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Redaktion

Deutsche Banken haben Hausaufgaben gemacht - Basel III wird erheblichen Refinanzierungsbedarf bei Geschäfts- und Landesbanken auslösen

Haben die Banken, insbesondere die privaten Banken, aus der Krise etwas gelernt? Oder betreiben sie ihre Geschäfte wie eh und je? Sind die Finanzmärkte immer noch "völlig" unreguliert, wie so oft behauptet wird, oder reichen die bisherigen Maßnahmen aus? Ein Blick in die Bilanzen und auf die Geschäftsmodelle vieler Banken zeigt: Deutsche Kreditinstitute haben in den vergangenen vier Jahren ihre Eigenkapitalbasis deutlich verstärkt und sind damit in Krisenzeiten deutlich weniger anfällig. Sie haben sich zudem von Geschäftszweigen getrennt, risikobehaftete Aktivitäten zurückgefahren oder ganz eingestellt. Deutschland zählt auch zu den ersten EU-Ländern, die ein spezielles Restrukturierungsgesetz für Banken und eine Bankenabgabe eingeführt haben.

Auf gutem Weg

Mit Hilfe der Institutsvergütungs-Verordnung ist es gelungen, die Vergütung der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter von Kreditinstituten an ein nachhaltigeres Handeln sowie einen abgewogeneren Umgang mit Risiken zu knüpfen. Schließlich sorgt das schon 2009 in Kraft getretene Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung insbesondere dafür, dass der Aufsichtsrat einer börsennotierten Aktiengesellschaft die Vorstandsbezüge auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ausrichtet. Setzt der Aufsichtsrat eine unangemessene Vergütung fest, macht er sich schadenersatzpflichtig. Vieles ist also schon passiert, aber was muss noch getan werden, um das Finanzwesen weiter zu stabilisieren, die Wettbewerbsbedingungen in den Ländern anzugleichen, die Transparenz zu erhöhen und vor allem das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Märkte zurückzugewinnen? Der von der EU-Kommission vorgelegte Verordnungsentwurf zu Basel III enthält einen ganzen Werkzeugkasten, mit dessen Hilfe die genannten Ziele erreicht werden sollen. Viele Vorschriften werden von der Finanzwirtschaft grundsätzlich begrüßt. Allerdings müssen einige Regelungen noch einmal überdacht und insbesondere die Wechselwirkungen mit anderen Regulierungsvorschriften genau analysiert werden.

Die neuen, höheren Eigenkapitalquoten werden das Vertrauen der Bevölkerung und der Märkte in die Banken stärken. Andererseits darf aber nicht übersehen werden, dass mit der Stärkung der Eigenkapitaldecke auch eine Verteuerung der Kreditfinanzierung für deutsche Unternehmen einhergehen wird. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen, aber auch außereuropäischen Ländern kommt den Banken in Deutschland traditionell eine ganz wesentliche Rolle bei der Unternehmensfinanzierung zu. So nehmen in Deutschland rund 44 % der Unternehmen für die Finanzierung Bankkredite und Fördermittel in Anspruch, nur etwa 50 % der Unternehmen emittieren Aktien und beschaffen sich so die nötigen finanziellen Mittel vorrangig über den Kapitalmarkt. Im Gegensatz dazu finanzieren sich z. B. in Großbritannien knapp 70 % der Unternehmen über den Kapitalmarkt. Bankkredite spielen mit nur 18 % eine untergeordnete Rolle. Auch die Unternehmens- anleihen haben in Deutschland mit einem Anteil von 6 % noch keine große Bedeutung bei der Finanzierung. Erfahrungsgemäß lässt eine Erhöhung der Eigenkapitalquote um 1 Prozentpunkt die Kapitalkosten um rund 15 Basispunkte steigen. Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass durch die strengeren Eigenkapitalvorschriften von Basel III eine Erhöhung der Kapitalkosten um durchschnittlich 26 bis 52 Basispunkte für den europäischen Bankensektor zu erwarten sein wird.

In einem Gutachten, das die Finanzplatz München Initiative in Auftrag gegeben hat, zeigt Professor Christoph Kaserer von der Technischen Universität München, dass die Versicherungen als größte Kapitalsammelstellen mit rund 550 Mrd. Euro rund 12 % des Refinanzierungsvolumens halten, das dem Bankensektor von außen zur Verfügung gestellt wird. Bei ungedeckten Bankschuldverschreibungen und Bankdarlehen liegt dieser Anteil bei etwa 24 % und bei Pfandbriefen sogar bei 41 %. Nach Einschätzung des Gutachters werden die anstehenden Vorschriften zu Basel III bei den Geschäftsbanken und Landesbanken einen erheblichen Refinanzierungsbedarf auslösen.

Um diesen zu decken, wird es einer Emission ungedeckter Bankschuldverschreibungen bedürfen. Sollten die Versicherungen aufgrund eigener Risikobewertung, aufgrund neuer Kapitalunterlegungsvorschriften nach Solvency II und dem Bankenrestrukturierungsgesetz sich aber gleichzeitig als Investoren zurückziehen müssen, wird es zu einer deutlichen Marktveränderung kommen. Es besteht die Gefahr, dass die Versicherungen weniger Bankschuldverschreibungen als in der Vergangenheit kaufen. Steigen die Refinanzierungskosten der Banken, werden auch die Kredite für die Unternehmen teurer.

Augenmaß bewahren

Basel III ist grundsätzlich zu begrüßen, jedoch hat die Regulierung mit Augenmaß zu erfolgen. Die Auswirkungen der Vorschriften insbesondere in ihrer Wirkung auf die mittelständische Wirtschaft sind genau zu analysieren und die Ergebnisse der Analyse sind bei der Verabschiedung des Regelwerkes zu Basel III zu berücksichtigen. Auch die Wechselwirkungen zwischen Solvency II, der für 2014 geplanten Regulierung im Versicherungsbereich, und Basel III müssen zunächst transparent sein, um einer eventuellen Überforderung der Banken durch das Zusammenwirken mehrerer Regulierungseffekte gegensteuern zu können. Eine weitere Forderung ist, dass Basel III international, d. h. insbesondere auch in den USA, und zum gleichen Zeitpunkt eingeführt wird. In unserem global vernetzten Wirtschaftsraum müssen einheitliche Anforderungen an die Regulierung von Banken gestellt werden, andernfalls kommt es zu Wettbewerbsverzerrungen. Auch erneute Bedrohungen des Finanzsystems in Krisenzeiten sind nicht auszuschließen, wenn einzelne Staaten unterschiedliche Anforderungen an die Stabilität ihrer Banken stellen. Nicht zuletzt muss natürlich auch die gegenwärtige Staatsschuldenkrise mit ihren zum Teil ganz erheblichen Auswirkungen auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken berücksichtigt werden.

Insbesondere die mittelständischen Unternehmen sollten die verbleibende Zeit nutzen und ihre zum Teil noch immer recht schwache Eigenkapitalbasis ausbauen. Trotz aller Erfolge beim Aufbau von Eigenkapital in den vergangenen Jahren handelt es sich beim Eigenkapital noch immer um die Achillesferse vieler Unternehmen. Die Stärkung der Finanzierungsstruktur, die auch den Ausbau der Kapitalmarktfinanzierung mit umfasst, also die Alternative zum Bankkredit, ist eine Art Daueraufgabe für die mittelständische Wirtschaft und eine notwendige Vorbereitung auf die Folgen der strengeren Regulierung.

Börsen-Zeitung, 24.02.2012, Autor Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes, Nummer 39, Seite B 10, 842 Wörter

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