoren aus Furcht vor einem "zweiten Griechenland" derzeit nicht hoch im Kurs. Spanische Bankaktien aber haben einen noch schwereren Stand: Die zu Zeiten des Immobilienbooms angehäuften Risiken wiegen angesichts der steigenden Zahl der Kreditausfälle sowie der fehlenden Perspektive auf baldige und kräftige wirtschaftliche Erholung schwer. Besonders heftig straften die Investoren in den vergangenen Tagen die zweitgrößte Bank des Landes, den 33 Mrd. Euro schweren BBVA ab, obwohl das Geldhaus ebenso wie der noch größere Banco Santander dank der Auslandspräsenz gar nicht so stark vom Heimatmarkt abhängt. BBVA verlor in zwei Tagen 10 % seines Wertes und stellt nun mit einem Minus von 31 % seit Jahresbeginn sogar den zweitschlechtesten Performer des spanischen Leitindex Ibex 35. Im Vergleich zu den im Euro Stoxx 50 gelisteten europäischen Mitbewerbern ist BBVA trotz Milliardengewinns im ersten Quartal 2010 das Schlusslicht.

Knapp über Buchwert

Der Kurs der BBVA-Aktie lag am Donnerstag mit 8,34 Euro (- 4,7 % gegenüber Vortag) immerhin leicht über dem Buchwert. Vom Allzeithoch, das die Bank im Februar 2007 mit 17,07 Euro markierte, ist BBVA derzeit weiter entfernt als vom Allzeittief vom März 2009 über 4,43 Euro. Im "guten" Börsenjahr 2009, in dem der Ibex 30 % dazugewann, rentierte BBVA mit 55 %. Santander gelang allerdings ein Sprung von 76 %. Das durchschnittliche Kursziel für BBVA liegt nach Daten von Unicorp derzeit bei 12,72 Euro, das entspricht einem Kurspotenzial von 46 %. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 7 ist BBVA die billigste Großbank im Euroraum. Der mit einer Bilanzsumme von gut 1 Bill. Euro fast doppelt so große Banco Santander kommt allerdings auch nur auf ein KGV von 7,6, was Chief Executive Officer Alfredo Sáenz bei Vorlage der Bilanz für das erste Quartal 2009 bitter beklagte. Klar ist aber, dass BBVA im derzeitigen Spekulationsdrama um einen möglichen Staatsbankrott Spaniens seine eigene Rechnung mit dem Markt auszutragen hat.

Nur wenig Zukäufe

Anders als Rivale Santander nutzte BBVA nicht die Gunst der Stunde, um Subprime-geschädigte Banken zu Spottpreisen aufzukaufen. "Wir hatten gewartet, dass jemand auf uns zukommen und uns bitten würde", rechtfertigte sich der seit Ende 2001 allein regierende Präsident Francisco González Ende Januar auf der Jahresbilanzpressekonferenz. Die Passivität von González kontrastiert mit der Kapazität, mit der sich Santander-Chef Emilio Botín den neuen globalen Szenarien anpasst und Wachstumsgelegenheiten nutzt. Im ersten Quartal 2010 etwa baute Santander nicht zuletzt dank der mittlerweile vollständig integrierten Zukäufe in USA und Großbritannien den Zinsüberschuss um 18 % auf 7,1 Mrd. Euro aus und steigerte den Nettogewinn um 6 % auf 2,2 Mrd. Euro. BBVA hingegen bilanzierte einen lediglich um 3,5 % gesteigerten Zinsüberschuss von knapp 3,4 Mrd. Euro, während der Nettogewinn um hauchdünne 0,2 % auf 1,2 Mrd. Euro stieg. Der mexikanische "Goldesel" Bancomer steuerte angesichts der Krise im ersten Quartal mit 347 Mill. Euro (- 4,2 %) nicht die sonst gewohnten Gewinnsprünge bei. Spanien und Portugal brachten 587 Mill. Euro (- 6,5 %) ein und Südamerika 233 Mill. Euro (+ 14 %).

Zwar kaufte auch BBVA mit der US-Bank Guaranty im Sommer 2009 ein Krisenopfer auf, das die Strategie eines US-Filialnetzes in den wohlhabenderen Südstaaten komplettieren soll. Doch das gesamte US-Geschäft verursachte nicht zuletzt wegen der Kreditausfälle 2009 einen Verlust von 1 Mrd. Euro und dürfte mit dem bisherigen Gang der Dinge die Anleger ebenfalls enttäuscht haben. González zeigt sich zwar optimistisch hinsichtlich einer baldigen positiven Entwicklung und erklärte die USA und China, wo die Großbank ihre Beteiligung an Citic mittlerweile auf 15 % aufgestockt hat, zu den beiden Märkten mit Wachstumspriorität für BBVA. Doch schnelle Resultate sind offenbar nicht zu erwarten. Auch eine Personalentscheidung dürfte sich negativ auf den Aktienkurs der vergangenen Monate ausgewirkt haben. Der langjährige Chief Executive Officer, José Ignacio Goirigolzarri, nahm im vergangenen September seinen Hut. Der neue CEO, Angel Cano, gilt als loyaler Vertrauensmann des Präsidenten, hat im Markt aber noch längst nicht das Ansehen seines Vorgängers erreicht. Nicht zuletzt lastete auch die völlig überraschende Entscheidung auf der Aktie, Ende 2009 eine radikale "vorsorgliche" Bilanzsanierung durchzuziehen. Ende März schloss BBVA mit einer Kreditausfallrate von 4,3 % ab, gemessen an einem Kreditbestand von knapp 338 Mrd. Euro. BBVA glaubt, der Peak sei so gut wie erreicht.

Für 2010 erwartet CEO Cano deshalb auch, mit 4,2 Mrd. Euro den Überschuss vom Vorjahr halten zu können, zumal in Mexiko wieder positivere Tendenzen zu sehen seien. In der Türkei und Großbritannien bietet BBVA derzeit dem Vernehmen nach um Aktiva mit, auch in Spanien will man "freiwerdende" Marktanteile vor allem seitens sanierungsbedürftiger Sparkassen erwerben. Die Dividende, deren Baranteil BBVA 2009 von 45 auf 30 % des Nettogewinns gestutzt hatte, hat nach den Worten des CEO ihren Tiefpunkt erreicht. Es sei aber noch zu früh, über das laufende Jahr zu sprechen. Trotz der geänderten Ausschüttungspolitik kommt die Bank nach Daten der JCF Group auf eine Dividendenrendite von 4,8 %, während Santander 5,7 % bietet. Die Mehrheit der Analysten spricht sich angesichts der soliden Fundamente - geografische Diversifizierung, kontrolliertes Risiko und Kapitalausstattung (Kernkapitalratio von 8,1 %) für Kaufen (17) aus. Zehn Analysten ziehen Halten vor, sieben Verkaufen. Citi ist der Meinung, ein Börsengang der Mexiko-Tochter Bancomer könne diesem strategisch wichtigen Asset einen sichtbaren Wert geben und der BBVA-Aktie neue Impulse verleihen. Ohne eine solche Aktion dürften Investoren große Kurssprünge auf kurze Sicht eher nicht erwarten.

Börsen-Zeitung, 07.05.2010, Autor Angelika Engler, Madrid, Nummer 87, Seite 18, 873 Wörter

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