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Redaktion

Geld oder Brief
Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Es war einer der durchgreifendsten Konzernumbauten in der jüngsten Zeit: Die Gea Group - aus der skandalumwitterten Metallgesellschaft hervorgegangen - hat sich in den vergangenen Jahren komplett neu erfunden. Nach umfangreichen Divestments und teils schmerzhafter Altlastenbeseitigung schälte sich ein fokussierter Spezialmaschinen- und Anlagenbauer mit den Schwerpunkten Nahrungsmittelindustrie und Energietechnik heraus. Der MDax-Konzern mit einem Umsatzvolumen von zuletzt 4,4 Mrd. Euro und einer Marktbewertung von aktuell 3,2 Mrd. Euro hat sich eine neue Identität gebastelt und will jetzt richtig Gas geben. Der Vorstand bereitet den Markt bereits seit einiger Zeit auf Zukäufe - auch größere mit 200 bis 300 Mill. Euro Umsatz - vor. Die Kapazitäten für solche Integrationsaufgaben seien nach dem Abschluss der Vergangenheitsbewältigung jetzt frei, sagte Finanzvorstand Helmut Schmale jüngst im Interview (vgl. BZ vom 29. Mai).

Besser als die Branche

Die wesentlichen Hausaufgaben hat die Gea Group bereits erledigt. Von der Wirtschaftskrise war der Maschinenbauer naturgemäß stärker betroffen als andere Unternehmen, doch wurde der Vorstand nie müde zu betonen, dass es anderen in der Branche weitaus schlechter ging. Zwar meldete auch Gea 2009 Orderrückgänge von teilweise mehr als 20 % pro Quartal, doch klagte der Branchenverband VDMA über doppelt so hohe Einbrüche. Die Gea wirbt mit ihrer zunehmenden Fokussierung auf wenig konjunktursensible Industrien. Gegessen und getrunken werde auch in der Krise, argumentiert der Vorstand. Zudem wachse der Energiebedarf vor allem in den Schwellenländern stetig.

Strategisch erscheint die Story plausibel, mit der Konzernchef Jürg Oleas seit Jahren die Welt bereist. Der 52-jährige Schweizer, der die Gea Group seit November 2004 führt, ist eine der wenigen Konstanten im Konzern. Der "leidenschaftliche Ingenieur", als den er sich selbst bezeichnet, hatte zunächst dafür gesorgt, dass der Konzern aus den Schlagzeilen kam. Anders als mancher seiner Vorgänger ist Oleas kein Liebhaber des Rampenlichts. Unprätentiös wie er selbst präsentiert sich seit sechs Jahren auch der Konzern. Der Hauptsitz im wenig spektakulären Gewerbegebiet von Bochum-Hofstede soll in wenigen Monaten zwar ins mondänere Düsseldorf verlegt werden, doch verzichtet Gea auf einen pompösen Neubau und mietet sich in einer Immobilie am Düsseldorfer Flughafen ein. Die internationale Anbindung dort ist einfach besser als in der Revierstadt Bochum.

Kein Ankeraktionär

Das Geschäft der Gea Group soll noch internationaler werden. Bei den Investoren ist das bereits gelungen - fast zu gut, wie Finanzchef Schmale meint. Er würde den Anteil von etwa 12 % deutscher Investoren gerne noch vergrößern, die Gea im Heimatland am Kapitalmarkt sichtbarer machen.

Über einen Ankeraktionär verfügt die Gea Group nicht. Das Kuwait Investment Office ist mit seinem Anteil von 8,3 % bereits lange dabei. Größter Anteilseigner ist der Fondsriese Blackrock mit 10,1 %. Daneben kommt nur noch die französische Amundi über 5 %.

MDax klar geschlagen

Als Übernahmekandidat wird die Gea Group aber nicht gehandelt. Ein Schnäppchen ist der Konzern längst nicht mehr. Mit dem Aktienkurs geht es seit dem Frühjahr 2009, von einigen Aus- und Rückschlägen abgesehen, kontinuierlich aufwärts. Der Kurs hat binnen Jahresfrist gut 60 % zugelegt und den MDax damit klar geschlagen. Bei der schwedischen Konkurrentin Alfa Laval, die als Hauptwettbewerberin gilt, war es mit gut 70 % allerdings ein Schnaps mehr. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 17 ist der MDax-Wert zudem nicht mehr ganz billig. Alfa Laval ist mit 15 etwas günstiger. Die Schweden haben in der operativen Performance zudem die Nase deutlich vorn: Während Gea bis 2012 eine Ebit-Marge von 12 % anpeilt, lag Alfa Laval bereits im vergangenen Jahr bei 15,5 %.

Die Analysten sind trotzdem positiv gestimmt: 16 Beobachter empfehlen die Aktien zum Kauf, sechs geben sich neutral, nur vier haben den Daumen gesenkt.

Refinanzierung gestemmt

Drei Weichenstellungen aus der jüngsten Zeit stimmen die Beobachter positiv: Erstens scheint Gea die Vergangenheit tatsächlich endlich bewältigt zu haben. Die hochdefizitären Projekte im längst abgegebenen Großanlagenbau, für die der Konzern aber immer noch haftet, sind allesamt in der Endphase. Weitere Rückstellungen waren 2009 nicht mehr nötig. Lediglich beim Cash-flow machen sich die Altlasten weiterhin bemerkbar - rechnet der Vorstand doch in diesem Zusammenhang mit Mittelabflüssen von 220 Mill. Euro für 2010. Zweitens hat das Management im Juni die dringend benötigte Refinanzierung mit einem Schlag über die Bühne gebracht und mit einer neuen syndizierten und zeitlich gestaffelten Kreditlinie über 650 Mill. Euro für finanzielle Sicherheit in den kommenden Jahren gesorgt. Drittens meldete der Konzern für Mai erstmals wieder einen sprunghaften Anstieg des Auftragseingang von 21 %. Die gesamten Zahlen für das zweite Quartal legt Gea in einer Woche am 30. Juli vor.

Restrukturierung läuft

Die positiven Nachrichten sollten allerdings den Blick darauf nicht verschließen, dass die Gea vom Vorkrisenniveau noch ein gutes Stück entfernt ist: Operativ werde es auch noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der Konzern dort wieder angelangt sei, hatte Oleas im Frühjahr verkündet - trotz des Abbaus von 2 300 Stellen und eines großen Restrukturierungsprogramms, das vor allem die Sparte Heat Exchanger umkrempelt. Weit entfernt ist die Gea auch von einstigen Kurshöhen: Vor nicht einmal drei Jahren war der Konzern den Investoren immerhin mehr als 5 Mrd. Euro wert.

Börsen-Zeitung, 23.07.2010, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf, Nummer 139, Seite 17, 821 Wörter

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