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GELD ODER BRIEF
Von Angelika Engler, Madrid

Stärke hat Spaniens zweitgrößte Bank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) seit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise vor vier Jahren ausgezeichnet. Und Stärke demonstriert die derzeit mit 31,5 Mrd. Euro bewertete Retailbank mit großer Auslandspräsenz auch vor dem jüngsten Szenario noch schärferer Anforderungen an das Eigenkapital europäischer Geldhäuser: "Locker" werde man die gut 7 Mrd. Euro aufbringen, die BBVA fehlen, um auf die jetzt ganz aktuell von der Europäischen Bankenaufsicht EBA bis Juni 2012 geforderte Kernkapitalquote von 9 % zu kommen, sagte Bankpräsident Francisco González am Donnerstagmorgen - und schloss damit die Notwendigkeit von Staatshilfen kategorisch aus.

Die Großbank, zu deren größten Aktionären der spanische Unternehmer Manuel Jove mit einem Anteil von 4,5 % gehört, geriet im Unterschied zu anderen spanischen Finanzinstituten selbst durch die Kreditaltlasten aus dem spanischen Immobilienboom nicht ins Schleudern und musste daher bislang noch niemals finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen. Kürzlich lieferte sie dann den jüngsten Beweis ihrer robusten Verfassung: Trotz eines Gewinneinbruchs in Spanien um 38 % und eines Rückgangs des Handelsüberschusses um weitere 35 % stand in den ersten neun Monaten 2011 unter dem Strich ein Überschuss von 3,1 Mrd. Euro. Dies ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich ein Rückgang um 14 %. Die mexikanische BBVA-Tochter Bancomer, die besonders stark wachsenden Südamerika-Filialen, das US-Geschäft und die Beteiligung an der chinesischen Citic federten die Spanien-Krise ab.

In den zurückliegenden Monaten spielte die starke Internationalisierung der Bank aus Sicht der Investoren allerdings eine untergeordnete Rolle, weil sie negative Effekte durch die Staatsschuldenkrise in der Eurozone fürchteten. Im laufenden Jahr sackte die BBVA-Aktie deshalb bereits um 9 % ab. Der aktuelle Kurs von 6,86 Euro liegt deutlich entfernt vom Jahreshoch bei 8,99 Euro vom Februar, aber auch vom bisherigen Tief von 5,05 Euro vom September. Im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern aus dem Euro Stoxx 50 steht BBVA indes recht gut da: Santander etwa verloren im laufenden Jahr schon 19 %, Deutsche Bank 16 % und BNP Paribas 26 %.

Stark in Schwellenländern

Nur noch ein Drittel der Einnahmen von insgesamt 15 Mrd. Euro per Ende September erzielte BBVA noch in Spanien. 54 % stammten bereits aus Schwellenländern. Auch auf anderem Gebiet bemüht sich die Großbank, ihre Stärken gegenüber spanischen und europäischen Mitbewerbern herauszustreichen. So besitze BBVA einen "doppelten Vorteil", heißt es in der Neunmonatsbilanz: Das Finanzinstitut besitze mit einem Verhältnis von Kundeneinlagen zu den Gesamtaktiva von 49 % das günstigste unter den großen europäischen Banken und habe zugleich mit 584 Mrd. Euro die kleinste Bilanzsumme. "Wir sind immer unseren Prinzipien und unserer langfristigen Geschäftsvision treu geblieben, während andere das schnelle Geld machen wollten und dabei zu hohe Risiken eingingen", sagte González kürzlich, um die Krisenfestigkeit seines Hauses zu erklären. BBVA hatte sich 2010 für 4 Mrd. Euro sogar den Kauf von knapp 25 % an der türkischen Garanti Bank geleistet. Jetzt eröffnet sich den Spaniern eine neue Geschäftswelt: "Das Land hat das größte Wachstumspotenzial in Europa", sagte González kürzlich. Zusammen mit dem Garanti-Hauptaktionär, der Industriegruppe Dogus, planen die Spanier nun auch die Expansion gen Osteuropa.

Trotz ihrer Vorsicht zu Boomzeiten bleibt BBVA aber nicht komplett von den Problemen im Heimmarkt verschont. Die Kreditaltlasten aus dem Immobilienboom sind branchenweit längst noch nicht verarbeitet, die Wirtschaft besitzt mittelfristig nur schwache Aussichten auf Wachstum und die Arbeitslosigkeit dürfte erst einmal jenseits von 20 % verharren. Damit schrumpfen die Margen und steigt der Kapitalbedarf für die Risikovorsorge. BBVA verzeichnete per Ende September eine Kreditausfallrate in Spanien von 4,9 % gegenüber den mittlerweile 7 % der Branche. Die Risikovorsorge musste die Großbank um 36 % auf 1,2 Mrd. Euro aufstocken, was zum Gewinnrückgang der Spanien-Tochter beitrug.

Anleihekäufe als Risiko

Als weiterer wunder Punkt könnte sich das Engagement von BBVA in Staatsanleihen der südeuropäischen Wackelkandidaten erweisen. Die Bank hält allein 22 Mrd. Euro in spanischen Anleihen, dazu gesellen sich weitere 25 Mrd. Euro an Krediten an die öffentliche Hand. Weitere 3 Mrd. Euro investierte BBVA in italienische Staatspapiere. In Griechenland, Portugal und Irland steckte die Großbank indes nichts oder nur geringe Summen. Die Ratingagentur Moody's koppelte in einem bisher einmaligen Schritt kürzlich das Schicksal der Bank vom Schicksal Spaniens ab: Während die Agentur die Bonität des Königreichs um zwei Stufen auf "A 1" stutzte, ging es für BBVA sowie für Santander und Caixabank nur um einen Notch auf "Aa 3" herunter: Der Hauptgrund dieser Rating-Entscheidung liegt nach Angaben von Moody's darin, dass BBVA und die beiden anderen Institute als systemrelevante Säulen im Notfall eine externe Hilfe - beispielsweise von der Europäiischen Zentralbank - erhalten dürften. Ob das "Aa 3"-Rating den Geldhäusern nun auch hilft, sich am Markt billiger als bisher zu finanzieren, muss allerdings abgewartet werden. Dafür stufte die Ratingagentur Standard & Poor's den gesamten spanischen Bankensektor kürzlich in die Gruppe vier von zehn Gruppen herunter und stellte ihn somit auf ein Niveau mit Mexiko und Tschechien.

Dennoch gehört BBVA zu den Kaufinteressenten der im Juli stattlich gestützten Sparkasse Caja de Ahorros del Mediterráneo (CAM): Schließlich, so ist daraus abzuleiten, muss man der Konkurrenz in Zeiten mageren Wachstums Marktanteile abjagen. Analysten zeigen sich aber auch gegenüber BBVA skeptisch. Laut Factset empfehlen 17 Banken den Wert zu halten, acht raten zum Kauf und weitere sieben zum Verkauf. Dabei lockt die Aktie allein mit einer Dividendenrendite von 6,85 % und erscheint mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,7 für 2011 billig. Zudem sind die Gewinnerwartungen für 2012 zuversichtlich. Dennoch dürfte das weltweite Stimmungsumfeld bis auf Weiteres größere Kurssprünge verhindern.

Börsen-Zeitung, 28.10.2011, Autor Angelika Engler, Madrid, Nummer 208, Seite 18, 892 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2011208207&titel=Internationale-Praesenz-hilft-Spaniens-BBVA
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Unternehmensbereich: Banco Bilbao Vizcaya Argentaria S.A. (BBVA)
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