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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Gesche Wüpper, Paris

Es ist eine Welt der guten Manieren und der Diskretion. Eigentlich. Denn vor kurzem hat der weltweit größte Luxusgüterkonzern LVMH seine vornehme Zurückhaltung aufgegeben und seinem kleineren Konkurrenten Hermès vorgeworfen, eine verleumderische Schmierkampagne gegen ihn angezettelt zu haben. Das alles schade dem Ansehen von LVMH sehr, beklagte sich Vize-Konzernchef Pierre Godé.

Der Streit der beiden französischen Konzerne um den Einstieg von LVMH bei Hermès erreicht jetzt einen neuen Höhepunkt. Denn dem für seine Louis-Vuitton-Handtaschen und Dior-Kleider bekannten Konzern von Bernard Arnault droht im Sommer eine Strafe durch die französische Börsenaufsicht Autorité des Marchés Financiers (AMF). Selbst wenn sie gering ausfallen sollte, könnte eine Verurteilung dem Image von LVMH schaden.

Ende des Wachstums

Das hat an der Börse bereits gelitten. Dort hat der Kurs der LVMH-Aktie innerhalb der letzten sechs Monate um 12 % auf zuletzt 122,95 Euro nachgegeben. Hintergrund sind allerdings vor allem Befürchtungen, dass die rasante Wachstumsgeschichte der wichtigsten LVMH-Marke Louis Vuitton vorbei sein könnte, da sich die Nachfrage in Asien, wo die Marke rund 50 % ihres Umsatzes macht, abschwächt. Im ersten Quartal hatte LVMH den Umsatz um 6 % auf 6,97 Mrd. Euro gesteigert. Allerdings blieben die Verkäufe der Mode und Lederwaren quasi stabil. Sie kamen in den ersten drei Monaten des Jahres auf einen Umsatz von 2,38 Mrd. Euro.

Weiterer Ärger

Dem Luxusgüterkonzern droht abgesehen von der Strafe durch die AMF weiterer Ärger. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Les Echos", deren Eigentümer niemand anderes ist als LVMH-Chef Bernard Arnault, hat Hermès nun auch Klage gegen den Branchenprimus beim Handelsgericht von Paris eingereicht. Hintergrund ist der Streit, der zwischen den beiden Luxusgüterkonzernen seit Oktober 2010 schwelt. Damals hatte LVMH zur großen Überraschung der Märkte bekannt gegeben, 14 % des Kapitals von Hermès zu halten und diesen Anteil weiter aufstocken zu wollen. Inzwischen hält LVMH knapp 23 %.

LVMH hatte das Kapital erworben, ohne die AMF darüber zu informieren, dass die Schwellen von 5 % und 10 % überschritten wurden. Denn der Luxusgüterriese hatte dafür Wandelanleihen genutzt, die er ein paar Jahre zuvor erworben hatte und für die er eigentlich in Bargeld ausgezahlt werden sollte. Dafür bestand damals keine Meldepflicht. Kurz bevor die Laufzeit endete, änderte LVMH jedoch plötzlich die Modalitäten und ließ sich statt in Bargeld mit Hermès-Aktien auszahlen. LVMH-Chef Arnault erklärte damals, er habe dies getan, um Hermès zu schützen. Es hätten Gerüchte die Runde gemacht, eine große ausländische Luxusgütergruppe und chinesische Investmentfonds seien an der Übernahme von Hermès-Anteilen interessiert. Hermès will nun vor dem Handelsgericht erreichen, dass die von LVMH genutzten Equity Swaps nachträglich annulliert werden.

Die Börsenaufsicht AMF wiederum ermittelt bereits seit Ende 2010, ob bei dem Einstieg alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ende Mai forderte das AMF-Kolleg die Höchststrafe von 10 Mill. Euro für LVMH. Das ist zwar für einen Konzern mit einem Nettogewinn von zuletzt 3,42 Mrd. Euro ein Klacks. Doch die Strafe, über die die Sanktionskommission diesen Sommer entscheiden soll, würde dem Image von LVMH schaden. Außerdem dürfte sich dies auch auf die Klage auswirken, die Hermès bei der französischen Justiz gegen LVMH eingereicht hat. Das Luxusgüterunternehmen aus der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré wirft dem größeren Rivalen Kursmanipulation und Insidergeschäfte vor. LVMH habe die Übernahme der Beteiligung seit Jahren vorbereitet. Der Konzern habe dies aber verschleiert und seine Kleinaktionäre getäuscht.

Vorwurf der Verschleierung

Die Börsenaufsicht wiederum wirft dem Luxusgüterriesen vor, die Übernahme der Beteiligung an Hermès bewusst verschleiert zu haben. LVMH habe diesen Schritt seit mindestens 2008 geplant und seit Juni 2010 konkret vorbereitet, argumentiert sie. Deshalb hätte der Konzern die Märkte spätestens im Juni 2010 informieren müssen. Zudem habe der Luxusgütergigant es versäumt, in seinen Konten sowohl über die Beteiligung von fast 5 %, die es bereits zuvor hielt als auch über die Art der Wandelanleihen präzise und ehrlich zu informieren, wirft die AMF LVMH vor.

Dennoch glauben die Analysten der Investmentfirma Aurel BGC weiter an den französischen Luxusgütergiganten. Sie empfehlen den Titel zum Kauf und sehen das Kursziel bei 150 Euro. Sollte die Börsenaufsicht LVMH zur Höchststrafe von 10 Mill. Euro verurteilen, wäre dies so gut wie schmerzfrei für LVMH, meinen sie. Zudem sei die Abschwächung des Wachstums bei Louis Vuitton nicht strukturell, urteilen sie. Die Topmarke des Konzerns habe ihr Wachstum selber bewusst begrenzt, da sie sich nach dem Vorbild von Hermès höherwertig positionieren wolle.

Weniger neue Geschäfte

Deshalb eröffnet Vuitton weniger neue Geschäfte und erhöht seine Preise. Mittelfristig habe die Marke ein Wachstumspotential von 10 %, urteilt Aurel BGC. Ab dem zweiten Quartal dürften sich die Ergebnisse wieder verbessern. Dagegen glaubt Exane BNP Paribas, dass Vuitton noch einige Zeit beim Wachstum Opfer bringen müsse, möglicherweise sogar bis in das kommende Jahr hinein. Die Ergebnisse des zweiten Quartals, die LVMH im Juli veröffentlichen will, dürften mehr Aufschluss geben. Exane stuft die Aktie mit "Halten" ein.

Aurel BGC wiederum gehört zu den insgesamt 18 Häusern, die die LVMH-Aktie derzeit zum Kauf empfehlen. Zwei Experten raten, das Papier überzugewichten, und 13, es zu halten. Das durchschnittliche Kursziel der 33 Analysten, die den Konzern beobachten, liegt für die nächsten drei Monate bei 151,53 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2013 beträgt 16,9. Damit ist die LVMH-Aktie etwas höher bewertet als Wettbewerber aus der Luxusgüterbranche wie Kering (ehemals PPR) und Burberry, aber sehr viel niedriger als Hermès.

Börsen-Zeitung, 21.06.2013, Autor Gesche Wüpper, Paris, Nummer 116, Seite 18, 862 Wörter

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