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Redaktion

Ausgezeichnete Versorgung mit Finanzmitteln bleibt auch künftig eine Stärke des Wirtschaftsstandortes Bayern

Die bayerische Wirtschaft steht ausgezeichnet da. Die konjunkturellen Vorzeichen stehen auf Wachstum, am Arbeitsmarkt herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Auch im längerfristigen Vergleich kann sich der Freistaat sehen lassen. Um ein Viertel konnte die Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 2000 zulegen - hier nimmt Bayern bundesweit den Spitzenplatz ein.

Das Erfolgsgeheimnis

Was ist das Erfolgsgeheimnis der bayerischen Unternehmen? Ein zentraler Standortfaktor ist der Zugang zu Finanzmitteln. Dieser funktioniert dank des stabilen Drei-Säulen-Modells der hiesigen Kreditwirtschaft reibungslos. Das belegen auch die jüngsten Geschäftszahlen der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Ihre Kredite an Unternehmen und Selbständige stiegen im Jahr 2014 um knapp 5 % auf über 39 Mrd. Euro. Besonders der Dienstleistungssektor und die Baubranche wandten sich mit ihren Finanzierungswünschen an die Kreditgenossenschaften. Damit hielten die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Expansionskurs. Seit dem Jahr 2005 sind sie im Firmenkreditgeschäft um beinahe 50 % gewachsen. Ihre Risiken haben sie dabei fest im Griff: Der Abschreibungsbedarf bewegt sich seit Jahren auf einem äußerst niedrigen Niveau.

Breites Branchenspektrum

Mit dieser dynamischen Entwicklung liegen die bayerischen Kreditgenossenschaften an der Spitze im Wettbewerberfeld - und das, obwohl die Mittelstandsfinanzierung von vielen Banken in den vergangenen Jahren als attraktiver Zielmarkt identifiziert worden ist. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat haben im Firmenkreditgeschäft in den letzten zehn Jahren 7 Prozentpunkte an Marktanteilen hinzugewonnen und liegen jetzt bei rund 19 %. Das Branchenspektrum ist breit: Die Kreditgenossenschaften sind nicht nur der bedeutendste Finanzierungspartner der Agrarwirtschaft im Freistaat. Hier beträgt der Marktanteil 64 %. Auch bei der Finanzierung des Baugewerbes (33 %) oder des Handels (23 %) spielen sie eine bedeutende Rolle. Kleinteilige und gut diversifizierte Kredite an den Mittelstand sind ihre Stärke. Die Betriebe erhalten bei den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ein breites Leistungsspektrum - von der Absicherung von Wechselkursrisiken bis zum Zahlungsverkehr. Im Zentrum steht die Kreditfinanzierung auf Einlagenbasis.

Denn für den Mittelstand ist der Bankkredit nach wie vor die wichtigste externe Finanzierungsquelle. Das belegt auch eine aktuelle Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Unternehmensfinanzierung ("Survey on Access to Finance of Enterprises"). Mehr als 60 % der befragten Mittelständler nutzen klassische Bankdarlehen als Finanzierungsquelle oder beabsichtigen, dies künftig zu tun. Dagegen rangieren alternative Finanzierungsinstrumente auf den hinteren Plätzen. Gerade einmal 3,5 % der kleinen und mittleren Firmen (KMU) setzen etwa auf Schuldverschreibungen.

Die Vorherrschaft des Bankkredits bei der Mittelstandsfinanzierung beruht auf seinen zahlreichen Vorteilen gegenüber anderen Finanzierungsmodellen. Als erster Vorzug des Bankdarlehens sind geringere Transparenzanforderungen zu nennen. Allein die Hausbank, zu der langjährige und vertrauensvolle Beziehungen bestehen, erhält Einblick in die Geschäftszahlen. Das ist besonders für solche Unternehmen interessant, die mit innovativen Produkten in wachsenden Märkten aktiv sind. Sie werden nicht gezwungen, wettbewerbsrelevante Informationen der Öffentlichkeit preiszugeben.

Zweitens sind Bankdarlehen zeitlich höchst flexibel einsetzbar. Gerade in kleinen Instituten sind die Entscheidungswege kurz, sodass die Hausbank einen Kredit bei Bedarf binnen weniger Tage gewähren kann. Dagegen dauert die Vorbereitung einer Anleiheemission mehrere Monate - von der Prospekterstellung und dessen Genehmigung, der Ausarbeitung eines Ratings bis zur anschließenden Roadshow. Und trotz der langwierigen Vorbereitung bleibt dem Unternehmen das Risiko, dass das angestrebte Emissionsvolumen nicht erreicht wird.

Vergleichsweise günstig

Vor allem aber sind drittens Bankkredite in der von Mittelständlern nachgefragten Größenordnung vergleichsweise günstig. Denn Anleiheemissionen sind mit hohen Kosten verbunden. Diese fallen an für die Erstellung von Prospekt und Rating, für die Werbung von Investoren sowie nach einer Emission für die laufende Kapitalmarktkommunikation. Am Frankfurter Börsenplatz werden deshalb im Entry Standard Mindestvolumina von 25 Mill. Euro empfohlen. Das liegt auch daran, dass institutionelle Anleger nicht an einer granularen Stückelung ihrer Anlagen interessiert sind. Der Jahresumsatz des Emittenten sollte zudem 100 Mill. Euro überschreiten - dass nach den gängigen Definitionen lediglich Firmen mit einem Umsatz von maximal 50 Mill. Euro pro Jahr den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugerechnet werden, sei nur als Randnotiz erwähnt.

Dagegen liegt der typische Finanzierungsbedarf kleiner und mittlerer Unternehmen deutlich darunter. So haben Firmenkunden bei den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken durchschnittlich Kredite im Umfang von rund 130 000 Euro aufgenommen. Und nicht nur in Bayern sind die einzelnen Finanzierungsvolumina überschaubar, wie die bereits erwähnte EZB-Studie zeigt: Bei zwei Dritteln der Mittelständler im Euroraum belief sich die letzte Kreditaufnahme auf weniger als 250 000 Euro.

Was bezweckt Brüssel?

Dessen ungeachtet will die EU-Kommission die Finanzierung mittelständischer Unternehmen in ganz Europa auf kapitalmarktbasierte Instrumente ausrichten. Vor wenigen Wochen stellte der zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill erste Vorschläge zur Schaffung einer EU-Kapitalmarktunion zur Diskussion. Was bezweckt Brüssel damit? Die Europäische Kommission hat vor allem die Krisenländer im Blick. Dort ist der Zugang zu Bankkrediten für KMU erschwert. Ihnen soll die Kapitalmarktunion einen alternativen Zugang zu Finanzmitteln ebnen, um so das Wachstum wieder in Schwung zu bringen.

Woran es häufig fehlt

Allerdings ist die schlechte Wirtschaftsentwicklung in vielen Regionen Europas nicht auf unterentwickelte Kapitalmärkte zurückzuführen. Vielmehr fehlt es häufig an regional ausgerichteten Mittelstandsbanken. Zudem sind es nicht allein angebotsseitige Restriktionen, welche die Kreditvergabe ausbremsen. Denn die schwachen Konjunkturaussichten belasten die Kreditnachfrage der Unternehmen. Hinzu kommen verkrustete Wirtschaftsstrukturen, die Investoren abschrecken. Daran kann auch eine Kapitalmarktunion nichts ändern - sie ist kein Ersatz für Strukturreformen oder eine funktionierende Bankfinanzierung.

Starke Hausbanken nötig

Davon abgesehen ist mehr Vielfalt im europäischen Finanzsystem grundsätzlich willkommen. Die Finanzierung über Aktien- oder Anleiheemissionen kann für größere Unternehmen eine sinnvolle Ergänzung ihres Finanzierungsmix sein. Daneben könnte die Schaffung liquider Verbriefungsmärkte es Banken ermöglichen, ihr Eigenkapital zu entlasten und mehr Kredite zu vergeben. Dann würden auch mittelständische Betriebe von der Kapitalmarktunion profitieren. Doch dafür braucht der Kapitalmarkt starke Hausbanken.

Eine funktionsfähige Kapitalmarktunion muss deshalb innerhalb der folgenden Leitplanken errichtet werden: Erstens darf es eine planwirtschaftliche Vorgabe, wie sich das Verhältnis der Kapitalmarkt- zur Bankfinanzierung entwickeln soll, nicht geben. Die Entscheidung darüber, wie mittelständische Betriebe ihre Investitionen finanzieren, kann nicht die Politik treffen. Vielmehr muss es den Unternehmen überlassen bleiben, am Markt das jeweils passende Finanzierungskonzept auszuwählen - nur ein solcher Ansatz ist konform mit marktwirtschaftlichen Prinzipien.

Bedarfs- und risikogerecht

Zweitens darf die Finanzintermediation der Banken nicht weiter erschwert werden. Vor allem die Regionalbanken wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken pflegen langjährige Beziehungen zu ihren Unternehmenskunden. So gewinnen sie persönliche und oft vertrauliche Informationen, die weder standardisierbar sind noch öffentlich geteilt werden können. Zudem verfügen sie über genaue Kenntnisse der regionalen Märkte und Wertschöpfungsketten. Das versetzt Regionalbanken in die Lage, mittelständischen Unternehmen eine bedarfs- und risikogerechte Finanzierung anzubieten. Und so wird sichergestellt, dass die ausgezeichnete Versorgung mit Finanzmitteln auch künftig eine Stärke des Wirtschaftsstandortes Bayern bleibt.

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Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern

Börsen-Zeitung, 18.04.2015, Autor Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, Nummer 74, Seite B 2, 1050 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015074802&titel=Bankkredit---nach-wie-vor-wichtig-fuer-Mittelstaendler
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