Redaktion

Kommentar
Seit Monaten bemühen sich Europas Politiker darum, die Akteure an den Finanzmärkten zu beruhigen. Das gelingt ihnen denkbar schlecht. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass die Entscheidungen, die gefällt werden, völlig untauglich wären. Aber wo sich jeder, der eigentlich nichts zu sagen hat, zu Wort meldet und wo viel versprochen wird, was kaum zu halten ist, entsteht Unsicherheit, die schon im Schaulaufen vor Wählern ärgerlich ist - erst recht bei den Bemühungen, Investoren zu beruhigen.

Gewiss, Europa ist eine politisch komplizierte Architektur, die mehr Auseinandersetzungen verlangt als ein Zentralstaat. Zudem kann keinem demokratisch denkenden Menschen daran gelegen sein, irgendwem den Mund zu verbieten, der Vorschläge zu machen hat. Aber wer - wie der EU-Kommissionschef - eine öffentliche Diskussion über die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms anfacht, darf sich dann auch nicht wundern, wenn er damit Spekulationen über angeblich kurz bevorstehende Hilferufe noch anheizt. Ob es die Märkte wirklich beruhigt, wenn Europas Not-Geldtopf rasch vergrößert wird, ist ohnehin mehr als fraglich. Eine Aufstockung ist zumindest nicht dringlich. Denn selbst Portugal und Spanien könnte der EFSF wohl in seiner bisherigen Kapazität auffangen - und für alles weitere gibt es eine General-Garantie des EU-Gipfels.

Was beunruhigt, ist die sonderbare Vorstellung, dass Vertrauen nur eine Frage der Summe wäre, die Europas Staaten ins Schaufenster stellen - und dass Investoren endgültig Ruhe gäben, wenn die EU nachlegte. Die Erfahrung, wie schnell es geht, dass ein Staat zunächst unter Verdacht, dann unter Druck und schließlich unter den EFSF gerät, spricht gegen diese Hoffnung. Denn Investoren - auch und gerade rationale - zielen nicht auf eine angemessene Absicherung ihrer Risiken, sondern auf eine möglichst große. Es ist daher so gut wie unmöglich, sie mit finanziellen Garantien voll zufriedenzustellen.

Ob nötig oder nicht: Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass sich Europas Staatschefs im März auf eine Ausweitung der effektiven Kreditkapazität des Schirms verständigen. Dessen große Bürgen, allen voran Deutschland, sollten im Gegenzug auf unverwässerte und strenge Vorgaben für die Konditionalität, den Stabilitätspakt und die Beteiligung privater Gläubiger im langfristigen Krisenschirm pochen. Alles andere wäre äußerst beunruhigend.


Börsen-Zeitung, 14.01.2011, Autor Detlef Fechtner, Nummer 9, Seite 1, 335 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2011009015&titel=Was-beunruhigt
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