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Redaktion

Geld oder Brief
Von Daniel Zulauf, Zürich

Zurich Financial Services macht seit Jahren mit guten und vor allem vergleichsweise konstanten Ergebnissen von sich reden. Vergangene Woche glänzte der führende Schweizer Versicherungskonzern erneut mit einem Quartalsergebnis, das die bereits recht hohen Erwartungen der Analysten übertraf: Selbst nach weitgehender Ausklammerung des im Vergleich zum Vorjahr massiv verbesserten Kapitalanlageerfolges wies der Konzern eine kräftige Zunahme des Betriebsgewinns (Business Operating Profit) um 19 % auf über 1,2 Mrd. Dollar vor. Der Reingewinn schoss sogar um 76 % auf 935 Mill. Dollar.

Die Verbesserung gelang nota bene in einem für die internationale Assekuranz ziemlich garstigen Umfeld. Das verheerende Erdbeben in Chile, der schwere Sturm "Xynthia" und andere Naturkatastrophen verursachten den Versicherern einer Schätzung der Swiss Re zufolge allein im ersten Quartal 2010 Kosten von rund 16 Mrd. Dollar. Das ist sehr viel im historischen Vergleich, zumal die ersten drei Monate des Jahres gewöhnlich eine geringe Schadenfrequenz aufweisen. Dass Zurich Financial trotz ihrer starken Exposition in den betroffenen Regionen den kombinierten Schaden-Kosten-Satz bei 99 % zu halten vermochte, trug dem Unternehmen von Analystenseite viel Lob ein. Sie sehen darin eine Bestätigung für die strenge Disziplin des Konzerns.

Auch im Lebengeschäft sind die Marktbedingungen angesichts des tiefen Zinsniveaus alles andere als ideal. Umso mehr überrascht es, dass es Zurich gelungen ist, die entsprechenden Prämieneinerträge im ersten Quartal um 14 % in lokaler Währung zu steigern und den Betriebsgewinn wie auch den Wert des Neugeschäftes um beachtliche 58 % bzw. 23 % zu verbessern. Das Quartalsergebnis belege, dass das "außergewöhnliche" Wachstum des Lebengeschäfts auf einer "soliden Grundlage" erfolge und deshalb "aller Wahrscheinlichkeit nach" auch in Zukunft bestand haben werde, lautet das Fazit von Standard & Poor's Equity Research - und diese Meinung steht keineswegs allein. Der Lebensparte, die lange Zeit ein Mauerblümchendasein fristete und ihren hohen Kapitalbedarf bei weitem nicht mit entsprechenden Resultaten rechtfertigen konnte, trauen Branchenkenner wie Michael Huttner von J.P. Morgan Cazenove inzwischen das größte Überraschungspotenzial zu.

Seit der letzten großen Krise vor acht Jahren, als die Zurich-Gruppe haarscharf am Abgrund vorbeischrammte, vollzog das Unternehmen unter Führung des Amerikaners James Schiro einen derart grundlegenden Wandel, dass dessen Nachfolger Martin Senn heute, ohne rot zu werden, verkünden kann: "Unsere Vision und unser Ziel ist es, die beste Versicherung der Welt zu sein." Anstatt, wie zu früheren Zeiten, waghalsige Akquisitionen zu riskieren und den Betrieb mit allen Mitteln auf Wachstum zu trimmen, versuchen die Schweizer nun aber auf dem Pfad der Tugend weiterzugehen. Mit einer Solvabilitätsmarge von 212 % ist Zurich nach Meinung vieler Analysten eine der finanzkräftigsten Adressen unter den weltweit tätigen Assekuranzgesellschaften.

Die Sparsamkeit hat sich bezahlt gemacht. Als der langjährige unangefochtene Branchenführer AIG im Zuge der Finanzkrise kollabierte, war Zurich sofort zur Stelle, um sich ein paar Rosinen aus dem einstigen Imperium des gefallenen Konkurrenten zu picken. Doch auch dabei versuchte das Management dem Grundsatz Qualität vor Quantität treu zu bleiben. Der US-Automobilversicherer 21st Century, den die Schweizer für die von ihr verwalteten Farmers Exchanges erwarben, blieb mit 1,9 Mrd. Dollar der bisher größte Zukauf. Zwar sucht Zurich insbesondere im asiatischen Lebengeschäft sowie in den Golfstaaten, in Osteuropa und Lateinamerika nach Akquisitionsgelegenheiten. Doch strategisch passende Ziele gebe es nur wenige, und die Preisvorstellungen der Besitzer sind laut Finanzchef Dieter Wemmer "oft schlicht zu hoch".

Anhand der aktuellen Entwicklung des Lebengeschäfts versucht Zurich derweil zu belegen, dass solides Wachstum auch ohne Akquisitionen möglich ist. Erfolgreiche Vertriebskooperationen, wie sie die Gesellschaft insbesondere mit der Deutschen Bank betreibt, sind in der Tat zu einem echten Wettbewerbsvorteil geworden. Um das interne Wachstum zusätzlich zu befördern, setzte sich Zurich das Ziel, der beste Arbeitgeber im Versicherungssektor zu werden. Dass auch dies ein erfolgversprechender Weg sein kann, zeigen Aussagen von Analysten, nach denen die rund 100 ehemaligen AIG-Manager, die in den vergangenen zwei Jahren zur Zurich gestoßen sind, sowohl im Lebengeschäft als auch im Großkundengeschäft wichtige Wachstumsakzente setzen konnten.

Finanzstärke als Trumpf

Dass Zurich Financial ihre Kapitalkraft in den vergangen Jahren kontinuierlich steigerte, ist wohl der Hauptgrund dafür, dass sich die Aktien - wenn auch auf tiefem Niveau - deutlich besser schlagen als jene der wichtigsten Konkurrenten. Seit Jahresbeginn legten die Titel fast 8 % zu. Unter Einrechnung der hohen Dividende von 16 sfr je Aktie beläuft sich der Return sogar auf mehr als 9 %. Papiere der französischen Axa, die ihr Wachstum in der Vergangenheit von einer aggressiven Akquisitionsstrategie abhängig machte und ihre Aktionäre nun mit einer stagnierenden Geschäftsentwicklung enttäuschen muss, verloren zugleich rund 15 %. Auch Allianz-Aktien entwickelten sich schwächer; sie hinken sogar dem Vergleichsindex MSCI Insurance Europa hinterher.

Freilich haben Aktien von Versicherern mit einem grundlegenden Problem zu kämpfen: Neue Eigenmittelvorschriften (Solvency II) wecken die Sorge, dass die Branche bald viel mehr frisches Kapital benötigt. Auch die Unsicherheiten an den Finanzmärkten, von denen seit Ausbruch der aktuellen Euro-Krise zunehmend auch die von allen Versicherern in großem Umfang gehaltenen Staatsanleihen betroffen sind, schlagen den Anlegern auf den Appetit nach Assekuranz-Aktien. Deshalb wird man die Zurich-Titel wohl auch in absehbarer Zukunft als "Dividendenrenditeperlen" bewundern, ohne sie allerdings vehement zusätzlich ins Anlageportfolio zu nehmen.

Börsen-Zeitung, 14.05.2010, Autor Daniel Zulauf, Zürich, Nummer 91, Seite 17, 824 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010091216&titel=Zurich-Financial-schlaegt-sich-achtbar
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