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Redaktion

Geld oder Brief
Von Andreas Heitker, Düsseldorf

Das Jahr 2010 wird den Aktionären des Energieversorgers Eon in keiner guten Erinnerung bleiben. Zwar sah es zu Jahresbeginn noch so aus, als federe der Dax-Konzern die Folgen der Wirtschaftskrise locker ab, doch wurde im Jahresverlauf der Blick auf die Belastungen ab dem kommenden Turnus immer klarer. Seit Anfang Mai verlor die Eon-Aktie daher immer mehr Anschluss an die allgemein positive Börsenentwicklung. Während der Dax seit Jahresbeginn um 15 % zugelegt hat, verlor die Eon-Aktie bislang satte 24 %. Nur RWE war mit einem Minus von 29 % noch schwächer. Mit großem Abstand zum Nächstplatzierten sind die Papiere der Versorger 2010 die großen Verlierer im Dax.

Auch Johannes Teyssen, der Anfang Mai den Vorstandsvorsitz in der Eon-Zentrale übernommen hat, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Seine mit Spannung erwartete und vor gut drei Wochen endlich verkündete neue Strategie brachte der Eon-Aktie ebenfalls keinen Rückenwind: Die Papiere notieren heute in etwa wieder auf dem Niveau, auf dem sie sich schon vor der Strategieverkündung zeigten. Auch der Verkauf der Gazprom-Beteiligung in dieser Woche für 3,4 Mrd. Euro und die damit verbundene Aussicht auf einen forcierten Schuldenabbau konnte dem Kapitalmarkt gerade einmal ein müdes Lächeln entlocken.

Skeptische Analysten

Trotz des mittlerweile sehr niedrigen Niveaus sehen auch noch längst nicht alle Analysten wieder Kurspotenzial: Von den 39 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten stuft nur ein Drittel die Eon-Aktie derzeit wieder mit "Buy" oder "Outperform" ein. 16 Analysten raten zum "Halten" der Eon-Aktie, und immerhin zehn sagen weiterhin noch "Underperform" oder "Sell".

Grund für die vergleichsweise schlechte Stimmung sind die Gewinnerwartungen bei den Versorgern ab dem kommenden Jahr. Gleich mehrere negative Entwicklungen setzen die Energiekonzerne zurzeit unter Druck. Zum einen werden sich die im Zuge der Wirtschaftskrise drastisch gesunkenen Großhandelspreise beim Strom künftig auch in den Bilanzen der Versorger niederschlagen. Bislang profitierten Unternehmen wie Eon noch von einem früheren, höheren Preisniveau und den langfristig auf Termin schon verkauften Strommengen.

Die Umbrüche in dem für den Konzern so wichtigen Gasgeschäft machen Eon schon heute schwer zu schaffen. Die Großhandelsmargen sind dramatisch gesunken, und das Ende der Überkapazitäten auf den Gasmärkten wird nach allgemeiner Einschätzung noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Ab dem kommenden Jahr schlägt für die deutschen Versorger zudem die Kernbrennstoffsteuer zu Buche. Eon wird von der geplanten Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke langfristig zwar profitieren, muss in den kommenden Jahren aber erst einmal mit Milliardenbeträgen in Vorleistung gehen. Und ab 2013 droht den europäischen Versorgern weiteres Ungemach, weil sie in der dann beginnenden neuen Periode des Emissionshandels keine kostenlosen Zertifikate mehr erhalten, was die CO2-Kosten bei der Stromproduktion drastisch nach oben treibt.

Ratingagenturen warnen

Standard & Poor's verwies in einer Studie im November auf die hohen Ausgaben, die in den kommenden Jahren beim Umbau des derzeit CO2-intensiven Kraftwerkparks in Europa anfallen werden, und warnte vor einem erhöhten Druck bei zahlreichen Versorgern auf das Rating. Hinzu kämen weitere Herausforderungen: "Strom- und Gasversorger haben es heute mit einem immer komplexeren, volatileren und unsichereren operativen Umfeld zu tun, was sich durch die steigenden politischen Risiken nur noch verschärft." Die Agentur Fitch sieht vor allem die deutschen Versorger aufgrund der Kernbrennstoffsteuer unter Druck und warnt vor den anstehenden Cash-flow-Belastungen.

Eon will bis 2013 rund 20 Mrd. Euro investieren. Finanzchef Marcus Schenck geht aber davon aus, dass die Investitionen insgesamt aus dem operativen Cash-flow bezahlbar sind. Die schwierigen Rahmenbedingungen werden aber auch bei Eon die Gewinne unter Druck setzen. Nach Berechnungen von Schenck wird das Nettoergebnis von 5,1 Mrd. Euro bis 2013 um etwa 10 % sinken. Analysten prognostizieren im Schnitt bereits 2011 einen Rückgang des Gewinns je Aktie auf 2,19 Euro von für dieses Jahr erwarteten 2,69 Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll den Eon-Plänen zufolge 2013 auf dem Niveau von 2010 gehalten werden (gut 13 Mrd. Euro) - allerdings ohne Berücksichtigung von Portfoliomaßnahmen. Und Eon hat angekündigt, bis 2013 Assets für rund 15 Mrd. Euro zu veräußern. Nach Schätzungen von Analysten geht mit den Desinvestitionen auch ein operatives Ergebnis von rund 2 Mrd. Euro verloren.

Dividende dürfte sinken

Die kommenden zwei Jahre will Eon-Chef Teyssen vorrangig zur finanziellen Konsolidierung nutzen. Für die Aktionäre bedeutet dies, dass sie für das laufende Jahr 2010 noch einmal eine stabile Dividende von 1,50 Euro je Aktie erhalten, sich ab 2011 aber auf eine niedrigere Ausschüttung einstellen müssen. Um die Sorgen der Anleger etwas zu dämpfen, hat Finanzchef Schenck aber bereits eine Mindestausschüttung von voraussichtlich 1,30 Euro angekündigt.

Eon-Chef Teyssen versucht zurzeit, das Ruder herumzureißen. Unter anderem wurde schon das Kostensenkungspaket aufgestockt. Neben dem ohnehin schon laufenden "Perform-to-Win"-Paket, das nachhaltige Einsparungen von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr zeigen wird, sollen zusätzliche Maßnahmen bis 2013 weitere 600 Mill. Euro an Kostensenkung bringen. Mittelfristig soll auch die Expansion in neue außereuropäische Märkte den Gewinnrückgang in der bisherigen Kernregion auffangen helfen. Diese Wachstumsaussichten sind vielen Analysten aber noch zu vage - der Aktie von Eon kann das im Augenblick noch nicht helfen.

Börsen-Zeitung, 03.12.2010, Autor Andreas Heitker, Düsseldorf, Nummer 234, Seite 17, 809 Wörter

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