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DSGV-Chef spricht von Mammutaufgabe - Filialstruktur und Arbeitsmodelle stehen in Frage

bn Frankfurt - Zäsur im Sparkassenlager: Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute forcieren mit Macht die Digitalisierung ihres Geschäfts. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), kündigte am Donnerstag auf dem 10. Internationalen Retail-Bankentag von Börsen-Zeitung und Wincor Nixdorf den "größten kulturellen, technologischen und organisatorischen Wandel" in der Geschichte der Sparkasse an. Die Weiterentwicklung der Sparkasse zur "Sparkasse 2.0" werde den Sektor jahrelang beschäftigen.

Zahlen zum damit verbundenen Aufwand liegen noch nicht vor. Die konkrete Vorgehensweise bei der Weiterentwicklung müsse noch erarbeitet werden, hieß es gestern auf Anfrage beim DSGV. Fahrenschon sprach von einer Mammutaufgabe. Dazu gehören seinen Angaben zufolge die Qualifikation der Mitarbeiter im Umgang mit neuen Plattformen und Techniken sowie die Entwicklung neuer Arbeits- und Arbeitszeitmodelle: "Unsere Kunden werden künftig immer und überall und mit jedem denkbaren Endgerät mit ihrer Sparkasse in Kontakt treten wollen und können." Vieles davon, etwa Videoberatung, könnte auch von zu Hause erfolgen. Diese Diskussionen seien auch mit Personalvertretern zu führen. Die 426 Sparkassen zählen 246 000 Mitarbeiter, davon sind 130 000 Kundenberater.

Die Sparkassen wollten nicht die beste Online-Bank werden, denn von den Kunden wüssten sie, dass ihr wichtigster Wunsch der nach Beratung sei, relativierte Fahrenschon: "Wichtig ist nur, dass in Zukunft die Beratung deutlich technikbasierter sein wird als in der Vergangenheit."

Der Wandel dürfte Folgen haben fürs Filialnetz. Beratung brauche eine maßgeschneiderte Infrastruktur, erklärte Fahrenschon. Dabei spielten die Filiale, aber auch neue Wege eine große Rolle. Als ein Beispiel erwähnte er den Ansatz der Kreissparkasse Köln, 43 Niederlassungen durch mobile Geschäftsstellen mit 60 neuen Haltepunkten zu ersetzen.

Fahrenschons Vorstoß geht offenbar auf die Einschätzung zurück, dem Trend zur Digitalisierung hinterherzulaufen. "Das ist der Treibstoff der Zukunft für unsere Branche, und wir haben bislang dafür keine Tanks gebaut", mahnte Stephan Ziegler, Vorstandschef der Nassauischen Sparkasse. "Eine evolutionäre Entwicklung genügt nicht, die Sparkassen brauchen Quantensprünge."

Was die operative Entwicklung der Sparkassen angeht, verbreitete der DSGV-Präsident Optimismus. Sparkassen und Landesbanken hätten 2012 ihre Kreditvergabe gegenüber "dem exzellenten Jahr" 2011 nochmals übertroffen. So seien die Kreditzusagen an Selbständige und Unternehmer im Elfmonatszeitraum um 5,6 % zum Vorjahr gestiegen. 2011 hatte die Gruppe ihren Bestand um 2,5 % auf 564 Mrd. Euro gesteigert, war mit dieser Rate indes 0,9 Punkte hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben. Sparkassen und Landesbanken kamen dabei auf 41,6 % Marktanteil. Der deutsche Mittelstand setze sich mit Investitionen und Wachstum auseinander, was man in der Einschätzung des laufenden Jahres nicht unterschätzen sollte, sagte Fahrenschon: "Wir gehen davon, dass der deutsche Mittelstand auch 2013 die Konjunkturlokomotive in Europa sein wird."

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Börsen-Zeitung, 25.01.2013, Autor Bernd Neubacher, Frankfurt, Nummer 17, Seite 1, 414 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2013017012&titel=Zaesur-im-Sparkassenlager-Fahrenschon-laeutet-Web-2.0-Ära-ein
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