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Redaktion

Deutsche Finanzbranche stellt der europäischen Krisenpolitik ein schlechtes Zeugnis aus - CFS-Umfrage
Die deutschen Finanzdienstleister halten die Euro-Rettungspolitik für gescheitert. Ganz entgegen ihren eigenen Interessen plädieren sie dafür, im Falle der Umschuldung eines Euro-Krisenlandes den Banken größere Lasten zu überantworten als bisher vorgesehen. Dagegen sollte der Steuerzahler geschont werden. Das geht aus einer Sonderbefragung des Center for Financial Studies (CFS) hervor.

lz Frankfurt - "Das ganze Maßnahmenpaket zur Euro-Rettung ist in den Augen der Finanzakteure einfach nicht glaubwürdig", auf diesen Nenner bringt Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies (CFS), eine Sonderauswertung der quartalsmäßigen Umfrage zum Finanzplatzindex (siehe auch gesonderten Artikel auf dieser Seite).

Knapp 80 % der etwa 500 befragten Unternehmen der Finanzbranche gehen davon aus, dass die Euro-Schuldenkrise sich auf ihrem jetzigen Niveau hält oder sich gar noch verschlimmert. Wichtigster Kritikpunkt an den jüngsten EU-Beschlüssen ist der Mangel an automatischen Sanktionsmechanismen. Und nur jeder Sechste geht davon aus, dass die angedrohten Sanktionen in der Realität auch tatsächlich politisch durchsetzbar sind. Nach Meinung der Finanzmarktakteure befindet sich die Europäische Währungsunion auf direktem Weg in eine Transferunion, was nach Meinung einer Mehrheit eigentlich nicht hätte passieren dürfen.

Gefragt nach der Beteiligung privater Gläubiger an einem etwaigen Schuldenschnitt eines Euro-Krisenlandes zeigt sich die Finanzindustrie nach eigenem Bekunden sogar durchaus bereit, einen größeren Anteil daran zu tragen, als das nach ihrer Einschätzung wohl tatsächlich der Fall sein wird. In der Befragung gaben rund 70 % an, dass die Banken stärker an den Kosten der Krisenbewältigung beteiligt werden sollten, dagegen erwartet nur eine knappe Mehrheit, dass dies auch geschieht (siehe Grafik). Und während nur rund 10 % der Meinung sind, dass der Steuerzahler bei fairer Betrachtung die Zeche zu zahlen hat, gehen rund 70 % davon aus, dass dieser im Endeffekt den Löwenanteil der Belastung mittragen wird.

CFS-Direktor Krahnen zeigte sich ratlos, weshalb sich die deutsche Politik in der Europapolitik auf derartige Sachentscheidungen einlässt, wohl wissend, dass sie in der Öffentlichkeit unglaubwürdig erscheinen. Ihm ist es "schleierhaft", mit welcher Rechtfertigung die Politik für derartige Weichenstellungen kämpft - mit der Folge, dass sich die Lage eher noch weiter verschärfe und den Rettungsaktionen kein nachhaltiger Erfolg beschert sein werde. Inzwischen laufe die Schuldenkrise "auf die nächste Etappe" zu: Die Staatsfinanzen würden jetzt auch in den Kernländern auf ihre Tragfähigkeit hin getestet. Daraus ergebe sich für Deutschland und die Eurozone eine "neue Problemlage". Krahnen: "Dann wird sich zeigen, ob die neuen Rettungsinstitutionen jenen Nutzen haben, den ihnen die Politik immer bescheinigt." Krahnen selber hegt daran "große Zweifel".

Börsen-Zeitung, 20.04.2011, Autor Stephan Lorz, Frankfurt, Nummer 77, Seite 6, 398 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2011077056&titel=Euro-Rettungsplaene-unglaubwuerdig
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