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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Björn Godenrath, München

Einen äußerst heftigen Absturz hat die Aktie von Wacker Chemie in den vergangenen sechs Monaten erlebt. Von Kursen über 160 Euro rutschte das Papier auf mittlerweile 74,20 Euro ab. Damit hat die Aktie deutlich stärker eingebüßt als die Benchmark MDax. Nach dem Kurseinbruch erscheint die Aktie so langsam überverkauft - auf Basis des aktuellen Kursniveaus ergibt sich ein 2011er Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,7, für 2012 beträgt das Multiple exakt 6.

Ist das Konjunkturrisiko damit ausreichend eingepreist? Rudolf Staudigl, Vorstandschef von Wacker Chemie, hat die Prognose für das laufende Geschäftsjahr jedenfalls kürzlich bestätigt. Der Umsatz soll auf mehr als 5 Mrd. Euro steigen, nachdem die Erlöse 2010 noch 4,75 Mrd. Euro betrugen. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll über dem Vorjahreswert von 1,2 Mrd. Euro liegen. Staudigl zufolge ist auch in den beiden folgenden Jahren ein zweistelliges Umsatzwachstum möglich.

Durch Solarsektor belastet

Natürlich strahlen die Probleme der Abnehmer aus der Solarbranche auf Wacker Chemie aus, was sich in nachlassender Wachstumsdynamik niederschlägt. Und perspektivisch sind auch die rekordhohen Margen in der Sparte Polysilizium nicht zu halten. Da aber die installierte Fotovoltaik-Leistung auch in den kommenden Jahren mit großen Kraftwerksprojekten in den USA, Nordafrika, Südeuropa und dem Nahen Osten steigt, besteht für Wacker Chemie kein Anlass, Trübsal zu blasen. Mit Verbilligung der Solarmodule hat die Fotovoltaik in einzelnen Märkten sogar die grundlastfähige Solarthermie als wirtschaftlich zu betreibende Form der Energieerzeugung verdrängt - so etwa im Zuge des Projekts "Blythe" in Kalifornien.

Hinzu kommt, dass Wacker Chemie in den vergangenen Jahren hohe Investitionen gestemmt hat und damit die Kapazitäten für die Produktion von hochreinem Silizium erweitert. Zudem verfügt Wacker als Spezialchemiekonzern und einer der weltweit größten Anbieter von Polysilizium über das Know-how, um eine besonders hohe Qualität an Reinstsilizium zu liefern - das ist für Betreiber von Fotovoltaik-Kraftwerken wichtig, gewährt doch nur dies eine optimale Energiegewinnung, was die Profitabilität einer solchen Anlage hebt. Ob die Rückwärtsintegration von Modulherstellern wie Solarworld mit dem kapitalintensiven Aufbau einer eigenen Siliziumproduktion erfolgversprechend ist, sei einmal dahingestellt. Die Produktqualität verschafft Wacker Chemie einen Vorteil gegenüber bestehenden und neuen Wettbewerbern.

Bei Wacker Chemie ist die Sparte Polysilizium eine tragende Säule des Geschäfts: Sie trägt rund ein Drittel zu den Erlösen bei, steht aber für knapp zwei Drittel des operativen Ergebnisses - bei weiterhin positiven Wachstumsaussichten, wenn auch mit gedämpfter Dynamik. Um den Einfluss gestiegener Rohstoffpreise beim Einkauf zu senken, will Wacker Chemie den Einsatz eigener Ressourcen erhöhen. So erwägt Vorstandschef Staudigl, eine Kapazitätserweiterung der Rohsiliziumproduktion (Ausgangsstoff für das hochreine Polysilizium) in Norwegen. Bislang stammt erst 30 % des Rohstoffes aus der eigenen Produktion.

Außerdem profitiert Wacker von den mit dem Mengenwachstum verbundenen Skaleneffekten - die Polysilicium-Produktion in Nünchritz wurde mit neuen Kapazitäten grade hochgefahren. Kompensation ist teilweise auch über Preiserhöhungen möglich - angesichts der Schmerzen der Abnehmerindustrie dürfte in der Hinsicht aber nicht viel Spielraum bestehen.

Der zweite maßgebliche Werttreiber im Konzern ist die Halbleitersparte Siltronic. Als Hersteller von Siliziumscheiben (Wafer) für die Halbleiterindustrie ist dieses Geschäft traditionell starker Zyklizität ausgesetzt. Im ersten Halbjahr zeigte Siltronic ein Umsatzplus von 17 % auf 557 Mill. Euro, wobei ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 29 Mill. Euro erzielt wurde - im Vorjahr fiel noch ein Verlust von 26 Mill. Euro an. Zu den Konzernerlösen trägt Siltronic gut 20 % bei, der Gewinnbeitrag verblasst gegenüber den Sparten Polysilizium und Polymere. Die zyklische Abschwächung des Halbleitergeschäft sollte mit dem Kursrückgang also eingepreist sein. Perspektivisch stellt sich jedoch die Frage, ob Wacker so viel Freude an Siltronic hat, wenn der Ergebnisbeitrag selbst in guten Zeiten eher bescheiden bleibt. Staudigl muss abwägen, ob die Synergien hoch genug sind oder ein Verkauf der (kapitalintensiven) Sparte im nächsten Konjunkturhoch nicht mehr Wert für die Aktionäre schafft.

Zahlen für das dritte Quartal legt Wacker Chemie am 28. Oktober vor. Der Marktkonsens geht von einem Umsatzplus von 5 % aus, was gegenüber dem Vorquartal einer Wachstumshalbierung entspräche. Beim operativen Ergebnis dürfte es zu einem Rückgang um 1 % kommen, so der Konsens. Die Abschwächung des Geschäfts schlägt sich also im Zahlenwerk nieder.

Analysten zeigen Skepsis

Von Seiten der Analysten hagelte es in den vergangenen Wochen Abstufungen für die Wacker-Chemie-Aktie. So reduzierte Morgan Stanley das Kursziel von 170 auf 125 Euro, das Rating lautet "Overweight". Die Bank schätzt, dass das aktuelle Kursniveau die Wahrscheinlichkeit einer "full-blown recession" zu zwei Dritteln abbildet. Gegenüber den Vergleichswerten im Polysilizumgeschäft werde Wacker mit einem Abschlag von 15 bis 30 % gehandelt, was angesichts der soliden Entwicklung nicht gerechtfertigt erscheine.

Das laufenden Geschäftsjahr dürfte Wacker Chemie mit einem Überschuss von 550 Mill. bis 560 Mill. Euro abschließen, die Ausschüttungsquote beträgt in der Regel rund ein Drittel, was die Dividendenrendite für 2011 auf rund 4,8 % stellt. Die Analysten rechnen mit einer Dividende von 3,40 Euro bis 3,45 Euro je Aktie. Für 2012 wird bislang ein Überschuss von mindestens 600 Mill. Euro prognostiziert sowie Erlöse von 5,4 bis 5,6 Mrd. Euro - mit Eintrübung der Konjunktur könnte es hier aber noch zu Anpassungen kommen.

Börsen-Zeitung, 14.10.2011, Autor Björn Godenrath, München, Nummer 198, Seite 17, 814 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2011198190&titel=Bei-Wacker-Chemie-ist-viel-Negatives-eingepreist
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