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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Martin Dunzendorfer,

Frankfurt

Vor einer Woche hat der Lebensmittelkonzern Südzucker seine Jahresprognosen gesenkt und einen schwachen Ausblick auf das nächste Geschäftsjahr gegeben. Der Kurs ist seither um fast ein Fünftel eingebrochen. Die Analystengemeinde - die dem MDax-Wert seit Jahren sehr wohlwollend gegenüberstand - reagierte ob des Ausmaßes der Gewinnwarnung und der trüben Perspektiven mit einem regelrechten Liebesentzug: Es hagelte Herabstufungen, wobei es selten um die Feinjustierung von Kurszielen ging, sondern meist um eine grundlegend neue, weitaus kritischere Sicht auf das Unternehmen.

Es wird womöglich Jahre dauern, bis der entstandene Vertrauensverlust verdaut sein wird. Das ist Südzucker anzukreiden - nicht nur wegen des mauen Geschäftsverlaufs, sondern vor allem wegen der zu lange hinausgezögerten Prognoseanpassung. Anfang Oktober hatte der Konzern bei Vorlage des Halbjahresberichts seine Erwartungen noch bestätigt, was Unternehmenskenner angesichts der schwachen Zahlen - der operative Gewinn war um 24,4 % gesunken - bereits verwundert hatte, da das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern für das Gesamtjahr nur ein Minus von 15,3 % vorsah und kein Grund erkennbar war, warum sich die Lage bessern sollte.

Schließlich reduzierte Südzucker die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2013/14 (28. Februar) doch - und zwar drastisch. Der nach eigenen Angaben weltgrößte Zuckerproduzent rechnet nun mit einem Erlösrückgang auf rund 7,6 (i.V. 7,9) Mrd. Euro, was einem Minus von ungefähr 3,5 % entspräche. Zuvor war ein leichter Umsatzanstieg auf 8,0 Mrd. Euro avisiert worden. Darüber hinaus wird ein deutlicheres Abschmelzen des operativen Ergebnisses erwartet: Statt wie zuvor mit 825 (974) Mill. Euro rechnet Südzucker nun mit einem Einbruch um ein Drittel auf rund 650 Mill. Euro.

Die Anpassung der Prognose sei aufgrund der unter den Erwartungen liegenden Zucker-Verkaufserlöse und der seit Ende des ersten Halbjahres weiter verschlechterten Geschäftsentwicklung erfolgt. In der Mitteilung heißt es weiter, "im Geschäftsjahr 2014/15 werden sich die verminderten Vermarktungsergebnisse für Zucker aus der Kampagne 2013 ganzjährig belastend (...) auf das operative Ergebnis des Segments Zucker auswirken". Nach sechs Monaten hatte dieses Kerngeschäft 304 Mill. Euro (72 %) zum operativen Gewinn von 425 Mill. Euro beigesteuert.

Der Kurs der Südzucker-Aktie brach am Tag der Ad-hoc-Mitteilung um 9,2 % ein; die Marktkapitalisierung sank um etwa 430 Mill. Euro. Statt einer Gegenbewegung büßte die Südzucker-Aktie an den folgenden Handelstagen 7,9 %, 0,5 %, 2,0 % und 1,3 % ein. Nur gestern ging es um 0,4 % bergauf. Gemessen am Schlusskurs vom 20. November (22,89 Euro), dem Tag vor der Gewinnwarnung, hat das Papier inzwischen über 19 % an Wert verloren. Mit 18,51 Euro liegt der Kurs jetzt auf dem niedrigsten Niveau seit drei Jahren. Der Börsenwert beträgt noch 3,78 Mrd. Euro.

Über Südzucker brach ein Sturm an Herabstufungen herein. Die Begründungen konzentrieren sich auf zwei Aspekte: Zum einen sei zwar eine Senkung der Gewinnerwartung für 2013/14 erwartet worden, aber nicht in diesem Umfang; zum anderen wird die Ertragsschwäche den Research-Häusern zufolge noch mindestens bis zum Ende des nächsten Geschäftsjahres anhalten. Daher reduzierten viele Analysten ihre Gewinnerwartungen, einige sogar bis 2015/16.

Dass der Vorstand dennoch ruhig weiterarbeiten kann, liegt auch am Aktionariat: Die in der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft (SZVG) vertretenen Zuckerrübenanbauer - Lieferanten von Südzucker - halten eine Mehrheitsbeteiligung von 52 %. Sie dürften mehr an Abnahmezusagen und einer - wenn auch schwankenden - Dividende interessiert sein als am Tagesgeschäft. Zweiter Großaktionär mit 10 % ist die österreichische Zucker Invest. Im Streubesitz liegen 38 % der Südzucker-Aktien.

Zuletzt hatte Südzucker eine Dividende von 90 Cent pro Aktie ausgeschüttet. Seit 2008 (40 Cent) war sie jedes Jahr angehoben worden. Bei einem Rückgang des operativen Gewinns um ein Drittel gilt für 2013/14 eine Dividendensenkung als sicher. Angenommen, es würden 60 Cent pro Aktie ausgeschüttet, ergäbe dies eine Rendite von 3,2 %, was verglichen mit der Verzinsung durch Banken oder Anleihen immer noch viel wäre.

Einige Analysehäuser änderten ihre Bewertung der Südzucker-Aktie vollkommen: Die Commerzbank stufte den Titel von "Kaufen" auf "Reduzieren" herunter und senkte das Kursziel von 27 auf 18 Euro, die LBBW rät nun zum "Halten" nach "Kaufen" und reduzierte ihr Ziel von 28 auf 18 Euro, und Warburg Research stutzte das Kursziel von 28,00 auf 19,50 Euro. Nur eine Minderheit der Institute hatte das Unheil vorausgesehen und war bei den Empfehlungen entsprechend vorsichtig gewesen.

Bestenfalls "Halten"

Von insgesamt 19 von Bloomberg erfassten Research-Häusern raten derzeit 7 zum "Verkauf" und 8 zum "Halten" der Südzucker-Aktie. Im Konsens kommt das Papier auf einen Wert von 2,6; das bedeutet etwa "Halten, mit Tendenz zum Verkauf" - eine relativ schwache Beurteilung. Das ermittelte durchschnittliche Kursziel beträgt 18,88 Euro. Signifikant optimistischer sind nur das Bankhaus Lampe (Empfehlung: "Halten"; Kursziel: 23 Euro), HSBC ("Neutral"; 23 Euro) und die DZ Bank ("Halten"; 21,50 Euro). Die negativsten Urteile gemessen am Kursziel kommen von BNP Paribas ("Underperform"; 13 Euro), Goldman Sachs ("Verkaufen"; 14,30 Euro) und Barclays ("Untergewichten"; 15 Euro).

Im Schnitt schätzen Analysten den Gewinn je Aktie in diesem und dem nächsten Geschäftsjahr auf 1,80 bzw. 1,64 Euro, woraus sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,3 bzw. 11,3 ableitet. Erstaunlicherweise hielten die Ratingagenturen lange still: Bei Moody's steht Südzucker auf "Baa1", bei Standard & Poor's auf "BBB+". Der Ausblick beider Häuser war bis gestern "positiv". Nun aber hat Moody's den Outlook auf "stabil" gesenkt.

Börsen-Zeitung, 29.11.2013, Autor Martin Dunzendorfer, Frankfurt, Nummer 230, Seite 17, 838 Wörter

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