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Redaktion

Enge Vernetzung von Real- und Finanzwirtschaft bietet beachtliches Potenzial
Vergleicht man internationale Finanzsysteme, so lassen sich idealtypischerweise kapitalmarktbasierte und bankbasierte Finanzsysteme unterscheiden. Deutschland gilt dabei als klassischer Vertreter eines bankbasierten Finanzsystems, in dem private Banken, Sparkassen und genossenschaftliche Institute als Universalbanken Finanzdienstleistungen aus einer Hand erbringen. Daneben gibt es aber auch einen starken Sektor von Spezialbanken, zum Beispiel Pfandbriefbanken und Förderbanken.

Sucht man nach den Ursachen für diese Ausrichtung, so springt einem vor allem ein Grund ins Auge. Dies ist die im internationalen Vergleich besondere Wirtschaftsstruktur mit einem ausgewogenen Mix von Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenklassen: leistungsfähige multinationale Konzerne und eine vielfältige Landschaft kleiner und mittelständischer Unternehmen von lokaler bis hin zu globaler Bedeutung. Es ist diese Struktur, die die deutsche Wirtschaft international so einzigartig macht. Um die Vielzahl unserer mittelständischen Hidden Champions werden wir weltweit beneidet.

Unsere Wirtschaft konnte sich nur so erfolgreich entwickeln, weil die Struktur der Realwirtschaft und die Struktur der Kreditwirtschaft zueinander passen. Für die Kreditwirtschaft in ihrer dienenden Funktion bedeutet dies, dass es Institute geben muss, die die Unternehmen lokal, regional, europaweit und weltweit begleiten können. Dann gibt es nicht nur - wenn die Rahmendaten für Realwirtschaft und Kreditinstitute im Übrigen stimmig sind - erfolgreiche Unternehmen, sondern auch eine florierende Kreditwirtschaft.

Werden diese Überlegungen auf unser Bundesland Nordrhein-Westfalen übertragen, so ist es nicht überraschend, dass "Wir in Nordrhein-Westfalen" und auch "Wir in Düsseldorf" allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin über einen leistungsfähigen Finanzplatz verfügen. Anders als vielfach prognostiziert, gingen auch am Niederrhein nicht die Lichter aus. Gelegentlich kann man den Eindruck haben, dass dies für manche Beobachter immer noch eine Überraschung ist. Denn die zum Teil großen Schwierigkeiten, die Institute aller kreditwirtschaftlichen Sektoren in den vergangenen Jahren hatten, haben den Blick auf die Stärken unseres Finanzplatzes verstellt.

So verfügt Nordrhein-Westfalen über einen starken Bankenplatz, zu dem leistungsstarke Großbanken, private Regionalbanken und Privatbankiers, Sparkassen und Genossenschaftsbanken ebenso gehören wie ausländische Kreditinstitute und Spezialbanken. Mit der NRW.Bank hat die zweitgrößte Förderbank Deutschlands und die drittgrößte in Europa ihren Sitz in Düsseldorf. Hinzu kommen mit der Bürgschaftsbank Nordrhein-Westfalen und der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen leistungsfähige Selbsthilfeeinrichtungen der hiesigen Wirtschaft. Von diesen Förderinstituten gehen wichtige Impulse für die Sicherung unseres Standorts und positive Effekte auf den Arbeitsmarkt aus.

Deutlicher zum Ausdruck kommt die Bedeutung unserer Kreditwirtschaft bei einem Blick auf einige wenige Zahlen: Gemessen an der Zahl der von Inländern hereingenommenen Einlagen und den an Inländern herausgegebenen Krediten ist Nordrhein-Westfalen der größte Finanzplatz in Deutschland. Neben mehr als 320 Kreditinstituten mit Sitz in unserem Bundesland kommt eine große Zahl von Niederlassungen von Häusern hinzu, die ihren Sitz in anderen Bundesländern oder im Ausland haben. Weiterhin unterstreicht die Zahl von 140 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben ist, die wirtschaftliche Bedeutung unserer Branche.

Dies wird besonders deutlich beim Vergleich mit anderen Branchen. So beschäftigen die Hersteller von chemischen Erzeugnissen 91000, die Hersteller von Metallerzeugnissen 169000, der Maschinenbau 205000 und die Kraftwagen- und Fahrzeugbauer 91000 Menschen.

Natürlich ist für die Attraktivität Nordrhein-Westfalens als Bankenstandort die Größe unseres Bundeslandes ein wichtiger Faktor. Gemessen an der Zahl der Einwohner und der Höhe des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 600 Mrd. Euro ist es das größte deutsche Bundesland. Als selbständiger Staat wären wir - gemessen an der hier erzielten Wertschöpfung - die Nummer 19 auf der Liste der größten Staaten der Welt.

Aber die Attraktivität beruht auf mehr als der reinen Größe. Eher noch wichtiger für unseren breit aufgestellten Bankensektor ist die differenzierte wirtschaftliche Struktur:

- 765000 kleine und mittelständische Unternehmen bilden den wirtschaftlichen Kern. Darunter befinden sich viele Unternehmen, die auf ihren jeweiligen Geschäftsfeldern (auch weltweit) führend sind.

- 17 der 50 umsatzstärksten Unternehmen haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen.

- Auch für ausländische Unternehmen ist unser Standort im höchsten Maße attraktiv; knapp 30% der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland fließen hierher. Damit ist unser Bundesland der attraktivste Standort für ausländische Unternehmen - nicht nur in Deutschland, sondern nach einer Umfrage des "foreign Direct investment Magazine" in der Kategorie "European Region Overall" auch europaweit.

- Die differenzierte Regionalstruktur mit wirtschaftlichen Zentren (Rheinschiene, Ruhrgebiet, Ostwestfalen-Lippe, Südwestfalen) hat zur Folge, dass auch die Kreditwirtschaft regional weniger konzentriert ist, als dies in anderen Bundesländern der Fall ist.

An dieser Stelle wird deutlich, wie sich die Wirtschaftsstruktur und die Struktur unserer Bankenlandschaft entsprechen. Unsere Wirtschaft bietet Platz für die verschiedensten Geschäftsmodelle von Banken:

- die lokale, regionale, nationale und weltweite Begleitung von Unternehmenskunden verschiedener Größe mit Krediten, Kapitalmarktprodukten, nationalen und internationalen Zahlungsverkehrsangeboten, Absicherungsinstrumenten und Einlagengeschäften;

- vielfältige Möglichkeiten für das Einlagen- und Kreditgeschäft im Retailbereich;

- ein großes Potenzial an vermögenden Privatkunden für Private Banking.

Grundsätzlich können die als Universalbanken aufgestellten Institute in allen diesen Geschäftsfeldern tätig sein. Gleichwohl haben sich zwischen den verschiedenen sogenannten Säulen der Kreditwirtschaft unterschiedliche geschäftliche Schwerpunkte herausgebildet. So sind die privaten Banken neben ihrer bedeutenden Rolle als Kreditgeber führend in der für unsere Unternehmen sehr wichtigen Exportwirtschaft. Sie unterhalten gut zwei Drittel des Auslandsnetzes der deutschen Kreditwirtschaft. Davon profitieren die Unternehmen auch dann, wenn die Bank ihren Sitz nicht in unserem Bundesland hat - das Know-how ist in der Region vorhanden. Insoweit kann es nicht überraschen, dass unsere Institute die höchsten Marktanteile bei der Finanzierung der besonders exportstarken Unternehmen aufweisen.

Bei Kapitalmarktfinanzierungen geht ebenfalls kaum eine Transaktion vonstatten, ohne dass ein privates Institut eingeschaltet ist. Im Privatkundenbereich sind unsere Institute Marktführer bei Wertpapierdepots und Ratenkrediten.

Es ist die enge Vernetzung von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft, die ein Vorteil unseres Standortes ist und sowohl für die Realwirtschaft als auch für die Banken unseres Landes ein erhebliches Potenzial bietet. Also ein Standort, an dem alles in Ordnung ist? Leider gibt es Einschränkungen.

Gemeint sind nicht die Probleme, die aus der Branche selbst kommen, zum Beispiel bei Instituten, deren Zukunft nicht gesichert ist. Gemeint sind auch nicht die Herausforderungen, die aus den - weithin gerechtfertigten - gesteigerten Anforderungen der Bankenaufsicht oder dem Wandel der Marktstrukturen folgen. Vielmehr sind es die Probleme, die aus dem Zurückbleiben des Wirtschaftswachstums im Vergleich zum deutschen Durchschnitt und insbesondere zu Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg resultieren. Es gefährdet die Attraktivität unseres Standortes im Vergleich zu anderen Bundesländern.

Der Wachstumsrückstand ist nicht nur die Folge eines andauernden Strukturwandels weg von Kohle und Stahl hin zu einer modernen Wirtschaftsstruktur. Es hat auch zu tun mit einer landesspezifischen Regulierung, über die viele unserer Firmenkunden klagen. Auch die finanzielle Situation des Landeshaushalts kann eine Hypothek für die Zukunftsfähigkeit unseres Bundeslandes werden, wenn es nicht bald gelingt aufzuzeigen, wie die Schuldenbremse eingehalten werden soll.

Diese Probleme sind sicherlich nicht trivial, aber lösbar. Gelingt dies, wird Nordrhein-Westfalen für Kreditinstitute ein noch attraktiverer Standort. Die privaten Banken werden diesen Prozess aktiv unterstützen.

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Martin Renker, Vorstandsvorsitzender Bankenverband Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung West & Mitglied des Management Committee Deutschland, Deutsche Bank AG, Düsseldorf

Börsen-Zeitung, 23.10.2014, Autor Martin Renker, Vorstandsvorsitzender Bankenverband Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung West & Mitglied des Management Committee Deutschland, Deutsche Bank AG, Düsseldorf, Nummer 203, Seite B 4, 1085 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2014203800&titel=Bankenstandort-Nordrhein-Westfalen-ist-stark---aber-nicht-ohne-Schwaechen
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