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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Thomas List, Frankfurt

Die Aareal Bank startet durch. Das Geschäft brummt. Vom Kapitalmarkt holt sie sich knapp 270 Mill. Euro. Die stillen Einlagen des Finanzmarktstabilsierungsfonds Soffin werden um weitere 75 Mill. Euro reduziert. Und schließlich: Anleihen, die vom Soffin abgesichert wurden, sind nicht mehr erforderlich. Auf diese am 14. April verkündeten Maßnahmen reagieren die Analysten angetan. Für die Nord/LB und die Landesbank Berlin ist die Kapitalerhöhung zur Steigerung des zukünftigen Ertragspotenzials positiv. Das Kursziel ist unverändert 23,50 Euro, die LBB korrigiert lediglich um den Abschlag des Bezugsrechts auf 21,10 Euro. Auch die Empfehlung "halten" bleibt. M. M. Warburg gibt sich mit einer Kaufempfehlung und dem Kursziel 30 Euro optimistischer, weil sie von einem höheren Wachstum des Kreditvolumens und positiven Effekten aus den verringerten Soffin-Hilfen ausgeht.

Die Ratingagentur Fitch hat das Individual-Rating, das die Einschätzung eines Unternehmens ohne externe Unterstützung anzeigt, von "C/D" auf "C" angehoben. Fitch hebt dabei auf die Fähigkeit der Aareal Bank ab, ihre Kapitalbasis auch in einem volatilen Umfeld und bei für einen rein gewerblichen Immobilienfinanzierer nach wie vor herausfordernden Aussichten verbessern zu können.

Die rundum positive Einschätzung der eigenen Geschäftsaussichten auf den gewerblichen Immobilienmärkten Europas hatte sich schon Anfang April bei der Bilanzvorlage 2010 gezeigt. Damals war noch von einem diesjährigen Neugeschäft inklusive Prolongationen von 5 bis 6 Mrd. Euro die Rede. Zwei Wochen später dann hob Vorstandschef Wolf Schumacher die Prognose angesichts der (aus seiner Sicht) Fülle sich bietender Gelegenheiten für margenstarkes Geschäft auf 7 bis 8 Mrd. Euro an. Angesichts einiger Wettbewerber wie Eurohypo und Westimmo, die durch Verkaufsprozesse und teilweise Altlasten neue Kredite bestenfalls mit angezogener Handbremse vergeben können, steht der Wiesbadener Finanzierer gut da. Schumacher hat schon längst, nämlich nach seinem Amtsantritt im April 2005, kräftig mit den "Leichen im Keller" aufgeräumt, sodass bilanziell nur noch wenig für Risiken (um die 100 Mill. Euro) vorgesorgt werden muss.

Fokussiertes Geschäft

Für die Aareal Bank spricht ihre Konzentration auf das gewerbliche Immobiliengeschäft in Deutschland, in ausgewählten Ländern Europas sowie in den USA (New York), Singapur und China (Schanghai). Das risikoreiche und teure Privatkundengeschäft hat sie schon vor Jahren aufgegeben.

Wichtig zur Risikodiversifikation ist das zweite Standbein, die Beratungsdienstleistungen. Dabei werden insbesondere der deutschen Wohnungswirtschaft IT-Lösungen angeboten, die speziell auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind. Da die Tochter Aareon auf diesem Feld schon lange aktiv ist, besteht eine große Marktakzeptanz und -durchdringung.

269 Mill. Euro zu erwarten

Durch die Kapitalerhöhung sollen insgesamt brutto 269 Mill. Euro eingenommen werden. Nach Abzug sämtlicher Kosten - insbesondere den Gebühren für die Konsortialbanken Deutsche Bank und HSBC -, dürften es einige Millionen Euro weniger sein. Konkret werden noch voraussichtlich bis zum 29. April 17,1 Mill. neue Inhaberaktien mit einem Bezugspreis von 15,75 Euro angeboten, die für das Geschäftsjahr 2010 voll dividendenberechtigt sein werden. Fünf alte Aktien berechtigen zum Bezug von zwei neuen Aktien. Die neuen Aktien werden seit 20. April an der Börse gehandelt. Am 21. April lagen die Bezugsrechte im Frankfurter Handel bei 2,07 Euro.

Die Aareal Bank wird durch die Kapitalspritze bei der Eigenkapitalrendite einen kräftigen Sprung nach vorne machen. Sie soll im laufenden Jahr auf 12 bis 13 % zulegen. 2009 waren es noch 6,1 %. Die Kapitalerhöhung verbessert außerdem die Kernkapitalquote der Bank. Die "Tier 1" erreicht nach dem fortgeschrittenen IRB-Ansatz (Internal Ratings Based Approach) vor Mittelverwendung pro forma 14,4 % per 31. Dezember 2010 und pro forma 14,0 % unter Berücksichtigung der Teilrückzahlung der stillen Einlage von 75 Mill. Euro. Im Vergleich zum tatsächlich erreichten Wert von 12,9 % kann das Institut damit deutlich zulegen.

Verändertes Aktionariat

Deutliche Veränderungen wird es im Zuge der Kapitalerhöhung auch bei der Zusammensetzung des Aktionariats geben. Der bisherige Großaktionär Aareal Holding Verwaltungsgesellschaft hat über eine Operation blanche seinen Kapitalanteil von 37,23 % auf 26,59 % verwässert. Zu den wichtigsten Aktionären der Holding gehören (sofern sich nach der Transaktion die Anteile an der Holding nicht verändert haben) die Bayerische Beamten-Lebensversicherung und die Swiss Life mit jeweils 6,39 % am Grundkapital der Aareal sowie die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (4,77 %) und die Dr. August Oetker KG (4,33 %).

Konkret hat das mit der Kapitalerhöhung betraute Bankenkonsortium aus Deutscher Bank und HSBC vor Beginn der Bezugsfrist (16. bis 29. April) einen Teil der neuen Aktien, die die Holding hätte beziehen können, bei institutionellen Investoren platziert, damit die Holding ohne zusätzliche Mittel neue Aktien beziehen kann.

Nach Abschluss dieser Transaktion ist der Streubesitz bei der Aareal Bank von bisher 62,77 % auf 73,41 % gestiegen. Zusammen mit den guten Geschäftsaussichten könnte dies das Interesse an der Aktie beflügeln. In den vergangenen Monaten schwankte die Aktie im Frankfurter Xetra-Handel heftig zwischen knapp 20 Euro und rund 23,50 Euro. Bei Bekanntgabe der Kapitalmaßnahme lag sie am oberen Rand dieser Bandbreite, verlor dann aber kontinuierlich bis unter 20 Euro, um sich erst in den letzten Tagen wieder knapp über 20 Euro zu bewegen. Die Aktie hat gute Chancen, jetzt aus diesem Kurskorridor auszubrechen.

Börsen-Zeitung, 22.04.2011, Autor Thomas List, Frankfurt, Nummer 79, Seite 17, 805 Wörter

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Unternehmensbereich: Aareal Bank AG
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