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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Martin Fritz, Tokio

Kein Japan-Investor kommt an Fast Retailing vorbei, denn es handelt sich um den größten Einzelwert des Nikkei 225 mit einem Anteil von 10 %. Wer in den Index investiert oder mit Terminkontrakten handelt, hat das Schwergewicht immer im Gepäck. Als 2013 ausländische Anleger in Massen nach Japan zurückkehrten, stiegen sie bevorzugt in hochkapitalisierte Werte mit Aussicht auf Gewinnwachstum ein. Außer Toyota und dem Mobilfunk-Provider Softbank "entdeckten" sie auch den Textileinzelhändler Fast Retailing. Mit der Eigenmarke "Uniqlo" ist der Konzern nicht nur Marktführer in Japan und Asien, sondern beschleunigt seine Globalisierung seit kurzem aggressiv. Zeitweise verdreifachte sich daher der Aktienpreis. Firmengründer Tadashi Yanai wurde mit zuletzt 13,5 Mrd. Euro Vermögen der reichste Japaner.

Globale Ambitionen

Die Wachstumshoffnung der Investoren resultiert aus den globalen Ambitionen von Yanai: Bis 2020 will Fast Retailing mit heute 82 000 Mitarbeitern den Umsatz auf 5 Bill. Yen (35 Mrd. Euro) mehr als vervierfachen und die Rivalen Inditex, H & M und Gap überholen. Ende Februar betrieb Uniqlo in Japan 831 und im Ausland 534 Geschäfte. Das Wachstumstempo ist enorm: Wöchentlich entstehen ein bis zwei neue Läden, 2013 wurden 20 000 Mitarbeiter eingestellt. Der Auslandsumsatz im ersten Geschäftshalbjahr (bis Ende Februar) sprang um 58 % auf 357 Mrd. Yen (2,5 Mrd. Euro).

Schon 2016 soll das Ausland erstmals mehr Einnahmen einbringen als der Heimatmarkt. Mit dem heutigen Markteintritt in Deutschland verschärft Fast Retailing das Tempo ihrer Expansion in Europa. Die Filiale in Berlin mit 2 700 Quadratmetern auf drei Etagen ist das bisher größte Uniqlo-Kaufhaus in Europa, in Frankreich und England ist man schon vertreten. Der kraftvolle Eintritt in den hart umkämpften deutschen Markt illustriert das Selbstbewusstsein des Angreifers.

Das Interesse der Anleger erklärt sich auch aus den Besonderheiten der Strategie von Fast Retailing. Der Name der Eigenmarke ist die Abkürzung von "unique clothing", doch das Angebot von textilen Alltags-Basics von der Unterwäsche bis zur Jeans ist modisch gar nicht einzigartig. Die Produkte sind sogar weltweit gleich. Im Widerspruch zum Firmennamen setzt Fast Retailing dabei auf "Slow Fashion". Anders als der Rest der Branche wendet man für die Produktentwicklung rund ein Jahr auf, damit Design, Farben und Verarbeitung zeitlos und hochwertig sind. Durch Materialeinkäufe bis zu einem Jahr im Voraus sichert man sich Größenvorteile für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind innovative Funktionstextilien, die wärmen, kühlen oder besonders leicht sind.

Doch an der Börse sind die positiven Perspektiven mehr als eingepreist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 ist Fast Retailing auch nach einer Korrektur um 18 % seit dem Dezember-Hoch deutlich höher bewertet als die Rivalen Inditex (29) und H & M (25). Gemessen an den Kurszielen der Analysten würde der Aktienpreis bis März 2015 laut Bloomberg-Daten um 7,5 % sinken. Die Risiken der globalen Expansion sind nämlich nicht zu unterschätzen. Der Vorstoß von Asien auf westliche Märke geht richtig ins Geld. Als globale Marke ist Uniqlo noch schwach. Das US-Geschäft steckt nach bald zehn Jahren immer noch in den roten Zahlen. Die Kosten für Personal und Verwaltung steigen durch den Aufbau von fünf globalen Management-Zentren in London, New York, Schanghai, Singapur und Tokio rasant. Auch die wachsende Zahl der von der Konkurrenz abgeworbenen Manager treibt die Ausgaben. Der deutsche Europa-Chef Berndt Hauptkorn zum Beispiel führte die Schweizer Luxusmarke Bally. Das weltweite Online-Geschäft hat der langjährige Wal-Mart-Vertriebschef John Fleming übernommen. Vor diesem Hintergrund soll der Umsatz 2014 (bis 31. August) um 20 % auf 1,37 Bill. Yen (9,7 Mrd. Euro) zulegen, aber der Betriebsgewinn verbessert sich nur um 9,5 % auf 145,5 Mrd. Yen. Der Nettoertrag soll sogar um 2,6 % auf 88 Mrd. Yen schrumpfen, ebenso die Rendite um 1,3 Punkte auf 6,4 %.

Verletzliches Rückgrat

Japan bildet das verletzliche Rückgrat des Konzerns. Dort erzielte Fast Retailing im abgelaufenen Halbjahr 55 % der Einnahmen und 65 % des Gewinns. Die hohe operative Rendite von 17,3 % muss ständig verteidigt werden. Roland Berger Japan warnt vor einer "Kommoditisierung" der Marke und ihrer Produkte: "Es wird schwierig sein, das Momentum zu behalten." Weil die Rivalen Uniqlo nachahmen und die Bevölkerung altert und schrumpft, schließt Yanai kleine Filialen und öffnet größere Kaufhäuser in zentralen Lagen. 16 000 auf Zeit beschäftige Mitarbeiter werden ab April fest übernommen und sollen sich für ein Umsatzplus von jährlich 100 Mrd. Yen (710 Mill. Euro) ins Zeug legen.

Die bis 2020 angestrebte Vervierfachung des Umsatzes ist wohl nur durch Zukäufe möglich. Yanai gilt als sehr preisbewusst und konnte in der Vergangenheit mehrere internationale Modefirmen zu fairen Preisen schlucken. Diese Marken steuern 1 200 Filialen zu seinem Imperium bei. Bei der Zweitnotierung der Aktie in Hongkong im März betonte Yanai, er wolle organisch wachsen. Doch parallel scheiterte offenbar die Übernahme des US-Modehauses J. Crew an der Forderung von 5 Mrd. Dollar.

Der 65-jährige Gründer will den Weltmarkt entgegen seiner Ankündigung selbst erobern. Nur drei Jahre lang hatte Yanai es ertragen, die operative Führung in andere Hände gelegt zu haben. Ohne den risikobereiten und ehrgeizigen Gründer dürfte der Expansionseifer jedoch rasch erlahmen. Seine zwei Söhne, die zusammen mit seiner Frau knapp 19 % von Fast Retailing halten, sollen irgendwann Chairman und Vize-Chairman werden und dann beweisen, wer der Bessere ist. Yanai kontrolliert 27 % der Anteile. All dies verspricht einige Volatilität beim Kurs. Aber wie gesagt: Jeder Japan-Anleger sollte die Aktie im Auge behalten.

Börsen-Zeitung, 11.04.2014, Autor Martin Fritz, Tokio, Nummer 71, Seite 17, 867 Wörter

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