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Redaktion

Worauf es nach dem Verkauf des Familienunternehmens entscheidend ankommt
Markus Jesberger

Geschäftsführer, Frankfurt Family Office

Jürgen Unger

Geschäftsführer, Frankfurt Family Office

Der Verkauf des eigenen Unternehmens ist eine der großen Weichenstellungen im Leben eines Unternehmers und seiner Familie. Er bedeutet das Ende eines Lebensabschnitts und auch einen Aufbruch, der in vieler Hinsicht mit neuen Möglichkeiten und herausfordernden Aufgaben verbunden ist. "Einmal Unternehmer, immer Unternehmer", heißt es zu Recht, und dies ist nicht nur eine Frage von Lebenseinstellung und Mentalität. Ein Vermögen muss, auch wenn es nicht mehr in einem Betrieb gebunden ist, nach unternehmerischen Prinzipien gesteuert werden.

Unternehmer sind es gewohnt, die Richtung vorzugeben und den eingeschlagenen Kurs anhand eines aussagekräftigen Reporting und verlässlicher Kennziffern regelmäßig zu überprüfen. Ein Family Office unterstützt sie dabei. Es bietet beste Voraussetzungen dafür, Vermögen auch weiterhin unternehmerisch zu führen und es sicher durch die besonderen Herausforderungen der Märkte zu steuern. Zeitraubende administrative Arbeiten hält das Family Office fern.

Wie sollte der Übergang zu einem liquiden Vermögen gestaltet werden?

Wichtig ist, zunächst die Anlageziele zu definieren. Erst wenn Klarheit über die weitere Planung, eventuell auch hinsichtlich eines möglichen Vermögensübergangs auf die nächste Generation, besteht, wenn Renditeziele und Risikobereitschaft genau bestimmt sind, kann darauf aufbauend eine entsprechend fundierte Investitionsplanung entstehen. Bis dieses Fundament gelegt ist, sollte das Vermögen möglichst risikolos liquide angelegt sein.

Selbstverständlich haben auch die Modalitäten des Erhalts des Verkaufserlöses für das veräußerte Unternehmen einen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige private Vermögensstruktur. Eine qualifizierte Beratung durch freiberufliche Experten und eine detaillierte Liquiditätsplanung sind in diesem Zusammenhang äußerst wichtig. Der Unternehmensverkauf und die Neujustierung des privaten Vermögens gehen an dieser Stelle nahtlos ineinander über.

Bleibt bei der Einbindung eines Family Office die Kontrolle über die Steuerung des Vermögens erhalten?

Ein Family Office hat die Aufgabe, für Transparenz, Effizienz und bestmögliche Performance zu sorgen. Es bündelt Fachkompetenz in der Vermögenssteuerung und bringt wertvolle Erfahrungen zu Rechts- und Steuerfragen ein. Durch fortlaufende Prüfprozesse sorgt es dafür, dass die Vorgaben für die Vermögensanlage auch durch selektierte Vermögensverwalter eingehalten werden.

Mit einem Family Office werden große Vermögen aktiv steuerbar. Es ermöglicht, alles in der Hand zu behalten und wirksam zu kontrollieren, ohne dass der Kunde in dieser Aufgabe mehr als gewünscht gebunden ist.

Lohnt sich ein Family Office überhaupt?

Mit einem Family Office verbessern sich erfahrungsgemäß die Ergebnisse der Vermögensverwaltung. Dafür gibt es mehrere Gründe: Mit seinem weiten Erfahrungsspektrum - auch auf steuerlich-rechtlicher Ebene - ermöglicht es ein Family Office, Belastungen zu reduzieren und Effizienzgewinne zu erzielen. Darüber hinaus hilft das Family Office dabei, Erträge zu steigern. Es achtet darauf, dass Vermögensverwalter mandatiert werden, die für die einzelnen Anlagebereiche besonders geeignet sind. Klare Vorgaben in Form von Richtlinien und Restriktionen werden definiert und deren Einhaltung wird permanent überprüft. So können Risiken, denen keine angemessene Rendite gegenübersteht, weitestgehend vermieden werden.

Wie geht ein Family Office vor?

Die Arbeit eines Family Office ist in die drei Schritte Vermögensstrukturierung, Vermögensorganisation und Berichterstattung/Überwachung gegliedert. Die Vermögensstrukturierung beginnt mit dem Aufstellen einer Vermögensbilanz. Mit ihr entsteht die Grundlage für alles Weitere. Der Bilanzierung folgen die Klärung der Liquiditätsanforderungen, die Anlageoptimierung bei Steuerzahlungspflichten und die Begleitung bei der rechtlichen Analyse. Von besonderer Bedeutung ist regelmäßig die Überprüfung von Nachfolgeregelungen. Die aktuelle Vermögensstruktur wird daraufhin untersucht, ob sie den gegenwärtigen Anlagezielen des Kunden entspricht. Es folgt die Ableitung der Anlagestrategie.

Um Anlagen zielgerichtet zu streuen und unbezahlte Risiken zu minimieren, wird für die Vermögensstrategie das gesamte Anlageuniversum betrachtet. Neben traditionellen Investments in Aktien und Renten gehören hierzu auch vielfältige Formen alternativer Investments wie beispielsweise Edelmetalle, Rohstoffe, Immobilien und Beteiligungen an Unternehmen. Die Strategie wird in der Folgezeit gemeinsam mit dem Kunden regelmäßig überprüft, um sie gegebenenfalls an neue Lebensumstände anzupassen. Jederzeit bereit zu sein, das Vermögen des Kunden durch zielgerichtete Entscheidungen zu schützen, ist eine ganz zentrale Aufgabe eines Family Office. Dies kann zum Beispiel nötig sein, wenn sich im rechtlichen und steuerlichen Umfeld Veränderungen ergeben oder sich die Entwicklungsperspektiven bei Investments ändern.

Häufig dient Vermögen dazu, mehrere Ziele der Familien zu verfolgen. In der Praxis hat sich im Rahmen der Vermögensorganisation die Bildung von entsprechenden Vermögensblöcken bewährt. Für diese werden die geeigneten Vermögensverwalter in einem offenen Prozess ausgewählt und mandatiert. Da ein Family Office die spezifischen Stärken und Schwächen der verschiedenen Anbieter kennt, kann es die passenden Berater vorschlagen. Zur Organisation gehört auch das Formulieren der Anlagerichtlinien auf Portfolio- und Anlageklassenebene. Dabei wird auf eine optimierte Diversifikation der Anlagen und der Investmentstile, das Einhalten von Risikolimits sowie von Rendite- und Liquiditätsvorgaben geachtet.

Die transparente Konsolidierung über alle Teilvermögen und Vermögensträger hinweg, Performance- und Risikoanalysen sowie die Kosten- und Qualitätskontrolle sind schließlich die zentralen Aufgaben im Reporting und Controlling. Die Auswertungen ermöglichen eine fortgesetzte effiziente, zielgerichtete und aktive Vermögenssteuerung, die ein gutes Family Office auszeichnet.

Welchen Vorteil bietet ein Family Office bei der Auswahl der Vermögensverwalter?

Von Kunden wird geschätzt, dass sie über ihr Family Office Zugang zu realen Wertentwicklungsdaten der Vermögensverwalter erhalten. Ein wichtiger Vorteil, Vermögensverwalter über ein Family Office auszuwählen, besteht im anonymen Zugang, der auf diese Weise möglich ist. Ein Family Office kann Vermögensverwalter einladen, ohne dass der Kunde selbst nach außen als Auftraggeber in Erscheinung treten muss. Er hat so die Chance, potenzielle zukünftige Partner unverbindlich kennenzulernen, bevor er sich für eine Zusammenarbeit entscheidet. Ergänzend zur systematischen Prüfung der verschiedenen Angebote kann sich der Auftraggeber von den Kompetenzen der möglichen Ansprechpartner persönlich überzeugen. Das Family Office übernimmt selbstverständlich die Kommunikation der Absagen sowie die Vertrags- und Gebührenverhandlung mit den gewählten Adressen.

Weshalb ist ein Gesamtkonzept wichtig?

Mit der Ablösung des Vermögens vom Familienunternehmen müssen für die Vermögensanlage systematisch neue Grundlagen gelegt werden. Auf dem Fundament aus Analyse, Zieldefinition, Strategieentwicklung und Ableitung von Anlagerichtlinien baut der Erfolg der Vermögensanlage auf. Gerade in einem Marktumfeld, in dem es stets zu Extremereignissen kommen kann, sind Klarheit und eine präzise, flexible Steuerung aller Werte für den effektiven Schutz des Familienvermögens unerlässlich.

Lässt ein Family Office die Freiheit, sich wieder unternehmerisch zu betätigen?

Ein Family Office sorgt für einen sicheren, risikoadjustierten Rahmen für neue unternehmerische Engagements. Zudem eröffnet es auch die Chance, bei Bedarf Gleichgesinnte zu finden, denn ein Family Office verfügt über viele Kontakte zu anderen ehemaligen Unternehmern und zu am Markt aktiven Unternehmen. Ein Family Office bietet den Raum, in welchem Ideen, Expertise und Kapital zusammenfinden können. Es schafft nicht nur Sicherheit bei der Steuerung sehr großer liquider Vermögen, sondern kann auch der Ausgangspunkt neuer unternehmerischer Aktivitäten sein.


Börsen-Zeitung, 10.10.2013, Autor Markus Jesberger, Geschäftsführer, Frankfurt Family Office und Jürgen Unger, Geschäftsführer, Frankfurt Family Office, Nummer 194, Seite B 12, 1036 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2013194804&titel=Vermoegen-nach-unternehmerischen-Prinzipien-steuern
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