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Finanzierung steht auf vielen Säulen - Erfolg trotz geringen Personaletats - Stadionumbau sorgt für moderne Vermarktungsmöglichkeiten

Der FSV Frankfurt 1899 ist ein ruhmreicher Traditionsverein: 1925 erreichte er das Finale um die Deutsche Meisterschaft, 1938 stand er im Endspiel um den Deutschen Fußballpokal, 1972 wurde er Deutscher Amateurmeister. Nach langjähriger Zugehörigkeit zur 2. Fußball-Bundesliga stieg er im Jahr 2000 aus der Regionalliga Süd in die Oberliga Hessen ab. Es war der Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte. Es folgten sieben schwierige Jahre in der 4. Spielklasse mit sinkenden Zuschauerzahlen. Durchschnittlich kamen nur noch 300 Zuschauer zu den Heimspielen. Aber auch in dieser Zeit blieb der Verein seiner gegenwärtigen Maxime treu: vernünftig zu wirtschaften.

Seit 2007 geht es aufwärts

Und immer verfolgten die Verantwortlichen des Clubs mit unbändigem Willen das Ziel, in den Profifußball zurückzukehren. Auf dem Weg zum "Comeback" fand der FSV viele regionale Partner, die sich für diese Idee ebenfalls begeistern konnten - so auch die Frankfurter Volksbank, die im Juli 2006 die Namensrechte am altehrwürdigen Stadion am Bornheimer Hang übernahm, das seitdem Frankfurter Volksbank Stadion heißt. Dies ist umso bemerkenswerter, da die Partnerschaft mit der Bank zu einer Zeit geschlossen wurde, als der Verein noch in der Oberliga Hessen spielte.

2007 startete der FSV Frankfurt seine Erfolgsgeschichte: Die Schwarz-Blauen stiegen wieder in die Regionalliga auf. Ein Jahr später konnte mit der Meisterschaft in der Regionalliga Süd nach 13 Jahren der Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt gemacht werden. Um den gestiegenen Ansprüchen des Profifußballs gerecht zu werden, wurden neue Mitarbeiter eingestellt und die Lizenzspielerabteilung zum 1. Januar 2009 aus dem FSV Frankfurt 1899 e. V. in die FSV Frankfurt 1899 Fußball GmbH ausgegliedert.

Zahlen nach oben geschraubt

Seit 2008 gehört der FSV Frankfurt nun ununterbrochen der 2. Bundesliga an und spielt in der kommenden Saison 2014/15 im siebten aufeinanderfolgenden Jahr in dieser Spielklasse. Er hat in diesen Jahren eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben:

- Platz 4 in der Saison 2012/13 als absoluter Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte,

- der Zuschauerschnitt stieg von 300 auf 6 287 Zuschauer,

- die Mitgliederanzahl konnte von knapp 600 auf 1 880 Mitglieder mehr als verdreifacht werden,

- Platz 9 im TV-Ranking der ausgeschütteten Fernsehgelder und somit für die Saison 2013/2014 an TV-Erlösen: 6 339 600 Euro.

Weitere Partner gewonnen

Aber auch die Anzahl der Partner und Unterstützer des FSV ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, denn der verantwortungsvolle Umgang mit den Einnahmen gehört genauso zur Vereinsphilosophie wie die regionale Verbundenheit. Diese regionale Verbundenheit umfasst aber nicht nur das Engagement der Frankfurter Volksbank oder der genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken und Raiffeisenbanken. Zu den starken Partnern aus der Region zählen ebenso die hessische Traditionsbrauerei Licher und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Die Fußballschule des FSV wird in enger Partnerschaft mit dem Radiosender Hit Radio FFH betrieben.

Und noch ein weiterer Partner steht sinnbildlich für diese Philosophie: Mit dem Telekommunikationsunternehmen Sparhandy GmbH hat der Verein einen Trikotsponsor, der für sich beansprucht, Stärke aus eigener Kraft zu erreichen. Dieses Ziel beansprucht auch der FSV Frankfurt für sich: Dank der Unterstützung einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet ist der FSV Frankfurt heute in seiner Finanzierung breit aufgestellt und steht auf vielen Säulen. Passend zu dieser erfreulichen Entwicklung und natürlich auch dringend erforderlich wurde das Frankfurter Volksbank Stadion in zwei Bauabschnitten umgebaut.

Der erste Bauabschnitt umfasste den Umbau der Nord-, Süd- und Gegentribüne. Er wurde am 23. Juli 2009 mit einem Freundschaftsspiel gegen Werder Bremen und einer Fernseh-Liveübertragung wiedereröffnet.

Mit der Rekonstruktion der Haupttribüne als zweitem Bauabschnitt, die im November 2012 mit dem Zweitligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern in Betrieb genommen wurde, konnte für den FSV Frankfurt ein neues Zeitalter eingeläutet werden. Die repräsentative und funktional auf hohem Niveau stehende Haupttribüne bietet durch die exklusiven Logenräumlichkeiten Möglichkeiten zur modernen Vermarktung. Dazu gehören zehn Logen, ein Businessbereich für 700 VIP-Gäste und eine hochwertige Einrichtung, die allen Aktiven und Beschäftigten an Spieltagen und im Arbeitsalltag modernsten Zweitligastandard bietet. Die Kapazität des Stadions ist auf 12 542 Zuschauer angewachsen. Planerisch ist eine Erhöhung auf 15 000 Zuschauerplätze erreichbar.

Das gesamte Areal des Stadions umfasst neben dem Profispielbetrieb auch das Nachwuchsleistungszentrum des FSV Frankfurt. Die U17 spielt mittlerweile in der Bundesliga, die U19 strebt die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse an.

Ein Verein zum Anfassen

Trotz dieser imponierenden Erfolgsgeschichte ist der FSV im Kern immer familiär geblieben. Er ist mit den Attributen "volksnah" und "bodenständig" immer noch ein Verein zum Anfassen. Diese persönliche Note wird beim FSV wie bei kaum einem anderen Verein des Profi-Fußballsports gelebt. Passend zu dieser nachhaltigen Erfolgsgeschichte hat der FSV Frankfurt seit Beginn der Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga im Jahr 2008 sieben Mal hintereinander von der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH die Lizenz für die 2. Fußball-Bundesliga bedingungsfrei erhalten, so auch für die kommende Saison 2014/15. Die Lizenz ist zwingende Voraussetzung für die Teilnahme am Spielbetrieb und erlischt nach einer Spielzeit automatisch.

Imponierend in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der FSV Frankfurt seit Jahren in der 2. Bundesliga mit einem im Verhältnis zu den Wettbewerbern geringeren Personaletat erfolgreich besteht. Der durchschnittliche Personaletat betrug in der 2. Fußball-Bundesliga in der Saison 2012/13 knapp 8,9 Mill. Euro, im oberen Tabellendrittel lag er sogar bei rund 13,3 Mill. Euro. Der FSV erreichte in dieser Saison den 4. Tabellenplatz mit einem Personaletat von vergleichsweise geringen 5,4 Mill. Euro. In der abgelaufenen Spielzeit 2013/14 verbuchte der FSV mit 41 Punkten die zweitmeisten Zähler der jüngeren Zweitligazugehörigkeit seit dem Aufstieg 2008.

Diese Leistung ist umso beeindruckender, als sich die 2. Fußball-Bundesliga nicht nur durch ein anhaltend steigendes Niveau auszeichnet - Experten sprechen gerne von der "stärksten 2. Fußball-Liga der Welt" -, sondern mit knapp 420 Mill. Euro auch zu den Top 10 der umsatzstärksten Fußball-Ligen in Europa gehört.

Tradition, die lebt

Der Erfolg wird dem Verein auch immer wieder von unabhängiger Seite bestätigt. So hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs des Vereins im Jahr 2013 über den FSV Frankfurt gesagt: "Der DFB schätzt die hochsolide Arbeit des FSV Frankfurt. Der FSV Frankfurt ist ein professioneller Verein mit einem besonderen Touch, dem Familiären. Ich spreche den Vereinsverantwortlichen ein großes Kompliment für das neue Frankfurter Volksbank Stadion aus." Ferner erklärte Niersbach: "Tradition ist für einen Fußballverein etwas Wunderbares, solange sie nicht verstaubt. Beim FSV Frankfurt wird Tradition gelebt."

Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL), betonte bei derselben Veranstaltung: "Während viele Vereine in wirtschaftliche Schieflage geraten, sind beim FSV Frankfurt Kontinuität und wirtschaftliche Vernunft die Basis des Erfolgs. Dem FSV gelingt es auf beeindruckende Weise, trotz der Popularität des Nachbarvereins seinen eigenen Weg zu gehen. Das tut er nicht hektisch, sondern mit gut überlegten, kleinen Schritten."

Die vielen regionalen Partner des FSV Frankfurt werden auch in Zukunft die Grundlage für eine positive Entwicklung dieses Frankfurter Traditionsclubs bilden. Damit die Zuschauer im Frankfurter Volksbank Stadion, dem Stadion, wo sie so nah wie in keiner anderen Spielstätte der 1. und 2. Fußball-Bundesliga am Geschehen dran sind, spüren: FSV Frankfurt heißt Tradition, die lebt.

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Von Clemens Krüger, Geschäftsführer Finanzen FSV Frankfurt

Börsen-Zeitung, 10.06.2014, Autor Clemens Krüger, Geschäftsführer Finanzen FSV Frankfurt, Nummer 108, Seite B 8, 1131 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2014108813&titel=FSV-Frankfurt---Aufstieg-mit-wirtschaftlicher-Vernunft
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