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Redaktion

KOMMENTAR - GAZPROM
Nach langem Zögern hat der russische Energieriese Gazprom entschieden, sich von seinem 10,5 % umfassenden Anteil an dem ostdeutschen Gasversorger VNG Verbundnetz Gas zu trennen. Mit dieser Mini-Beteiligung sei kein Einfluss mehr möglich, argumentieren die Russen, nachdem ihr deutscher Partner Wintershall schon vor Jahresfrist bei VNG ausgestiegen war und die gemeinsame Sperrminorität damit verloren ging. Immerhin bedurfte es ein geschlagenes Jahr Bedenkzeit, bis Gazprom zu dem gleichen Ergebnis wie die BASF-Tochter kam.

Zugegeben: Es gibt wahrlich Wichtigeres im großen Gazprom-Reich als eine unbedeutende Beteiligung an einem nicht ganz unbedeutenden Gasverteiler im wirtschaftsschwachen Ostdeutschland. Der staatsdominierte Konzern leidet böse unter den nach der Krim-Annexion verhängten Sanktionen des Westens, wohin der Großteil der Exporte geht. Der Rubel-Verfall tut ein Übriges, so dass der Gewinn im letzten berichteten Quartal (Juli bis September 2014) um fast zwei Drittel eingebrochen war. Und Besserung ist nicht in Sicht. Nach dem viel zu warmen Winter 2013/14 waren die westeuropäischen Gasspeicher - anders als in normalen Jahren - nicht durch den hohen Heizbedarf "ausgefördert", so dass sie im Sommer nicht nennenswert "eingefördert", sprich aufgefüllt werden mussten. Vielmehr wurde im gesamten Vorjahr weniger Gas benötigt als gedacht - auch weil die hiesige Energiewende die CO2-ärmeren Gaskraftwerke benachteiligt und die klimaschädlichen Kohlekraftwerke begünstigt. Bereits im Herbst waren die Gasspeicher wieder bis an den Rand gefüllt.

Es folgte: Wieder kein Winter, wieder kein großer Verbrauch. Dass die Speicher dennoch gut geleert sind, deutet auf geringe laufende Lieferungen hin, weil die im Sommer zu Tiefstpreisen eingelagerten Gasmengen beim Absatz an Kunden offensichtlich weit günstiger waren als aktuelle Importe etwa aus Russland. Momentan spekulieren die Händler auf fallende Preise im verbrauchsärmeren Frühjahr, was die Anbieter - allen voran Gazprom - weiter unter Druck setzt.

Auf nahe Sicht kann der Energieriese in Europa weniger Gas zu einem schlechteren Preis und einem geringeren Rubel-Kurs verkaufen. Eine glänzende Zukunft sieht anders aus - zumal die EU-Kommission neben den Sanktionen mit ihrer Forderung nach Ownership Unbundling grundsätzliche Bedenken hegt gegen die Gazprom-Struktur, die von der Exploration bis zum Endkunden alles umfasst. Kein Wunder, dass sich der Gasriese zunehmend gen Asien orientiert.


Börsen-Zeitung, 08.04.2015, Autor Ulli Gericke, Nummer 66, Seite 1, 342 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015066004&titel=Ausgefoerdert
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