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Redaktion

UNTERM STRICH

Eine Woche hat Uli Hoeneß jetzt seit Publikwerden seines Steuerbetrugs Zeit gehabt, den von ihm angekündigten "reinen Tisch" zu machen. Eine Woche, in der tägliche Schlagzeilen in der überregionalen Presse mit mehr oder weniger interessanten Details zur Steuermoral des Bayern-Präsidenten, seiner angeblichen Zockersucht und seiner Freundschaft zum einstigen Adidas-Großaktionär Robert Louis-Dreyfus das Publikum in Atem hielten. Eine Woche, in der allabendlich die Causa Hoeneß in einer der vielen Talkshows wie eine Weißwurst ausgezuzelt wurde. In denen nicht nur der tiefe Fall des erfolgreichen Fußballmanagers, Wurstfabrikanten und Gutmenschen aufgearbeitet wurde, sondern auch der tiefe Fall jener journalistischen und anderen Wegbegleiter zu beobachten war, die Hoeneß bis vor wenigen Tagen noch so hingebungsvoll den Heiligenschein zuschrieben. Nun ist genug. Jetzt sollte, ja muss der Aufsichtsrat (AR) der FC Bayern München AG handeln und seinen Vorsitzenden auswechseln.

Prominenz im Aufsichtsrat

Dies ist nötig, um das Wirtschaftsunternehmen FC Bayern München AG und dessen Stakeholder vor Schaden zu bewahren. Die Stakeholder sind in diesem Fall vor allem die Anteilseigner, sprich der Verein mit 81,8 % und die beiden industriellen Aktionäre Adidas und Audi mit jeweils 9,1 % des Kapitals. Aber es sind auch die Sponsoren, Vereinsmitglieder, Mitarbeiter und Fußballprofis bis hin zum "deutschen Fußball" schlechthin, für den der Münchner Club ein internationales Aushängeschild ist, die als Stakeholder unter der medialen Dauerdebatte über Hoeneß' Steuerhinterziehung leiden.

Mit Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi), Herbert Heiner (Adidas), Timotheus Höttges (Telekom) und Dieter Rampl (Unicredit) gehören dem Bayern-Aufsichtsrat amtierende, künftige oder ehemalige Vorstandschefs internationaler börsennotierter Konzerne an. Sie können es sich gar nicht leisten, für ihr Mandat bei dem Münchner Fußballclub andere Governance-Regeln anzulegen als bei den von ihnen geführten Unternehmen, zumal die FC Bayern München AG nach Medienberichten bisher nicht über eigene Compliance-Regeln verfügt.

Die offizielle Verlautbarung des Bayern-München-Sponsors Deutsche Telekom, wonach es sich bei den Ermittlungen gegen Hoeneß um eine Privatangelegenheit handele, mag juristisch korrekt sein, geschäftspolitisch gleichwohl naiv und irreführend. Auch die Dopingermittlungen gegen Radsportprofis aus dem Telekom-Rennstall waren eine "Privatangelegenheit", haben aber weitreichende Konsequenzen für die Telekom als Sponsor des Radrennsports gehabt. Da die Herren Winterkorn & Co. auf den eigenen Führungsetagen von VW, Audi, Adidas, Telekom oder Unicredit keinen Steuerhinterzieher dulden würden, können sie es bei Bayern München ebenfalls nicht.

Ebenso wenig wird FC-Bayern-Aufsichtsrat Edmund Stoiber einen Steuerbetrüger an der Spitze des AR akzeptieren können. Zwar wird er mehr als die anderen Aufsichtsratsmitglieder den Zorn der Vereinsmitglieder und Bayern-Fans fürchten müssen, wenn er sich gegen Hoeneß stellt, doch der drohende politische Schaden in einem für die CSU in Bayern entscheidenden Wahljahr wäre noch größer, wenn Stoiber Gründe lieferte, ihn in die Amigo-Ecke zu stellen. Nicht ohne Grund ging Ministerpräsident Horst Seehofer öffentlich umgehend auf Distanz zum sonst so von den CSU-Granden umworbenen Uli Hoeneß.

Compliance-Thema Adidas

Besonders pikant wäre, wenn sich die in den Medien herumgereichten Informationen bestätigten, wonach der einstige Adidas-Großaktionär und Vorstandschef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2000 ein Schweizer Konto für Hoeneß eingerichtet und dem damaligen Bayern-Boss ein Millionen-Darlehen für Börsengeschäfte gewährt haben soll. Nur wenig später schloss der FC Bayern einen langfristigen Ausrüstervertrag mit Adidas, und der Herzogenauracher Sportartikelhersteller wurde Aktionär beim FC Bayern. Für eine strafrechtliche Verfolgung - sofern überhaupt begründet - ist es aufgrund der Verjährung zu spät, selbst wenn man schwere Untreue unterstellte. Aus Compliance-Sicht müsste dieser Vorfall aber auch heute noch geprüft und müssten Konsequenzen gezogen werden. Ein Geschmäckle hätte es so oder so.

Wie immer, wenn die Staatsanwaltschaft als Quelle für Berichte über Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung oder Korruption in Erscheinung tritt, taucht der Verdacht der gezielten Instrumentalisierung der Medien durch die Strafverfolger auf. Dass es hinsichtlich der Wahrung des Steuergeheimnisses in diesem prominenten Fall der Selbstanzeige noch offene Fragen gibt, war früh klar geworden. Angeblich soll selbst Ministerpräsident Seehofer schon seit Januar von der Causa Hoeneß wissen. Allerdings ist der Fall Hoeneß insofern anders gelagert, als der FC-Bayern-Präsident mit der Selbstanzeige seinen Steuerbetrug eingeräumt hat und man in diesem Fall nicht von Vorverurteilung durch die Medien sprechen kann.

Letzter Dienst am FC Bayern

Hoeneß wäre gut beraten, aus eigenen Stücken sein Aufsichtsratsmandat sofort niederzulegen und die Vereinsämter vorerst ruhen zu lassen. Die Hosen runter zu lassen und sein Finanzgebaren aufzuklären, ist das Mindeste, was die Öffentlichkeit und die Stakeholder der Bayern München AG von jemandem erwarten dürfen, der sich persönlich in der Vergangenheit als Saubermann und ehrbarer Kaufmann mit Herz für die Schwachen exponiert hat. Das würde ihn zwar nicht vor der zu erwartenden Strafe bewahren, aber es wäre ein letzter und wichtiger Dienst für den von ihm aufgebauten und unternehmerisch so erfolgreich geführten Fußballverein. Denn der FC Bayern München steht möglicherweise vor seinem größten sportlichen Erfolg. Diese Leistung dank Sponsoren auch in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen zu können, sollte Hoeneß nicht im Weg stehen.

c.doering@boersen-zeitung.de -

Von Claus Döring Die Wirtschaftsprominenz im FC-Bayern-Aufsichtsrat muss auf Corporate Governance und Compliance achten.

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Börsen-Zeitung, 27.04.2013, Autor Claus Döring, Nummer 81, Seite 8, 791 Wörter

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