Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 12.852,50-0,91% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.085,00-1,03% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.292,50-1,27% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 27.804,00-0,40% Gold: 1.948,94-0,43% EUR/USD: 1,1822+0,05%
Redaktion

rendite - Anlagemagazin Ausgabe Oktober 2014
FONDS
Alibaba zeigt, dass digitale Fonds das Zeug zum Verkaufsschlager haben. Deutsche Asset Manager wollen nachziehen.
Von Armin Schmitz

Als Yuebao (chinesisch: übriggebliebener Schatz) erstmals im Juni 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hat vermutlich niemand bei Alibaba geahnt, welchen Erfolg die Plattform haben würde. Innerhalb von einem Jahr investierten rund 100 Mill. chinesische Anleger mehr als 90 Mrd. Dollar über diese Plattform in einen Fonds. Der Erfolg erstaunt zunächst. Schließlich handelt es sich um einen simplen Geldmarktfonds - der damals allerdings eine Rendite von 6 % bot. Die Sparer zogen das Produkt traditionellen Investitionsmöglichkeiten vor, weil es deutlich höhere Erträge abwarf als die klassischen Einlagenzinsen der Banken. Außerdem kann der chinesische Bürger bereits Anteile ab 1 Yuan bzw. 0,13 Euro erwerben. Eine Betragsobergrenze gibt es nicht.

Alibabas Produkt ist nicht nur nach chinesischen Maßstäben ein Erfolg. Gemessen an den Assets under Management hat sich Yuebao zum größten chinesischen Fonds und zum fünftgrößten Geldmarktfonds weltweit entwickelt. In Deutschland sind laut Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) gerade einmal 9 Mrd. Euro in Geldmarktfonds investiert. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Zinsniveau hierzulande deutlich niedriger liegt als in China.

Der Erfolg Alibabas hat andere Unternehmen im Reich der Mitte animiert, online Finanzprodukte anzubieten. Mittlerweile haben neben Alibaba eine Reihe anderer großer chinesischer E-Commerce-Unternehmen wie Suning und Jingdon sowie die Internet-Firmen Tencent sowie Baidu Internet-Finanz-Produkte aufgelegt. Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG schätzen, dass es im Reich der Mitte bereits mehr als 50 unterschiedliche Internet-Vermögensverwaltungsprodukte gibt. Allein die größte E-Kommerz-Plattform, Alibaba, bietet ihren 800 Millionen Kunden neben dem Geldmarktfonds Girokonten, andere Investmentmöglichkeiten, Kredite und sogar virtuelles Geld zum Verschenken an.

Auch wenn Yuebao lediglich etwas mehr als ein Jahr alt ist, hat das Alibaba-Produkt die Finanzbranche in dem asiatischen Staat bereits wesentlich verändert und das Bewusstsein vieler Chinesen für Vermögensmanagement deutlich erhöht.

Gegenmaßnahmen der Banken

Da Chinas Banken durch die Umschichtungen von Geldern der Sparer hunderte Milliarden Yuan verloren, wurden in den zurückliegenden Monaten ähnliche Produkte entwickelt. Um die Abflüsse aufzuhalten bieten sie den Anlegern höhere Zinsen. So offerierten Zhangui Qianbao der Industrial Bank und Huoqibao von der Bank of China Zinsen von jeweils mehr als 5 %. Das Finanzministerium gab Anleihen heraus, die extra für Privatanleger konstruiert waren. So verkauften sie fünfjährige Anleihen mit einem Kupon von 5,4 %, welche die Renditen von durchschnittlich 4,75 % schlugen, die die Banken ihren Anlegern als Verzinsung für ihre Einlagen bieten. Die Kupons lagen auch höher als die Zinsen von 4,01 % p.a., die reguläre Staatsanleihen abwerfen, die aber nur von professionellen Investoren gehandelt werden können.

Gründe für den Erfolg von Yuebao gibt es viele. Nach Ansicht von Experten wie Xiaojuan Zhang von der Universität Schanghai hat der Bezahlservice Alipay von Alibaba, der Paypal auffällig ähnelt, einen großen Anteil zum Erfolg des Fonds beigetragen. Genauso schnell wie der Chinese auf Alibaba seine Waren bezahlen kann, ermöglicht ihm Alipay, Bankguthaben mit nur wenigen Klicks in den Geldmarktfonds zu transferieren oder Gelder aus diesem Finanzprodukt ohne Zeitverzug für Einkäufe von Waren im Internet zu verwenden.

Die Aufschläge beim Kauf von Fonds über das Internet liegen bei lediglich 0,6 % statt 1,5 %, wenn der Anleger bei den Banken einen Auftrag zum Kauf von Fonds abgibt. Online ist der Kauf von Finanzprodukten bereits ab 1 Yuan bzw. 0,16 Dollar möglich. Bei den Banken muss der Orderbetrag bei 50 000 Yuan oder höher liegen. Ferner schätzen Anleger die Vermögensverwaltungspläne, bei denen Anleger Gelder für einen Monat, eine Woche oder gar für nur einen Tag anlegen können.

Unattraktiver Rentenmarkt

Ein weiterer wichtiger Grund für die positive Resonanz auf das Angebot von Yuebao ist der für Privatanleger unattraktive Rentenmarkt in China. Staatsanleihen bieten keine sonderlich attraktiven Zinsen. Die Kuponhöhe der Emissionen wird knapp oberhalb der Verzinsung von Spareinlagen administrativ festgesetzt. Die Bestimmung des Emissionskurses erfolgt durch eine Mischung von administrativer Vorgabe und Auktion. Der Sekundärmarkt leidet unter sehr geringer Liquidität, da der Markt sehr segmentiert ist und die Marktakteure nur geringe Handelsanreize besitzen. Für Privatanleger ist auch die Besteuerung nachteilig. Investoren zahlen in der Regel auf Zinsen und Dividendenzahlungen pauschal 20 % Steuern. Dagegen bleiben die Erträge aus den Spareinlagen bei den chinesischen Geschäftsbanken steuerfrei.

Letztlich hat Yuebao Millionen von Kleininvestoren dazu bewegen können, Geld wie bei einem Online-Spiel einzusetzen. Es ist aber mehr als das. So können die Nutzer mit dem Geld auf Yuebao beispielsweise Smartphones bei den Telekomanbietern kaufen.

Sie können ferner die Einlagen zum Online-Shopping, zum Bezahlen von Strom-, Gas- und Telefonrechnungen nutzen. Dieser Service wird aber auch bereits in

anderen Ländern angeboten. Auch Amerikaner haben bei einigen Geldmarktfonds die Möglichkeit, sie beim Bezahlen während des Shoppings zu benutzen.

Auf die Initiativen der Banken hat im April Yuebao mit der Gründung der offenen Investmentplattform Zhaocaibao reagiert. Über diese können Finanzinstitute ihre Produkte

die mehr als 100 Millionen Nutzern anbieten. Zhaocaibao bietet eine stabile Rendite und einen fixen Zeitraum für Rückkäufe. Die Investmentplattform soll über Yuebao hinaus dem Anleger Zugang zu professionelleren und spezifischeren Vermögensverwaltungsangeboten bieten.

Obwohl die digitale Entwicklung in der Finanzindustrie auch in den Industrienationen voranschreitet, hat der Erfolg von Yuebao und anderer Internet-Finanzprodukte in China den Fokus auf Personal Finance Management im Internet und reine Online-Banken wie Simple.com oder Moven.com gerichtet, die ihre Geschäfte digital komplett abwickeln. Während im Bereich des Brokerage Selbstentscheider mit entsprechendem Wissen auch hierzulande bereits seit Jahren ihre Geschäfte abwickeln, nutzen Anleger, die die sich nicht so intensiv mit dem Thema Geldanlage beschäftigen wollen, bevorzugt immer noch Banken oder Finanzberater. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Facebook, Google und Co. in diesen Sektor vorstoßen werden. Die Internetgiganten besitzen in Europa eine Banklizenz oder sind dabei, eine zu beantragen. Von Google ist bekannt, dass der Konzern in Europa bereits seit dem Jahr 2007 eine Banklizenz besitzt.

Die Ebay-Tochter Paypal besitzt seit sieben Jahren in Europa eine Banklizenz und unterliegt der Regulierung durch die luxemburgische Bankaufsicht CSSF und damit dem europäischen Recht. Auch Facebook soll vor einigen Monaten in Irland eine Banklizenz beantragt haben. Wenn es die Automobilindustrie geschafft hat, Finanzinstitute zu etablieren, dürfte dies auch Google, Apple oder auch Amazon gelingen, sagen Experten. Mit neuen Ideen könnten sie wie Yuebao ihre Millionen von Nutzern begeistern und damit der Finanzindustrie ernsthafte Konkurrenz machen.

Auch deutsche Banken sehen die Gefahr. So möchte die Deutsche Bank über ihre Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) das

Digitalgeschäft in ihrem Haus vorantreiben. Über die Abteilung "Digital Business & Marketing", die von Baki Irmak geleitet wird, sollen Konzepte für die internetgestützte Anlageberatung und Vermögensverwaltung entwickelt werden. Das Institut reagiert damit auf die Erwartung zahlreicher Experten, dass in ein paar Jahren viele Anleger ihre Vermögensanlagen komplett über das Internet abwickeln.

Börsen-Zeitung, 02.10.2014, Autor Armin Schmitz, Nummer 32, Seite B 18, 1067 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2014189817&titel=Internet-Finanzprodukte-treffen-den-Nerv-der-Anleger
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Kapitalmärkte
Themendossiers zu Kapitalmärkte
Länderratings
Neue Produkte
Zusatztabellen zur Analyse "Geld oder Brief"


Termine des Tages
Freitag, 14.8.2020

Ergebnisse
Adler Real Estate: 2. Quartal
BayernLB: 2. Quartal
Hapag-Lloyd: 2. Quartal
Hella: Jahr
Klöckner & Co: 2. Quartal
Varta: 2. Quartal












22

0.103655 s