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Redaktion

Geld oder Brief
Von Frank Räther, Johannesburg

Noch ehe heute um 16 Uhr das Auftaktspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen wird, steht der erste Gewinner der Fußball-WM 2010 bereits fest: Aveng. Der größte Baukonzern am Kap modernisierte in den zurückliegenden Monaten das Soccer City Stadion in Johannesburg - mit 94 700 Plätzen die größte Arena in Afrika. Er baute das Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth und erneuerte das für Südafrikas größtes Township wichtige Orlando-Stadion. Er errichtete gemeinsam mit einer lokalen Baufirma das neue Terminal des Internationalen Flughafens von Kapstadt. Und er war an der Erweiterung des Autobahnrings von Johannesburg beteiligt, wo die Strecke über 40 Kilometer von sechs auf acht Spuren erweitert wurde, neue Zufahrten und acht neue Brücken inklusive.

Wen wundert es also, dass Vorstandschef Roger Jardine beim Blick zurück mit der Bilanz zufrieden ist - vor allem, weil sein Unternehmen nunmehr rund 3 Mrd. Rand (320 Mill. Euro) bar in der Kasse hat. Diese Mittel sollen nun für weitere Akquisitionen und als Basis für die Finanzierung weiterer Großprojekte genutzt werden. "Es gibt eine Anzahl von Gelegenheiten für uns - sowohl lokal als auch im Rest von Afrika", umreißt Jardine seine Strategie.

Neuer Fokus: Infrastruktur

Insbesondere baut Aveng nun darauf, dass die südafrikanische Regierung nach der Fußball-WM das in letzter Zeit verzögerte Infrastrukturprogramm mit einem Volumen von insgesamt 846 Mrd. Rand (91 Mrd. Euro) vorantreibt. Zu diesem Programm gehören unter anderen umfangreiche Investitionen in die Energieversorgung; allein der staatliche Stromkonzern Eskom will für 461 Mrd. Rand zwei neue Kraftwerke errichten lassen. Die Verbesserung der Infrastruktur umfasst zudem den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes sowie der Häfen, den Bau von Pipelines sowie den weiteren Aufbau der Wasserversorgung. Aveng hofft auf Aufträge, deren Volumen sich insgesamt auf 102 Mrd. Rand summiert.

Als weiteres Wachstumsfeld hat das Management des Unternehmens die Errichtung von Anlagen für Wind- und Solarenergie identifiziert. Dabei strebt Vorstandschef Jardine Kooperationen mit Stromversorgern an. Hinzu soll der Bau von weiteren großen Einkaufszentren und Bürobauten kommen, den Aveng in der Vergangenheit bereits sehr profitabel betrieben hat. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der konjunkturelle Aufschwung in Südafrika anhält und somit auch die Löhne steigen und neue Arbeitsplätze entstehen. Nicht zuletzt plant Aveng bereits die Expansion in andere afrikanische Staaten, in denen ebenfalls deutliches Wirtschaftswachstum zu erwarten ist.

All das ist auch notwendig, um langfristig gute Bilanzen vorzuweisen. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2009 endete, lag der Umsatz mit 33,8 Mrd. Rand doppelt so hoch wie noch drei Jahre zuvor. Der Betriebsgewinn hat sich in diesem Zeitraum auf 3 Mrd. Rand verdreifacht, der Reingewinn sogar auf 2,1 Mrd. Rand vervierfacht. Dabei lieferten Akquisitionen einen hohen Beitrag. Die Assets verdoppelten sich zwischen 2006 und 2009 auf 22,7 Mrd. Rand. Als allerdings die WM-Projekte nach und nach ausliefen und keine neuen Aufträge in ähnlicher Größenordnung hinzu kamen und zugleich die Stahlpreise abstürzten, rutschten im 2. Halbjahr 2009 der Betriebsgewinn um 29 % und der Reingewinn um 49,5 % ab. Der Umsatz gab um 5 % auf 16,8 Mrd. Rand nach. Der Gewinn pro Aveng-Aktie fiel von 2,44 auf 1,64 Rand.

Aveng ist allerdings zuversichtlich, da das Auftragsbuch für die nächsten zwei Jahre inzwischen mit 32,7 Mrd. Rand gefüllt ist; die Summe ist um fast ein Zehntel höher als noch Mitte 2009. Die Aufträge bestehen hauptsächlich aus Infrastruktur- und Industriebauprojekten (39 %) sowie Aufträgen aus dem Bergbau (36 %). Jeweils etwas mehr als ein Zehntel steuern Bauten für die Stromerzeugung und für die Wasserwirtschaft bei. Dabei kommen die Auftraggeber zu jeweils einem Drittel aus dem südlichen Afrika und Australien/Ozeanien, das restliche Drittel aus anderen afrikanischen Ländern, Südostasien und dem Nahen Osten. Der Investitionsbedarf in all diesen Staaten dürfte in den kommenden Jahren noch steigen.

Die schon seit rund 120 Jahren existierende Aveng ist mit ihren Tochterunternehmen in mehr als 30 Ländern mit 32 000 Beschäftigten aktiv. Das Unternehmen hat ein weit diversifiziertes Projektportfolio und ist sowohl in den Boombranchen Energie, Bergbau und Transport als auch im Stahlsektor vertreten. In Südafrika ist die Tochter Grinaker-LTA, die im Hoch- und Tiefbau sowie dem Bau von Bergbauschächten engagiert ist, einer der führenden Konzerne.

Die Tochtergesellschaft McConnell Dowell ist ebenfalls in diesen Bereichen sowie im Pipeline- und Tunnelbau vor allem in Südostasien und dem australisch-pazifischen Raum aktiv, Moolmans in ganz Afrika im Tagebau, Trident Steel in der Stahlbranche. Zwei Drittel von Umsatz und Gewinn bringt das Baugeschäft, das restliche Drittel stammt aus Industrie und Tagebau.

Ausländer halten 37 Prozent

Aveng hat 396 Millionen Aktien ausgegeben. Ihr Besitz ist weit gestreut. 65 Großaktionäre verfügen über 70 % der Anteile, davon sind jeweils ein Viertel Banken und Pensionsfonds. Ein weiteres Drittel halten Fondsgesellschaften und Versicherer. Nach Angaben des Unternehmens sind 63 % der Aktien im Besitz von Südafrikanern, 25 % von US-Amerikanern sowie jeweils 6 % in der Hand von Briten und anderen Ausländern.

Das Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2008/09 eine Kapitalrendite von 25,8 % und eine Kapitalnettorendite von 19,2 %. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt gegenwärtig 7,92 %. Die Marktkapitalisierung an der Johannesburger Börse beträgt 14 Mrd. Rand. Der Kurs schwankte zuletzt zwischen 35 und 40 Rand. Dies ist deutlich über dem Niveau des Krisenjahres 2009, aber unter dem von 2008, als Aveng 65 Rand erreichte.

Börsen-Zeitung, 11.06.2010, Autor Frank Räther, Johannesburg, Nummer 109, Seite 17, 848 Wörter

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