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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Sandro Benini, Mexiko-Stadt

Die Krise um das einstige Vorzeigeunternehmen Petrobras hat sich derart verschärft, dass Brasilien ernsthafter Schaden droht. Vergangene Woche hat Moody's die Kreditwürdigkeit des staatlichen Energiekonzerns um zwei Stufen auf "Ba 2" gesenkt und den Ausblick auf "negativ" gesetzt hat. Es war die zweite Herabstufung in weniger als einem Monat. Die Analysten begründeten den Schritt mit "zunehmende Besorgnis über Korruptionsermittlungen und Liquiditätsdruck". Für Fitch und S & P liegt das Unternehmen noch auf der niedrigsten Investment-Grade-Stufe. Sollten die beiden Agenturen sie ebenfalls auf Ramschstatus setzten, werden viele institutionelle Anleger die Anleihen verkaufen.

Morgan Stanley betont in einem jüngst erschienenen Bericht, bereits der Verlust des Investment Grade durch eine der drei wichtigen Agenturen werde den Zugang des Konzerns zu den Kapitalmärkten erschweren und verteuern. Was das Vertrauen der Investoren zusätzlich untergräbt, ist der Umstand, dass Petrobras seit dem dritten Jahresquartal 2014 keine Bilanz vorlegen kann - dies, weil sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers aufgrund der laufenden Korruptionsermittlungen weigert, die Schlussrechnung abzunehmen.

Um 90 Prozent gefallen

Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 7 % abgegeben. Seit dem Höchststand seiner Aktien Ende 2009 hat Petrobras 90 % seines Marktwertes eingebüßt. Laut Moody's steht der Konzern vor der Herausforderung, in den nächsten Jahren die "sehr hohe Schuldenlast" zu verringern. Die ökonomischen und politischen Folgen des in Brasilien "Petrolao" genannten Korruptionsskandals um den Erdölgiganten sind noch nicht in vollem Ausmaß abzuschätzen, jedoch ist Schaden bereits jetzt verheerend. Um Aufträge zu erhalten, sollen vor allem Bauunternehmer Petrobras insgesamt rund 4 Mrd. Reais an Schmiergeldern bezahlt haben, die teilweise in die Kassen politischer Parteien weitergeflossen sind, vor allem in jene der regierenden Arbeiterpartei PT. Ihr gehören sowohl Präsidentin Dilma Rousseff als auch ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva an. Um die systematische Veruntreuung zu vertuschen, waren Überfakturierungen gang und gäbe.

Die ökonomische Sprengkraft des Skandals wird dadurch potenziert, dass von Petrobras rund 10 % der industriellen Wirtschaftsleistung Brasiliens direkt oder indirekt abhängen und dass Infrastrukturprojekte mehrerer in den Skandal verwickelter Baukonzerne - etwa OAS oder Camargo Correa - ebenfalls gefährdet oder bereits gestoppt sind. Betroffen sind etwa Werften. Außerdem warten zahlreiche Zuliefererfirmen auf die Bezahlung ihrer Rechnungen, und in Hafenstädten wie Santos oder Macaé stehen große Infrastrukturkomplexe leer. Zusammengestrichen werden gegenwärtig auch die Investitionen in Exploration, Förderung und Vertrieb. Analysten schätzen, dass die Krise des staatlichen Energiekonzerns das Wachstum des Bruttoinlandproduktes im laufenden Jahr um 0,75 % schmälern und damit eine leichte Rezession verursachen wird.

Zusätzlichen Schaden richten zwei weitere Faktoren an. Zum einen der niedrige Erdölpreis, der sich auf die Rentabilität von Brasiliens Offshore-Förderung in großen Meerestiefen auswirkt. Damit sich die Fördertätigkeit lohnt, wäre ein Preis von rund 80 Dollar pro Fass notwendig. Zum anderen krankt der Konzern seit langem daran, dass die Regierung schon unter dem von 2003 bis 2011 regierenden Präsidenten Lula begann, die Waage zwischen unternehmerischer Freiheit und staatlichem Interventionismus immer mehr zugunsten Letzterem zu senken. Bei der Förderung und Vertrieb werden einheimische Partner und Zulieferer gegenüber ausländischen bevorzugt, was die technologisch ohnehin schwierige Bergung des in tiefen Gewässern liegenden Reichtums verzögert. Um die Inflation zu dämpfen, zwingt die Regierung Petrobras außerdem, Benzin unter Marktwert zu verkaufen. 2013 musste das Unternehmen deshalb Treibstoff für 8 Mrd. Dollar importieren, um ihn an den Tankstellen verbilligt abzugeben.

Unter dem Druck des Korruptionsskandals hat sich Rousseff Mitte Februar entschlossen, Petrobras-Präsidentin Maria das Graças Foster sowie die gesamte Konzernspitze zu entlassen. Die Ernennung des neuen Präsidenten Aldemir Bendine hat Investoren und Analysten jedoch enttäuscht, weil sie es als Signal deuten, dass die Regierung den Konzern weiterhin an kurzer Leine halten will. Bendine hat im Unterschied zu seiner Vorgängerin keinerlei Erfahrung im Erdölgeschäft, und es scheint zweifelhaft, dass er als ehemaliger Direktor des staatlichen Banco do Brasil die Unabhängigkeit besitzt, Maßnahmen durchzusetzen, die den Interessen der Regierung zuwiderlaufen. Dennoch hoffen einige Kommentatoren, dass der Skandal letzten Endes eine läuternde Wirkung entfalten könnte - etwa, indem er die Regierung zwingt, von ihrem Protektionismus abzurücken und das Unternehmen stärker für ausländische Beteiligungen zu öffnen.

Zunächst jedoch steht eine weitere Eskalationsstufe des Petrolao-Skandals bevor: Bisher ist die Justiz lediglich gegen Exponenten von Petrobras und der involvierten Baukonzerne vorgegangen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch Politiker ins Visier nimmt. Während ihrer ersten Amtszeit hat sich Rousseff als unerschrockene Kämpferin wider die Korruption profiliert, indem sie mehrere der Bestechlichkeit verdächtige Minister entließ. Obwohl es bisher keine Beweise gibt, dass sie persönlich in den Skandal verwickelt ist, fragt sich die Öffentlichkeit zu Recht: Hat Rousseff, die unter ihrem Vorgänger Lula da Silva Energieministerin, Kabinettschefin und zwischen 2003 und 2010 Verwaltungsratspräsidentin von Petrobras war, tatsächlich nichts von dieser gigantischen Schmiergeldmaschinerie bemerkt? Und falls dies zutrifft: Muss sie sich dann nicht sträfliche Nachlässigkeit vorwerfen lassen? Gemäß einer jüngst veröffentlichten Umfrage glauben 80 % der Bevölkerung, sie habe von den illegalen Vorgängen gewusst.

Börsen-Zeitung, 06.03.2015, Autor Sandro Benini, Mexiko-Stadt, Nummer 45, Seite 17, 789 Wörter

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