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Redaktion

rendite - Anlagemagazin Ausgabe 17
Alternatives Investment
Seltene Luxus-Uhren überzeugen durch hohe WertbeständigkeitBeliebt sind mechanische Zeitmesser renommierter Hersteller
Für ein Investment in eine Luxusuhr benötigt man neben dem notwendigen Kapital Sachverstand, Geduld und Leidenschaft. Wer all das mitbringt, hat langfristig die Chance auf eine ansprechende

Wertsteigerung. Kaufen sollte man nur Marken, und zwar bei zertifizierten Händlern oder anerkannten Auktionshäusern.

Von Anna Perucki

Der Uhrenmarkt ist unberechenbar und unterliegt - ebenso wie die Kunst - nur schwer vorhersehbaren modischen Zyklen. Oft entscheidet Geduld darüber, ob eine Uhr es vom Ladenhüter zum höchstbegehrten Luxusgut schafft. Legendär ist in diesem Zusammenhang die Geschichte des Daytona-Chronographen mit dem inoffiziellen Namenszusatz "Paul Newman" aus dem Hause Rolex. Für etwa 1 500 D-Mark war der Zeitmesser, der über ein Gehäuse aus Stahl und ein schlichtes Zifferblatt in Schwarz-Weiß verfügt, in den achtziger Jahren zu kaufen. In den neunziger Jahren aus dem Markt verschwunden, wird der Wert der Uhren inzwischen auf 50 000 bis 70 000 Euro geschätzt. Im zurückliegenden November wechselte eine der Uhren aus dieser Serie indes für fast 400 000 Euro den Besitzer.

Eine so atemberaubende Wertsteigerung ist freilich nicht mit jeder kostbaren Uhr zu erzielen. In Wirklichkeit eignen sich recht wenige Zeitmesser als Wertanlage. Im Fokus der Sammler stehen dabei insbesondere sogenannte Vintage-Uhren, also ältere mechanische Uhren aus den zwanziger

bis siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, weil ebendiese eine besondere Wertsteigerung versprechen. Hier werden vor allem die Marken Rolex, Patek Philippe, Omega und Panerai gesucht. Entscheidend ist bei den älteren Zeitmessern vor allem der Erhaltungszustand und im Idealfall eine lückenlose Dokumentation mit regelmäßigen Wartungen des Uhrwerks.

Auch neu produzierte Uhren haben manchmal Potenzial, allerdings müssen diese für eine Wertsteigerung zwingend aus einer renommierten Manufaktur kommen, mit einer Limitierung verknüpft sein und mit einer Vielzahl von Komplikationen (Funktionen) aufwarten. Im Fokus steht allerdings das Werk, das die uhrmacherische Raffinesse des Zeitmessers zeigt und aus einer Uhr ein Meisterwerk der Mechanik machen kann. Ausschlaggebend bei der Qualität der Uhren sind Räderwerk, Antriebswerk, Gangregler, Hemmung und Schlagwerk. Anders als Uhren mit einem Quarzwerk kommen diese hochwertigen Zeitmesser ohne Batterien aus. In solchen Luxusuhren stecken hunderte oder gar tausende Stunden Handarbeit, wodurch sich auch die hohen Preise erklären. Es gibt sowohl klassische als auch sportliche Modelle, Fliegeruhren und Taucheruhren. Die klassischen sind eher elegant, flach und schlicht, die sportlichen hingegen größer und auffälliger.

Wertvolle Chronographen

Diverse Zusatzfunktionen wie Chronograph, Mondphase, Ewiger Kalender oder Schlagwerk erhöhen den Wert. Dabei gilt als Grundregel: je schwieriger die Komplikation, desto wertvoller die Uhr. Die begehrteste Komplikation ist nach wie vor der Chronograph, also die Stoppuhrfunktion, erkennbar an den beiden Knöpfen am Uhrengehäuse; sie ist oft mit edlen Hilfszifferblättern ausgestattet. Mit solchen Uhren lassen sich durchaus bedeutende Renditen erzielen: Hochwertige Chronometer in klassischem Design bringen häufig eine jährliche Wertsteigerung von 10 bis 15 %. Bei mechanischen Chronographen gibt es in puncto Komplexität aber große Unterschiede. Noch größere Herausforderungen an die uhrmacherischen Fähigkeiten stellt zum Beispiel der Doppelzeiger-Chronograph. Hier starten auf Knopfdruck zwei Chronographen-Anzeiger, von denen einer gestoppt werden kann, während der andere weiterläuft.

Ewige Kalender, Armbanduhren mit Mondphase und Schlagwerk (Repetitionsuhren) erreichen schnell Preise im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Als Gipfel der Ausstattung einer Uhr gilt aber immer noch der filigrane Tourbillon, eine Vorrichtung, um einen Fehler der Ganggenauigkeit aus dem Schwerkrafteinfluss auszugleichen. Die Preise für diese Extravaganz bewegen sich in der Regel im sechsstelligen Bereich. Zu den besten und teuersten Uhrwerken der Welt zählt das unter Sammlern legendäre Kaliber 89 des Herstellers Patek Philippe. Es besteht aus insgesamt 1 728 Einzelteilen und vereint 33 Zusatzfunktionen, darunter ein gregorianischer Kalender, eine Himmelskarte und das Datum für das nächste Osterfest. Ebenso hochgeschätzt

sind das Hybris Mechanica à Grande Sonnerie von Jaeger-LeCoultre mit 27 Komplikationen und mehr als 1 300 Einzelteilen sowie das Aeternitas Mega von Franck Muller mit 36 Komplikationen und 1 483 Einzelteilen.

Zu einer Wertsteigerung kann auch eine Skelettierung der Uhrwerke beitragen, die mehr Einblick in die filigrane Mechanik gewährt. Beim Skelettieren reduziert man mit noch nicht einmal einen Millimeter dünnen Sägeblättern das Uhrwerk, sodass Aussparungen entstehen, die Einblicke in das Innere des Zeitmessers ermöglichen. Aus demselben Grund können sogenannte Sichtböden den Wert einer Uhr steigern. Mittlerweile gilt ebenfalls als Komplikation die ultraschmale Form des mechanischen Uhrwerks. Manche Manufakturen vereinbaren die genannten Komplikationen miteinander: die flache Bauweise mit der flachen Skelettierung, so wie bei der Altiplano Squelette von Piaget.

Grundsätzlich gilt: Je neutraler eine Uhr in ihrer Gestaltung ist, desto eher bietet sie sich als Investmentgegenstand an. Der Geschmack der meisten Sammler und Käufer tendiert zur Klassik mit relativ einfach gestalteten Zifferblättern und Zeigern. Weißgold, Platin und Silber sind bei den meisten Sammlern angesagt. In Asien kaufen Sammler neben weißen Materialien auch sehr gerne Gold, Roségold und Gelbgold. Diamantenbesetzte, grelle Uhren sind hingegen out. Zeitlose Eleganz ist in. Neben den klassischen Edelstahlgehäusen sieht man nun immer häufiger edle Rotgoldmodelle. Zifferblätter werden oft in der Farbe des Armbandes gehalten: schwarz, braun und immer öfter blau. Hier und da tauchen edle Guillochierungen (gleichmäßige Muster und Ornamente aus geraden oder gekrümmten Linien auf metallischen Oberflächen) auf. Auch Zeiger und Indizes mit Superluminova-Leuchtmasse bringen Abwechslung.

Doch nicht nur neue, sondern auch gebrauchte Modelle stellen einen Anlagewert dar. Der Zustand einer Uhr ist für den Preis relevant. Unter anderem auch deshalb geben Auktionshäuser in ihren Katalogen akribische Beschreibungen der angebotenen Stücke. Da schon ein kleiner Schaden oder Fehler den Preis enorm nach unten drücken kann, wird vom mechanischen Uhrwerk bis zum Zifferblatt alles penibel bewertet. Jedem Anleger muss klar sein, dass eine Uhr das Potenzial für eine Wertsteigerung nur dann optimal ausnutzen kann, wenn sie nie oder allenfalls selten getragen wird. Schon kleinere Tragespuren können nämlich den Wert kräftig drücken. "Schon feinste Kratzer können mehr als 30 % kosten", sagt Stefan Muser, Inhaber des

Mannheimer Spezialauktionshauses Dr. H. Crott.

Bei alten Uhren ist die Authentizität der Teile extrem wichtig. Besonders das Zifferblatt darf nicht restauriert oder poliert worden sein, und das Uhrwerk sollte in gutem Zustand und nicht aufgearbeitet sein. Ausgetauschte oder reparierte Teile schmälern den Wert. Nur in sehr seltenen Fällen spielt der Zustand eine untergeordnete Rolle. Dies ist dann der Fall, wenn die Uhr besonders selten ist oder einen prominenten Vorbesitzer hatte. Ein berühmter Träger steigert die Chancen noch zusätzlich.

Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Konrad Adenauer bekam vom Rolex-Gründer Hans Wilsdorf einst eine goldene Oyster Perpetual Datejust. Sotheby's in Genf versteigerte den Zeitmesser, dessen Wert mit 60 000 bis 80 000 Schweizer Franken geschätzt worden war, Ende vergangenen Jahres für stolze 170 500 Schweizer Franken. Mit dabei: das Original-Lederetui sowie ein Brief von Wilsdorf an Adenauer - eine Art Echtheitszertifikat. Und auch eine Longines-Uhr aus Gelbgold aus dem Jahr 1929 erzielte vor ein paar Jahren ein Vielfaches ihres Schätzwerts. Das Auktionshaus Antiquorum verkaufte in einer New Yorker Auktion die Uhr des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein für 596 000 Dollar. Auf dem Boden trägt die Uhr die Gravur "Prof. Albert Einstein, Los Angeles, Feb. 16, 1931". Zusammen mit ihr wurden auch mehrere Fotos versteigert, die den Physiker mit der Uhr am Handgelenk zeigen.

Für Uhrensammler ist eine Uhr nur dann echt, wenn alle Teile original sind. Eine gute und nachgewiesene Provenienz, bei der alle Papiere und im Idealfall eine Original-Uhrenbox vorliegen, wird den Wert sicherlich erhöhen. Spätestens nach fünf oder sechs Jahren muss eine mechanische Uhr zur Wartung, was mit erhöhten Haltungskosten verbunden ist. Alle Servicearbeiten müssen zwingend beim Hersteller durchgeführt sein, denn nur eine lückenlose Historie schützt vor Wertverlust. Bereits kleinste Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten hierbei oder bei den ausgeführten Servicearbeiten führen zu erheblichen Preisabschlägen. Historische Angaben sollten belegbar sein und Käufer sollten sich davon unbedingt überzeugen. Eine Uhr sollte im Idealfall einen Pass haben, der Kaliber (Werk), verwendetes Material, Gehäusenummer, Werknummer und den Tag der Auslieferung festhält. Sogar der Erstbesitzer - meistens Uhrenhändler - sollte dort handschriftlich genannt sein.

Wenn schon Quarz, dann Rolex oder Breitling

Als Kapitalanlage kommen vor allem mechanische Uhren aus bedeutenden Manufakturen in Betracht. In äußerst seltenen Fällen weisen auch Quarzuhren, die in geringer Auflage erschienen sind, Wertsteigerungspotenzial auf. Obwohl elektronische Quarzuhren viel präziser laufen als mechanische Uhren, kann preiswerte Elektronik keine filigrane Mechanik ersetzen. Trotz allem verdienen bestimmte Quarzmodelle der Schweizer Hersteller Rolex und Breitling immer häufiger die Aufmerksamkeit der Sammler und spekulativ orientierten Investoren. Beide Hersteller produzierten jeweils geringe Stückzahlen der Zeitmesser mit Quarzwerken, die als große Raritäten gelten. Die begehrtesten Modelle sind längst verkauft, und auf dem Gebrauchtuhrenmarkt findet man sie relativ selten, gleichzeitig wächst das Interesse der Sammler. Preissteigerungen scheinen daher programmiert. Schätzungsweise wurden insgesamt weniger als 25 000 Oysterquarz-Uhren, wie die elektronischen Rolex-Modelle heißen, produziert - für Rolex eine extrem geringe Stückzahl. Abgesehen von ein paar Modellen erscheinen die Quarzuhren als Kapitalanlage aber weniger geeignet.

Wer in Uhren investieren will, sollte sich - wie auch vor dem Kauf von Kunstwerken - intensiv mit der Materie beschäftigen, Literatur studieren, Auktionen besuchen, mit Fachleuten sprechen. Es finden eigene Messen für Uhrensammler statt, und besonders erlesene Stücke kommen bei renommierten Auktionshäusern unter den Hammer.

Börsen-Zeitung, 24.05.2012, Autor Anna Perucki, Nummer 17, Seite 34, 1459 Wörter

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