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Geld oder Brief
Von Frank Bremser, Frankfurt

Am Montag hatte Walter Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), ausnahmsweise einmal angenehmen Stress. Small Talk und sich zeigen war angesagt bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele. Doch das war nur von kurzer Dauer, danach ging es wieder zurück nach Wien ins Büro. Und dort wird der Stress weder bei dem genossenschaftlichen österreichischen Spitzeninstitut noch bei der Osteuropa-Holding-Tochter Raiffeisen International (RI) so bald enden. Einen ersten Höhepunkt für die Giebelkreuzler, wie sie in Österreich in Anlehnung an ihr Logo auch genannt werden, gab es bereits zum Monatsanfang: Da segneten die Aktionäre in den jeweiligen Hauptversammlungen die Rückfusion der beiden Häuser, die sich 2005 getrennt hatten, ab. Name des fusionierten börsennotierten Hauses: Raiffeisen Bank International. Bislang war nur die Tochter RI börsennotiert.

Nur europäisches Mittelfeld

Ende der vergangenen Woche gab es dann erneut Stress, nämlich den europaweiten Bankenstresstest, an dem die RZB als eines von zwei österreichischen Häusern teilnahm. Im Ergebnis rangierte das Haus im europäischen Mittelfeld: Die RZB kam im Extrem-Szenario mit einer Core Tier 1 Ratio von 7,8 % im europaweiten Vergleich auf Platz 52 von 91 Banken. Das durchschnittliche Ergebnis begründen Analysten mit dem bei österreichischen Häusern relativ geringen Kapitalpuffer. Zudem legte die Österreichische Nationalbank (OenB) strengere Kriterien an als andere Länder; so wurde ein deutlich stärkerer Absturz der osteuropäischen Wirtschaft simuliert als vorgegeben. Für einige Osteuropa-Länder wurden bis zu 7 Prozentpunkte Unterschied im Wirtschaftswachstum angenommen.

Dass die OenB einen solchen Zusatztest machte, hat einen Grund: Osteuropa ist das Kerngeschäftsgebiet für österreichische Banken und auch für die Giebelkreuzler. Die RI wurde aus dem damaligen Raiffeisen-Konzern extra als Holdinggesellschaft für die Osteuropatöchter herausgelöst. 56 000 Mitarbeiter in 3 000 Filialen von Kaliningrad bis Kamtschatka, so umschrieb RI-Chef Herbert Stepic kürzlich sein Haus. Und dabei ist die Expansion nach Osten noch nicht abgeschlossen. In einem Interview erklärte der aktuelle RI- und bald Raiffeisen-Bank-International-Chef Stepic kürzlich: "Für uns kommen nur strategische Beteiligungen oder Übernahmen in Märkten in Frage, die unserer Positionierung oder unserem Marktanteil guttun würden. Polen ist zweifellos ein Markt, auf den diese Kriterien zutreffen."

Dabei haben die österreichischen Genossen im Prinzip keine Auswahl, denn offiziell zum Verkauf steht derzeit nur der Allied-Irish-Banks-Anteil an der BZ WBK. Bislang gelten nur BNP Paribas und die polnische PKO Bank Polski als Interessenten. Lange Zeit hatten die Genossen ein Interesse dementiert, aber inzwischen scheint man in Wien umzudenken.

Dass Osteuropa ein lukrativer Markt ist, bleibt unbestritten. Das Marktpotenzial haben die Häuser aus der Alpenrepublik früher als viele Konkurrenten erkannt und sind nun die Big Player in den Länder östlich von Oder und Donau. Das brachte lange Zeit hohe Gewinne, in der Finanzkrise aber auch gewaltige Verluste. Noch immer sitzen RZB und Co. auf einem Berg an Non Performing Loans, und in vielen Ländern hängt die Entwicklung noch immer hinterher.

Zugang zum Kapitalmarkt

Einer der wichtigsten Gründe für die nun angestrebte Rückfusion ist, dass die gemeinsame Bank einen einfacheren Zugang zum internationalen Kapitalmarkt erhält. Und den braucht sie auch. Denn spätestens mit den neuen Eigenkapitalanforderungen durch Basel III benötigen nicht nur RZB und RI, sondern alle österreichischen Banken viel Geld. Auch muss irgendwann einmal das vom Staat erhaltene Partizipationskapital zurückgezahlt werden, bei Raiffeisen immerhin 1,75 Mrd. Euro. Das weiß auch Stepic und begründete die Notwendigkeit der Rückfusion kürzlich mit den Kapitalmarktgegebenheiten. Mit dem Zusammengehen bekomme man als ein einziger börsennotierter Konzern Zugang sowohl zum Anleihe- als auch zum Aktienmarkt.

Experten gehen indes davon aus, dass die Fusion von RZB und RI erst der Anfang einer Konsolidierungswelle im heimischen Bankensektor ist. Denn der österreichische Markt gilt als überbesetzt, einige Institute haben Probleme vor allem aufgrund von Osteuropa-Risiken und der Basel-III-Anforderungen. Diese Kapitalnot und angedachte Bankenabgaben sorgen in Österreich für Unmut. Im Zusammenhang mit einer anstehenden Bankensteuer in Ungarn ärgerte sich RZB-Chef Rothensteiner kürzlich: "Gemeinsam mit anderen Vorschriften wie höherer Einlagensicherung wird das dazu führen, dass keine Bank mehr Gewinne macht."

Die Bank gewinnt Konturen

Die neue Bank nimmt derweil langsam Konturen an. Die neu entstehende Raiffeisen Bank International AG wird an der Wiener Börse gelistet werden bzw. bleiben. Umstritten war im Vorfeld das Bewertungsverhältnis zwischen RI und den hinzukommenden Teilen der RZB, das mit 30,7 : 1 festgelegt wurde. Kritisiert worden war, dass das Tauschverhältnis die Minderheitsaktionäre (RI-Streubesitz: 27 %) benachteilige. Bei der neuen Bank wird der Streubesitz auf 21,5 % sinken. Der Rest wird der RZB gehören, die bei der Fusion zwar ihre Assets abgibt, aber weiterhin unter der Führung Rothensteiners als Raiffeisen-Spitzeninstitut und als Steuerungsholding für den gesamten RZB-Konzern fungieren wird. Bewertet wird die RI in der Fusion mit 7,579 Mrd. Euro (49,3 Euro je Aktie). Die Fusionsbank gesamt wird auf einen Wert von 9,6 Mrd. Euro taxiert.

Also viele Baustellen und viel zu tun für die Raiffeisen-Spitze. Dass die Kapitalmärkte mit der Situation der Bank immer noch nicht viel anfangen können, zeigen auch die Analystenempfehlungen: Sechsmal "Kaufen", sechsmal "Halten" und sechsmal "Verkaufen" lautet derzeit der Voting-Überblick. Fakt ist aber, dass langfristig die neue Raiffeisenbank eine hochinteressante Bank sein wird. Das weiß auch Rothensteiner und wird sich dementsprechend in Salzburg gut entspannt haben. Gespielt wurde übrigens unter anderem das Duett "Mir ist die Ehre widerfahren" aus dem "Rosenkavalier" von Richard Strauss.

Börsen-Zeitung, 30.07.2010, Autor Frank Bremser, Frankfurt, Nummer 144, Seite 17, 847 Wörter

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