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Redaktion

Deutschlands älteste Privatbank und eine der ältesten Banken der Welt hat ihren Sitz in Hamburg und ist eng mit der Stadt verbunden

Hamburg hat als Handels- und Seefahrtsstadt wie auch als Finanzplatz eine lange Tradition. Der Hafen zählt zu den weltweit führenden Seehäfen und trägt zur Weltoffenheit der Stadt bei. 1558 wurde die Hamburger Börse als eine der ersten Deutschlands eröffnet, und die aktive Kaufmannschaft erwies sich als fruchtbarer Boden für Privatbanken. Auch heute noch trägt die Finanzwirtschaft maßgeblich zur Hamburgischen Wertschöpfung bei. Das HWWI/Berenberg-Städteranking zeigt, dass 83,7 % der hamburgischen Wertschöpfung im Dienstleistungssektor stattfindet.

Das Bankhaus Joh. Berenberg Gossler & Co. KG ist die älteste Privatbank Deutschlands und eine der ältesten Banken der Welt. Firma und Familie sind seit vier Jahrhunderten so eng wie nur wenige andere mit der Geschichte der Stadt Hamburg verbunden. Die Berenbergs stammten ursprünglich aus dem Kölner Raum und handelten dort Ende des 15. Jahrhunderts mit Tuchen. Über Antwerpen kam die Familie in das damals schon als liberal geltende Hamburg, wo Hans und Paul Berenberg 1590 ihre Firma gründeten.

Hamburg erlebte in der Folge der Vernichtung der spanischen Armada im Jahre 1588 durch die Engländer einen bemerkenswerten Aufschwung. Dieser Aufschwung wurde maßgeblich auch von den unternehmerischen Kräften der neu angekommenen niederländischen Refugianten getragen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648), der weite Teile des Deutschen Reiches verheerte, blieb Hamburg neutral. Die Stadt belieferte Freund und Feind, wurde zum Lagerhaus, Bankenplatz und Versammlungsort Europas und konnte ihren Wohlstand stetig vermehren.

Vom Kaufmann zum Bankier

Mit dem wachsenden Erfolg begann sich die Familie Berenberg in Person von Cornelius Berenberg neben dem Handel auch mit Versicherungen und der Schifffahrt zu beschäftigen. In Ermangelung eines funktionierenden Bankensystems übernahmen die Kaufleute früher selbst die Finanzierung der Warengeschäfte. Sie gewährten ihren Kunden Kredite und bevorschussten Sendungen ihrer Lieferanten. Die Vielzahl der Währungen bot außerdem die Basis für ein umfangreiches Wechselgeschäft mit guten Verdienstmöglichkeiten.

Unter Johann Hinrich Gossler, der 1768 in die Familie Berenberg eingeheiratet hatte, begann eine neue Ära in der Geschichte des Unternehmens. Die Geschäftstätigkeit wurde erheblich erweitert, und der Bankbereich verdrängte immer mehr den Warenhandel - aus den Kaufleuten wurden Merchant Bankers. Aber nicht nur Johann Hinrich Gossler wusste die Chancen der Zeit zu nutzen, sondern viele andere auch. So kam es zu der Gründungswelle vieler Hamburger Firmen und Merchant Banker wie Schuback (1757), Hesse (später Hesse Newman) (1777), Voght & Sieveking (1788), Chapeaurouge (1792), Warburg (1798) und Donner (1798). Die Berenbergs selbst änderten den Namen der Firma in Joh. Berenberg, Gossler & Co. und behielten ihn bis heute. Die Firma gehörte unter anderem zu den Gründern der neu aufgekommenen Aktiengesellschaften wie Hapag (1847), Hamburger Vereinsbank (1856) und Norddeutschem Lloyd (1857), durch die internationalen Beziehungen, aber auch zu den Gründern einiger großer skandinavischer Banken und der Hongkong and Shanghai Banking Corporation HSBC (1865).

In Deutschland haben heute von den fünf größeren unabhängigen Privatbankiers (neben den nachfolgend genannten zählen dazu noch Metzler, Lampe und Hauck & Aufhäuser) mit Warburg und Berenberg immerhin die beiden nach Mitarbeiterzahl größten Institute ihren Sitz in Hamburg. Wenngleich die Institute formal zwar im Wettbewerb miteinander stehen - de facto haben sie alle jeweils recht überschaubare Marktanteile, sodass man sich weniger als Wettbewerber sieht, sondern weiß, dass der Markt groß genug für alle ist. Zudem sind die Geschäftsausrichtungen sehr verschieden. Und: Die Privatbankiers konnten von der Krise profitieren - allein die Berenberg Bank hat 2010 netto über 3 Mrd. Euro neue Gelder von ihren Kunden anvertraut bekommen und das zweitbeste Ergebnis ihrer 420-jährigen Geschichte erzielt.

Die Berenberg Bank ist breit aufgestellt, was zur Diversifizierung beiträgt. Im Private Banking begleiten wir deutsche und internationale vermögende Privatkunden. Im Kapitalmarktbereich fokussieren wir uns auf Small- und Midcap-Unternehmen und erstellen Research über 350 Gesellschaften. Außerdem begleiten wir Unternehmen bei Börsengängen und Unternehmensverkäufen. Im Institutionellen Asset Management betreuen wir Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen und Stiftungen. Und wegen der Rolle Hamburgs in der Seewirtschaft sind wir natürlich auch im Schifffahrtsgeschäft aktiv. Im Vordergrund steht dabei immer das Erbringen von Dienstleistungen.

Die hanseatischen Kaufmannstugenden und der Ruf des Hamburgischen Kaufmanns sind bei der Erschließung neuer Standorte immer wieder hilfreich. Das trifft sowohl auf den schwäbischen Unternehmer zu, für den ein Kaufmannswort noch etwas gilt, als auch für Kunden in London oder Boston. An neun deutschen und neun ausländischen Standorten sind wir als Privatbankier mit Hamburger Wurzeln gern gesehen.

Wettbewerbsvorteile

Wenn ich von der Privatbank im "engeren Sinne" oder besser vom "Privatbankier" spreche, dann meine ich Banken, die überwiegend mit privaten Vermögenseinlagen finanziert sind und von persönlich haftenden Gesellschaftern geleitet werden, also inhabergeführt sind. Eine Privatbank ist gekennzeichnet durch eine Reihe von Eigenschaften, die zu Wettbewerbsvorteilen in den von ihr besetzten Geschäftsfeldern führen.

Alle Entscheidungen werden ausschließlich von den persönlich haftenden Gesellschaftern und Partnern getroffen. Diese Unabhängigkeit ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Existenzberechtigung einer Privatbank. Hinzu kommen Schnelligkeit in der Entscheidung, Flexibilität sowie Kreativität und Innovationskraft. Zahlreiche Beispiele zeigen: "Ferngesteuerte" oder "gelabelte" Privatbanken verlieren ihre typischen Vorteile.

Der Kunde muss von seiner Bank eine umfassende, individuelle und neutrale Beratung erwarten können. Wenn die Bank im Endeffekt nur als Verkäufer eigener Fonds und Produkte agiert, wird sie dem Anspruch des Kunden nicht gerecht.

Vertrauen schaffen

Erst durch eine enge und langfristige, sehr persönliche Zusammenarbeit entwickeln sich tiefe Verbundenheit und Vertrauen zwischen Kunde und Bank; hieraus erwächst ein Verständnis für die individuellen, auch familiären Belange und Erfordernisse. Nur wer die persönliche und geschäftliche Situation des Kunden, sein Umfeld und seine Zukunftspläne kennt, kann aus der Fülle der Möglichkeiten ein maßgeschneidertes Investmentkonzept und zielgerichtete Beratung entstehen lassen sowie bei Firmenkunden eine kompetente Betreuung vornehmen. Voraussetzung hierfür ist eine kontinuierliche personelle Besetzung in der Bank, deren Stellenwert man gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Als Unternehmen mit 420-jähriger Geschichte ist die Vergangenheit ein bedeutender Faktor für uns, sie prägt die Identität. Dennoch leben wir natürlich in der Gegenwart und wollen die Zukunft gestalten. Die Privatbank zeigt, dass zwischen Tradition einerseits und moderner Dienstleistung und Kundenbetreuung andererseits kein Widerspruch besteht. Denn nur so kann man die Tradition in die Zukunft überführen.

Börsen-Zeitung, 05.11.2011, Autor Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg Bank, Nummer 214, Seite B 5, 962 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2011214388&titel=Heimat-der-Privatbanken
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