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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Sebastian Schmid, New York

Die von General-Electric-CEO Jeffrey Immelt angestrebte Konzentration auf das industrielle Kerngeschäft hat dem amerikanischen Siemens-Konkurrenten eine mehrjährige Schrumpfkur verpasst. Noch 2011 verdiente General Electric (GE) netto 14,2 Mrd. Dollar. Im abgelaufenen Turnus waren es gerade noch 13 Mrd. Dollar. Dank einer Senkung des Steueraufwands fiel der Rückgang unter dem Strich sogar noch weit geringer aus als im operativen Ergebnis, das von 34,6 auf 25,4 Mrd. Dollar abgesackt ist. Wesentlicher Treiber der rückläufigen Ergebnisentwicklung sind Asset-Verkäufe. So wurde etwa 2013 die 49-prozentige Restbeteiligung an der Film- und TV-Sendergruppe NBC Universal für 16,7 Mrd. Dollar an Joint-Venture-Partner Comcast abgetreten. Erst Ende 2009 hatte GE sich mit Comcast auf das Joint Venture verständigt.

GE Capital wird kleiner

Noch vor NBC Universal wird vor allem GE Capital als zu gewichtiger Fremdkörper im Spartenmix des US-Industriekonzerns gesehen. Seit Jahren trennt sich GE immer wieder von Teilbereichen der Finanztochter, die zuletzt aber noch immer die Hälfte des Konzernergebnisses einspielte. Unter anderem wurden im April 2012 die mexikanischen Aktivitäten von GE Capital für 2 Mrd. Dollar an Santander veräußert. In diesem Jahr soll der Börsengang der US-Konsumkreditsparte Synchrony Financial zu einer Bewertung von geschätzten 17 bis 21 Mrd. Dollar rund 3 Mrd. Dollar Emissionserlös bringen. Zusammen mit dem angepeilten Kauf des Alstom-Energiegeschäfts käme GE dem Ziel, drei Viertel des Gewinns mit den Industrietätigkeiten und nur ein Viertel mit den Finanzgeschäften zu erzielen, einen bedeutenden Schritt näher.

Alstoms Energiesparte wäre bei einem erfolgreichen Abschluss mit einem Volumen im zweistelligen Milliardenbereich der größte Zukauf in der Geschichte des Unternehmens mit Sitz in Fairfield (Connecticut). Die Kaufofferte deutet an, dass GE nach Jahren der primären Konzentration auf Desinvestitionen und kleinere Zukäufe wieder stärker in die Offensive kommen will. Das ist in vielerlei Hinsicht nötig. Nicht nur Gewinn und Umsatz sind in den vergangenen Jahren geschrumpft. Auch zahlreiche andere Erfolgskennziffern haben sich verschlechtert. So ist die Eigenkapitalrendite von 12,2 % im Jahr 2012 auf 10 % im abgelaufenen Turnus gesunken. Die Rohertragsmarge sank um 13 Prozentpunkte auf etwas mehr als 40 %.

Während operative Erfolge also noch auf sich warten lassen, lief es für GE an der Börse zuletzt besser. Seit Anfang 2012 hat die General-Electric-Aktie an der New Yorker Börse knapp 43 % auf 26,54 Dollar zugelegt. In den vergangenen fünf Jahren hat die Aktie ihren Wert mehr als verdoppelt und damit fast ebenso gut abgeschnitten wie der US-Leitindex S & P 500. Allerdings heißt das nicht, dass GE keinen Nachholbedarf hätte. Zum Höhepunkt der Finanzkrise ist die GE-Aktie deutlich steiler abgestürzt als der Gesamtmarkt. Während der S & P 500 bereits knapp 50 % über dem Stand Mitte 2008 notiert, liegt die GE-Aktie noch immer unter dem damaligen Kurs von 28 Dollar, der nur Ende 2013 kurz um 3 Cent übertroffen werden konnte.

Wachstum verspricht sich GE von praktisch allen Industriesparten. Im ersten Quartal zeigte indes ein Geschäftsbereich unerwartete Schwächen, der lange Zeit der wachstumsstärkste Bereich war. In der Meditzintechnik schrumpfte der Umsatz um 2 % auf 4,2 Mrd. Dollar. Der operative Gewinn gab sogar um 4 % nach. Im Wesentlichen war dies auf eine Schwäche im lukrativen Heimatmarkt zurückzuführen, wo GE Healthcare nach eigenen Angaben 6 % weniger Umsatz erzielte. Die Schwäche in der Medizintechnik dürfte auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Konzernumsatz weniger als erwartet zulegte.

Allerdings wurden die Erwartungen nur knapp verfehlt. Das gesamte Industriegeschäft setzte 8 % mehr um. Ohne die Schwäche in der Medizintechnik wäre es für GE weit besser gelaufen. Auch deutet vieles darauf hin, dass die Probleme der Sparte nur temporär sind. So waren US-Kliniken und Arztpraxen im Auftaktquartal in weiten Teilen des Landes mit dem Start der Gesundheitsreform "Affordable Care Act" befasst. Dies dürfte Resourcen gebunden und wesentliche Investitionen in neue Geräte und Dienste verzögert haben. Erst in den kommenden Quartalen kann daher beurteilt werden, ob die Schwäche in GEs margenstärkstem Medizintechnikmarkt noch andere Ursachen hatte. In den Schwellenländern und Europa legte der Auftragseingang von GE Healthcare indes zu. Dies deutet an, dass die Erwartung des US-Konzerns, im Gesamtjahr in der Medizintechnik zu wachsen, nicht unbegründet ist.

Auch die begonnene Modernisierung der US-Eisenbahnindustrie dürfte GE nützen. Die Züge, die wegen der großen Distanzen meist nicht elektrisch, sondern mit Diesel betrieben werden, sollen sukzessive auf Flüssiggas umgestellt werden. GEs Produkt zur Umrüstung von Diesel-Lokomotiven verspricht bis zu 50 % Spriteinsparungen. Mit Berkshire Hathaway, die Milliarden in die US-Eisenbahnindustrie investiert hat, arbeite GE eng zusammen - und dies wohl noch über Jahre. Auch in der Öl- und Gasindustrie sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstig. Optimale Voraussetzungen für das Management also, um wieder die Offensive zu gehen.

Das wird von den Anlegern allerdings auch erwartet. Selbst in das derzeit historisch gesehen schwache Kursniveau ist bereits ein gutes Stück Hoffnung eingepreist worden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezogen auf die kommenden zwölf Monate liegt mit 15,7 über dem Zehnjahresschnitt im S & P 500, der laut Factset bei 13,8 lag. Aktuell liegt der KGV-Schnitt bei 15,3 und damit niedriger als bei der 2013 noch geschrumpften GE, der Analysten 2014 die Trendwende zutrauen. Beim Umsatz wird durchschnittlich mit einem Anstieg auf 148,7 Mrd. Dollar gerechnet. Das wäre nicht nur mehr, als 2013 erlöst wurde, sondern auch mehr als für die erlösstärkeren Jahre 2011 und 2012 berichtet worden war. 2015 soll der Umsatz dann weiter steigen - Alstoms Energiegeschäft ist in diese Kalkulationen noch nicht einmal eingeflossen. Auch beim Gewinn wird nach mehreren schwachen Jahren an der Wall Street wieder mit einer Steigerung gerechnet. Von 15 Analysten, die diesen Monat ihre Empfehlungen für GE aktualisiert haben, raten acht zum Kauf der Aktie.

Börsen-Zeitung, 09.05.2014, Autor Sebastian Schmid, New York, Nummer 88, Seite 17, 912 Wörter

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