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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Sebastian Schmid, New York

Die Rückkehr des US-Ölkonzerns ExxonMobil an die Spitze der teuersten börsennotierten Konzerne der Welt ist nur von kurzer Dauer geblieben. Schrumpfende Ergebnisse wegen steigender Explorations- und Investitionskosten sorgten dafür, dass die Marktkapitalisierung auf nur noch knapp 390 Mrd. Dollar abrutschte. Der zwischenzeitlich überflügelte Technologiekonzern Apple ist an der Börse nach dem Einstieg des aktivistischen Investors Carl Icahn derweil wieder mehr als 450 Mrd. Dollar wert.

Barreserve schrumpft

Die zunehmend herausfordernde Situation für ExxonMobil zeigt sich besonders daran, dass der Ölkonzern im jüngsten Quartal rund 2,2 Mrd. Dollar mehr investiert hat, als an operativem Cash-flow eingenommen wurde. Dass die Investitionen den betrieblichen Mittelzufluss übersteigen, kennt man sonst eher von jungen Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley, nicht aber vom umsatzstärksten Ölkonzern der Welt. In den vorangegangenen fünf Jahren hatte das US-Unternehmen noch einen freien Cash-flow von insgesamt 138 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Aufgrund des wachsenden Investitionsbedarfs wies Exxon Ende Juni mit gut 5 Mrd. Dollar die niedrigste Barreserve in der Bilanz seit mehr als einer Dekade aus.

Zugleich sackte der Nettogewinn im abgelaufenen Quartal verglichen mit der Vorjahresperiode um mehr als die Hälfte auf 6,9 Mrd. Dollar ab. Selbst bereinigt um den positiven Sondereffekt des Verkaufs japanischer Raffinerien im vergangenen Jahr war das Ergebnis um 18 % auf 1,55 Dollar je Aktie geschrumpft. Die Analysten hatten im Durchschnitt einen leichten Gewinnanstieg prognostiziert. Damit verfehlte Exxon die Erwartungen so deutlich wie zuletzt 2002.

Die negative Entwicklung bei den liquiden Mitteln und beim Ergebnis hat Exxon allerdings nicht exklusiv für sich. Auch die Konkurrenten BP, Chevron und Royal Dutch Shell verfehlten in der vergangenen Dreimonatsperiode die Erwartungen. Der amerikanische Rivale Chevron gab zudem mit 9,5 Mrd. Dollar ebenfalls rund 1 Mrd. Dollar mehr aus, als der operative Cash-flow allein erlaubt hätte. Während dies bei Exxon erstmals festgestellt wurde, war es für Chevron sogar bereits das zweite Quartal in Serie, in dem die Investitionen den Mittelzufluss überstiegen. Dennoch ist die Lage bei Exxon deutlich angespannter. Der kleinere US-Konkurrent kam Ende Juni mit knapp 21 Mrd. Dollar noch immer auf eine dreifach höhere Barreserve. Nach Abzug der Schulden bleibt Chevron zwar nur ein Liquiditätspolster von gut 1 Mrd. Dollar. Bei Exxon ist die Nettoliquidität allerdings sogar um 14,4 Mrd. Dollar negativ.

Als Konsequenz müssen die Investoren des Unternehmens aus Irwing im Bundesstaat Texas mit geringeren Ausschüttungen rechnen. So sind im dritten Quartal nur noch Aktienrückkäufe über 3 Mrd. Dollar eingeplant. In den ersten beiden Quartalen waren es noch 4 Mrd. Dollar und 2011 sowie 2012 sogar 5 Mrd. Dollar je Vierteljahr gewesen. Chevron will derweil die Rate von Aktienrückkäufen über 1,25 Mrd. Dollar im Quartal beibehalten.

Die Probleme der großen Ölgesellschaften ähneln sich derweil. Einerseits drückt der zuletzt leicht gesunkene Ölpreis auf die Margen. Andererseits steigen auch die Explorationskosten, da die Vorkommen nur noch an immer entlegeneren und aufwendiger zugänglichen Orten anzuzapfen sind. Am jüngsten Ölboom in den Vereinigten Staaten hat zwar auch Exxon partizipieren können: Dank steigender Gaspreise sind die US-Gewinne aus Exploration und Produktion um 62 % gestiegen. Für den global agierenden Konzern ist das aber nur ein Puffer, der die Ergebniseinbrüche andernorts abfedern kann. Zudem sinkt die Ölproduktion konzernweit. Exxon-CEO Rex Tillerson will deshalb jedes Quartal Milliarden für die Steigerung der Öl- und Gasfördermenge bis 2017 ausgeben.

Im Golf von Mexiko soll mehr investiert werden, außerdem auch in Russland. Der Konkurrent BP hatte allerdings zuletzt in beiden Förderregionen sehr negative Erfahrungen gesammelt. BP kann sich heute noch nicht endgültig sicher sein, was die Verpestung des Golfs von Mexiko nach der Explosion auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" den Konzern kosten wird. Bislang ist bereits eine zweistellige Milliardensumme aufgelaufen. Zudem gibt es Vorwürfe, der Konzern habe das Meer vor der Südstaatenküste mit Millionen Litern der Chemikalie Corexit verunreinigt, die die Sichtbarkeit des ausgetretenen Öls reduziert.

In Russland hatte BP das Joint Venture TNK-BP unterhalten, aus dem der Konzern zugunsten des staatlichen Ölförderers Rosneft indes herausgedrängt wurde. Am Ende gab es immerhin einen zweistelligen Milliardenbetrag und eine 18,5-prozentige Beteiligung an Rosneft als Entschädigung. Dennoch verdeutlichen die Vorfälle die geringe Rechtssicherheit in Russland gegenüber westlichen Ländern und die enormen finanziellen Risiken der Tiefseeförderung. Beide Unwägbarkeiten will und muss Exxon indes offenbar eingehen, um noch Wachstum generieren zu können.

Analysten abwartend

Analysten trauen der US-Ölgesellschaft allerdings zu, die dafür erforderlichen enormen Investitionen zu schultern. Von 16 Marktbeobachtern empfiehlt laut Zacks Investment Research nur einer den Verkauf der Titel. Mit zehn Analysten rät die Mehrheit zum Halten der Aktie, während immerhin fünf sogar noch den Kauf empfehlen.

Wer zum Jahresanfang auf die Optimisten gehört hat, dürfte indes nicht zufrieden sein. Während der US-Aktienmarkt Rekordstände erklommen hat, notierten die Exxon-Titel am Donnerstagmittag in New York mit 88,38 Dollar um 17 Cent unter dem Schlusskurs vom ersten Handelstag im Januar. Wer glaubt, die Titel hätten deswegen Nachholbedarf, könnte sich täuschen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 11,1 noch immer leicht erhöht. Zumeist lag das KGV in den vergangenen zwei Jahren knapp unter 10.

Börsen-Zeitung, 16.08.2013, Autor Sebastian Schmid, New York, Nummer 156, Seite 13, 808 Wörter

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