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Redaktion

Geld oder Brief
Von Thorsten Kramer, Frankfurt

Als der stark wachsende Internet-Reifenhändler Delticom im Herbst vor vier Jahren die Pläne für seinen Börsengang konkretisierte, waren am Markt auch kritische Stimmen zu vernehmen. Im Grunde sei jeder kleine Reifenhändler an der Ecke ein Konkurrent des Unternehmens, die Preismacht in diesem hart umkämpften Markt sei nicht groß, argumentierte damals beispielsweise ein in München erscheinendes Anlegermagazin, das deshalb zu der Empfehlung kam, den Titel nicht zu zeichnen. Das war, so lässt sich heute feststellen, eine Fehleinschätzung. Die Geschichte von Delticom ist eine Erfolgsgeschichte, und Anleger, die seit der Erstnotiz im Oktober 2006 dabeigeblieben sind, haben ihr Kapital mehr als verdoppelt. Nach dem steilen Kursanstieg der zurückliegenden 18 Monate stellt sich nun allerdings die Frage, ob eine Phase der Konsolidierung ansteht.

Delticom wurde im Juli 1999 aus der Taufe gehoben; die Gründer Rainer Binder und Andreas Prüfer haben mit rund 54 % der Anteile nach wie vor die Kontrolle. In den zurückliegenden elf Jahren entwickelte sich das Unternehmen sehr rasant. Inzwischen verkauft Delticom allein in Europa in fast 30 Ländern Reifen für Autos. Hinzu kommen Japan, Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Angebot umfasst in vielen Ländern zudem Reifen für Motorräder und Lastwagen, außerdem ist das Geschäft mit Autoersatzteilen und Motorölen im Aufbau.

Viele neue Kunden

Die Reifen verkauft das Unternehmen häufig 20 bis 25 % günstiger als stationäre Reifenhändler. Gleichwohl werden europaweit erst 3 bis 5 % der Reifen im Internet gekauft. Hier schlummert noch erhebliches Wachstumspotenzial für das Unternehmen: Eine von Forsa im April 2010 durchgeführte repräsentative Umfrage im Auftrag von Delticom zeigte, dass sich jeder dritte Autofahrer in Deutschland den Kauf von Reifen im Internet vorstellen kann. Bei den unter 30-Jährigen lag die Quote der potenziellen Kunden sogar bei 42 %.

Auf Sicht bis zum Jahresende rechnet Delticom allerdings erst einmal mit geringerem Wachstum. Dies hatte Vorstandschef Frank Schuhardt bereits vor etwa drei Wochen im Interview der Börsen-Zeitung durchblicken lassen (vgl. BZ vom 21. Juli). Nun, mit der Veröffentlichung der Bilanz für das zweite Quartal, wurde diese Prognose durch das Unternehmen bestätigt. Der Umsatz soll im Gesamtjahr aber immerhin um mindestens 10 % wachsen, die operative Marge soll bei 8 % liegen. Verglichen mit den ersten beiden Quartalen ist dies tatsächlich ein kleiner Rückschritt: Nach dem durch die Abwrackprämie und den kalten Winter begünstigten Ausnahmequartal zum Jahresbeginn steigerte Delticom den Umsatz im zweiten Quartal noch um 16,7 % auf knapp 103 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr, die Marge erhöhte sich von 8,6 % auf 10,6 %.

Hohes Dividendenplus

Angesichts des starken Wachstums im zurückliegenden Winter, an dem Aktionäre bereits durch die Anhebung der Dividende von 1 Euro auf 1,70 Euro für 2009 partizipierten, rechnet das Management nun damit, dass die Verkaufszahlen nicht mehr so dynamisch steigen. Zudem schließt Delticom es nicht aus, dass Preise und damit die Marge unter Druck geraten, wenn die Nachfrage nach Winterreifen stark nachlässt. Die Analysten der BHF-Bank, die die Aktie von Delticom mit einem Kursziel von 52 Euro und der Bewertung "Strong Buy" einstufen, sehen in einem milden Winter jedenfalls das Hauptrisiko für die Bewertung an der Börse.

Anleger machen Kasse

Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am vergangenen Dienstag zählte Delticom im Kleinwertesegment SDax zweimal in Serie zu den Tagesverlierern: Sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch büßte der Titel mehr als 2 % ein und entfernte sich damit vom Rekordhoch, das der Wert noch zu Wochenbeginn bei 42,99 Euro erreicht hatte. Am Donnerstag gab der Titel zeitweise weiter nach. Die Prognose des etwas abflachenden Wachstums, insbesondere aber der steile Kursanstieg der zurückliegenden 18 Monate lässt Gewinnmitnahmen allerdings opportun erscheinen. Zum Jahresbeginn 2009 notierte der Delticom-Kurs schließlich noch bei 27,61 Euro. Seitdem kletterte der Titel in der Spitze um rund 56 %, während sich der SDax lediglich um rund 16 % verbesserte.

Mit diesem steilen Kursanstieg und der Bewertungsausdehnung auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,7 begründet die Privatbank Merck Finck denn auch, dass sie Delticom nun von "Kaufen" direkt auf "Verkaufen" herunterstufte. Das Momentum des Wachstums, so heißt es in der Analyse der Bank, werde aufgrund von Basiseffekten nachlassen. Daher sei die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen. Gleichwohl traut Merck Finck dem Unternehmen zu, im Gesamtjahr einen Gewinn je Aktie von 1,94 Euro zu erreichen und diesen bis 2012 auf 2,62 Euro zu steigern.

Momentum lässt nach

Die Berenberg Bank argumentiert ähnlich. Sie erkennt auf kurze Sicht ebenfalls geringes Momentum, und Preisanhebungen der Reifenhersteller dürften die Marge im zweiten Halbjahr drücken. Die Nord/LB erhöhte dagegen ihr Kursziel von 43 auf 47 Euro. Die Analysten sehen in den zurückliegenden Aktienkäufen von Mitgliedern des Vorstands und Aufsichtsrats ein positives Signal, sie weisen zudem darauf hin, dass sich das Delticom-Management mit seinen stets konservativen Prognosen Vertrauen am Kapitalmarkt erworben habe. Nach Überzeugung der BHF-Bank ist die Wachstumsstory von Delticom intakt.

Diese Story könnte neue Kapitel schreiben, wenn die Hoffnung trägt, dass Kunden ihre Reifen häufiger im Internet bestellen. Potenzial entsteht zudem dadurch, dass sich mit der Wahl von leichter abrollenden Reifen der Verbrauch der Fahrzeuge reduzieren lässt. Nicht zuletzt strebt Delticom eine weitere Expansion in Europa und Nordamerika an. Damit würde die Position als größter Internet-Anbieter für Reifen gefestigt - und das ehrgeizige Ziel, den Umsatz innerhalb von vier oder fünf Jahren zu verdoppeln, rückte dadurch näher.

Börsen-Zeitung, 13.08.2010, Autor Thorsten Kramer, Frankfurt, Nummer 154, Seite 17, 862 Wörter

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