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Redaktion

Leitartikel
Die Deutsche Bank bittet zum Tanz: Sie hat die BHF-Bank zur Veräußerung gestellt, und alle Beteiligten kennen ihre Schrittfolge. Da streut der Verkäufer zunächst, eine Transaktion sei gar nicht zwangsläufig, es würden lediglich die "strategischen Optionen" geprüft, damit niemand auf die Idee komme, man wolle die BHF-Bank loswerden. Potenzielle Interessenten geben sich derweil Mühe, die Deutsche-Bank-Tochter und überhaupt den ganzen Prozess madig zu machen, auf dass dies den Preis drücke. Ein Käufer werde das Institut gründlich umbauen müssen, wird da unter anderem lanciert. Selbst die warme Jahreszeit hat schon als Argument dafür herhalten müssen, dass aus dem Verkaufsprozess nichts werden könne. Soweit geht alles seinen gewohnten Gang.

Wer beim Tänzchen nun führen wird, ist indes noch nicht ausgemacht und hängt auch davon ab, wie geschickt sich die Parteien auf dem Verhandlungsparkett bewegen. Ein Erlös deutlich über dem Buchwert von 640 Mill. Euro dürfte allerdings illusorisch sein, wie Sal. Oppenheim schon feststellen musste beim Versuch, die BHF-Bank zu veräußern. Was gegen einen hohen Preis spricht, liegt auch ohne Einflüsterungen potenzieller Bieter offen zutage: Das Debakel der ehemaligen Mutter Sal. Oppenheim ist nicht spurlos am Institut vorübergegangen. 2009 schnurrte das Vorsteuerergebnis im Zuge von Umbauten zusammen, im fortzuführenden Geschäft lief ein Fehlbetrag auf. Zudem ist doch gerade jetzt, da auf Geheiß der EU der Markt überschwemmt wird mit zu verkaufenden Banken, zugleich aber in den Sternen steht, wie Kernkapital künftig definiert wird, nicht eben der geschickteste Zeitpunkt, den Veräußerungserlös zu maximieren. Nach einem Verkauf, es wäre der vierte Eigentümerwechsel in elf Jahren, wird die Bank vor allem eines brauchen: Ruhe.

Offen zutage liegen aber auch die Vorzüge des Instituts. Wann war auf dem deutschen Markt zuletzt ein Vollsortimenter zu haben, der ein etabliertes Private Banking, Asset Management, Corporate Banking und Kapitalmarktaktivitäten unter einem Dach vereint? Ein Haus überdies, das angesichts neuer Kapitalvorgaben im Handel zwar noch etwas kürzer wird treten müssen, das aber nicht wie manch andere Gesellschaft noch toxische Wertpapierbestände oder andere Risiken unwägbaren Ausmaßes mit sich herumträgt? Alle Welt will mittlerweile im deutschen Private-Banking-Markt reüssieren - hier steht eine Bank zum Verkauf, die für reiche Kunden immerhin 43 Mrd. Euro verwaltet und wie kaum ein zweites Institut Zugang zum gehobenen Mittelstand besitzt. Bearbeitet sie diese Zielgruppe effektiv, kann sie hierzulande die Nische zwischen den kleinen Häusern und den Riesen der Branche besetzen.

Unter wessen Führung? Das Management macht keinen Hehl daraus, dass es sich als neue Mutter einen strategischen Investor wünscht, wohl in der Hoffnung, die Umbauten nach einem Eigentümerwechsel damit zu minimieren. Mit einem kleineren Haus aus dem Ausland, etwa LGT, scheint man sich gut anfreunden zu können. Im Inland dagegen kommt kaum ein Haus in Frage: Der größte Wettbewerber hat die BHF-Bank ins Schaufenster gestellt, den übrigen Adressen dürfte es, soweit dort Interesse besteht, am Geld fehlen. Internationale Großbanken wiederum wird abschrecken, dass ein Kauf der Bank umfangreiche Überschneidungen mit dem eigenen Portfolio mit sich brächte. Mehr Sinn hätte da eine Übernahme durch die Abu Dhabi Investment Company, mit der die BHF-Bank Anfang 2009 eine strategische Partnerschaft einging. Die Frankfurter könnten dann hierzulande das gehobene Privatkundengeschäft besorgen und auch die Beteiligungen des Staatsfonds aus dem Nahen Osten verwalten.

Kurioserweise aber macht gerade das jahrelange Hin und Her im Eigentümerkreis mit seinen strategischen und operativen Folgen die Bank auch attraktiv für jene von Vorstandssprecher Björn Robens mit Argwohn beäugten Finanzinvestoren. Sie juckt das Tanzbein beim Anblick von Gesellschaften, die manche in ihren Kreisen für "undermanaged" halten. Eine Beteiligungsgesellschaft, die mit einer anderen Bank für die BHF-Bank bieten könnte, hätte im Wesentlichen zwei Hebel, Ertrag und Ergebnis hochzufahren. Die zuletzt klamme Sal. Oppenheim hatte die BHF-Bank in ihrer Bewegungsfreiheit und Risikotoleranz zunehmend eingeschränkt - mit einem neuen Eigentümer kann sie ihr Potenzial möglicherweise besser ausschöpfen. Vor allem aber reizt Private Equity die Aussicht, durch Einsparungen das Ergebnis zu verbessern. Überkapazitäten sind bereits im Back Office diagnostiziert worden: Ein Abbau von Personal wird nicht lange auf sich warten lassen, gleich unter welchem Eigentümer.

Vorstand und Mitarbeitern der BHF-Bank wird in den kommenden Wochen nur die Rolle von Zuschauern des Verkaufsprozesses bleiben. Die Deutsche Bank hat zwar kein Interesse, ihre Tochter in eine Mesalliance zu zwingen, dies schon deshalb, weil ein Käufer sich Klauseln ausbedingen wird, denen zufolge er nur dann den vereinbarten Preis zahlen wird, wenn bei Abschluss der Transaktion die wichtigsten Mitarbeiter und Kunden noch im Hause sind. Auch dies aber heißt, dass für die Deutsche Bank im Zweifel nur eines zählt: Dass sie nach dem Schlusstakt die Kasse klingeln hört.


Börsen-Zeitung, 26.08.2010, Autor Bernd Neubacher, Nummer 163, Seite 8, 738 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010163093&titel=Tanz-um-die-BHF-Bank
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