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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Christopher Kalbhenn, Frankfurt

Unmittelbar vor ihrem Investorentag hat die Deutsche Börse ihren Anteilseignern etwas Gutes getan. Im Rahmen der auf der Hauptversammlung vor rund zwei Wochen erhaltenen Ermächtigung, so teilte der Frankfurter Marktbetreiber mit, wird bis Ende Juli ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von rund 100 Mill. Euro getätigt, was der Hälfte des für dieses Jahr geplanten Rückkaufvolumens entspricht. Trost können die Aktionäre des Unternehmens derzeit in der Tat auch gut gebrauchen. Denn selbst die Auskehrungen des laufenden Jahres, die - Dividenden und Rückkäufe addiert - eine Rendite von rund 10 % ergeben, können nur in begrenztem Umfang von der enttäuschenden Kursentwicklung ablenken. Seit dem Jahresbeginn büßte die Aktie bei einem um 6 % gestiegenen Dax 8,5 % ein. Selbst wenn der kürzlich erfolgte hohe Dividendenabschlag herausgerechnet würde, ergäbe sich damit immer noch eine sehr deutliche Underperformance.

Für die unterdurchschnittliche Entwicklung der Aktie sind im Wesentlichen zwei Faktoren verantwortlich. Erstens sind die Handelsaktivitäten unter dem Eindruck der Finanzkrise im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen. Das hat dazu geführt, dass das operative Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal um 19 % bzw. bereinigt um Sondereffekte um 15 % gesunken ist. Bislang hat das Unternehmen seine Prognosen für das laufende Jahr - u. a. erwartet es einen Anstieg des Ebit von 1,15 Mrd. auf 1,2 bis 1,35 Mrd. Euro - bestätigt. Dabei kann es sich auf ermutigende Entwicklungen bei seinem Hauptertragsbringer, dem Terminmarkt Eurex, stützen. Nachdem dessen tagesdurchschnittliches Handelsvolumen im ersten Quartal auf 6,3 Millionen Kontrakte abgesackt war, lag es im April und Mai (bis einschließlich 30. Mai) bei 8,3 und 8,4 Millionen Kontrakten. Nach beinahe fünf Monaten beträgt es 7,1 nach 8,3 Millionen Kontrakten im gleichen Vorjahreszeitraum.

Zweitens ist dem Unternehmen durch das Platzen des Zusammenschlusses mit der Nyse Euronext die große strategische Vision abhandengekommen. Die umfangreichen Kosten- und Erlössynergien, die der neue transatlantische, weltweit unangefochten führende Börsengigant generieren sollte, mussten ad acta gelegt werden. Was nicht heißt, dass das Unternehmen strategielos wäre. Die neue Strategie heißt "beschleunigtes Wachstum aus eigener Kraft". So sollen die asiatischen Wachstumsmärkte, deren Anteil am Geschäft der Deutschen Börse in den zurückliegenden Jahren bereits sehr stark gestiegen ist, mit noch mehr Nachdruck erschlossen werden. Wachstum soll ferner durch die Neuaufstellung des Technologiegeschäfts erreicht werden, wobei auf die verstärkte beziehungsweise fokussierte Bedienung von Outsourcing-Kunden gezielt wird.

Der wichtigste Teil der Strategie zielt auf die Erschließung von Wachstumspotenzialen, die sich aus regulatorischen Veränderungen im Gefolge der Finanzkrise ergeben. Im Zentrum steht dabei der riesige außerbörsliche Derivatemarkt. Ziel der Regulatoren beiderseits des Atlantiks ist, die von dem Markt ausgehenden potenziellen systemischen Risiken einzudämmen. Dazu sollen die Marktteilnehmer für den Teil des außerbörslichen Derivategeschäfts, der hinreichend standardisierbar ist, zentrale Clearing-Stellen (Verrechnungsstellen) nutzen, und nach Möglichkeit soll auch ein Teil des außerbörslichen Handels auf börsliche Plattformen überführt werden. Während die Deutsche Börse bei dem Versuch, im europäischen Kreditderivategeschäft neues Clearing-Geschäft zu gewinnen, gescheitert ist, konnte sie gestern für den viel größeren Zinsswap-Bereich einen Erfolg vermelden. Das Unternehmen hat für sein geplantes Clearing-Angebot sieben führende Banken, darunter Barclays, Citigroup und Deutsche Bank, als Kooperationspartner gewonnen. Der Clearing-Service für außerbörsliche Zinsswaps mit dem Namen "Eurex OTC Clear" soll in der zweiten Jahreshälfte an den Start gehen.

Völlig unklar ist allerdings derzeit noch, in welchem Ausmaß das außerbörsliche Clearing-Geschäft die Erlös- und Ergebnisentwicklung des Unternehmens wieder in Schwung bringen wird. Um diesen vielversprechenden Markt bemühen sich zahlreiche Rivalen. Dies und die notwendige Kooperation mit den großen Akteuren des außerbörslichen Marktes wird die Margen voraussichtlich in überschaubaren Grenzen halten.

Unter Analysten ist das Potenzial umstritten. Die UBS glaubt, dass das OTC-Clearing sowie die Sicherheitenmanagement-Dienstleistungen der Clearstream Aufwärtspotenzial bieten. Den Zinsswap-Clearing-Plänen allein traut die Schweizer Großbank zu, das Ergebnis der Deutschen Börse zwischen 5 % und 10 % zu erhöhen. Zurückhaltender äußert sich die Credit Suisse. Zwar böten regulatorische Entwicklungen wie das außerbörsliche Clearing Erlöspotenzial für die Deutsche Börse. Es werde jedoch erheblichen Wettbewerbsdruck geben. Das Institut schätzt das Erlöspotenzial auf bis zu 90 Mill. Euro bzw. 4 % des Gruppenerlöses.

Begrenzte Risiken

Bis sich die Auswirkungen der regulatorischen Veränderungen auf das Geschäft der Deutschen Börse klarer abzeichnen, können sie nur als Hoffnungswerte betrachtet werden. Damit sich die Aktie des Unternehmens erholen kann, muss zunächst der Rückstand der Handelsaktivitäten gegenüber dem Vorjahr aufgeholt werden, d. h. die Anteilseigner müssen auf eine Belebung hoffen. Allerdings sind die Aussichten nicht schlecht. So könnte die Zuspitzung der Schuldenkrise die Volatilität der Märkte noch erhöhen und damit den Terminhandel noch stärker in Schwung bringen.

Nach unten sieht die Aktie mittlerweile einigermaßen gut abgesichert aus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für das laufende Jahr liegt bei günstigen 8,5, und die von dem Unternehmen auch für die Zukunft avisierte aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik sollte die Abwärtsrisiken begrenzen.

- Bericht Seite 6


Börsen-Zeitung, 01.06.2012, Autor Christopher Kalbhenn, Frankfurt, Nummer 104, Seite 17, 772 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2012104200&titel=Deutsche-Boerse-muss-auf-Marktbelebung-hoffen
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