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Redaktion

Geschäftsberichte um redundante und regulatorisch nicht geforderte Informationen verkürzen - Darstellung und Visualisierung überdenken
rem

Länger, bunter und auf allen Kanälen verfügbar. Die externe Berichterstattung hat sich längst von einer formalrechtlichen Pflichtberichterstattung hin zu einem PR-Instrument entwickelt. Geschäftsberichte stellen dabei die zentrale Informationsquelle für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage börsennotierter Unternehmen dar. Die Adressaten erwarten zu Recht, dass in allen Berichtsteilen der Grundanforderung des "true and fair view" entsprochen wird. Eine klar verständliche und prägnante Kommunikation ist daher wichtiger denn je.

Aktuelle Entwicklungen wie Big Data und Industrie 4.0 führen aber dazu, dass Geschäftsmodelle immer komplexer werden. Gleichzeitig fordern Investoren und Kapitalgeber langfristige und zukunftsorientierte Informationen, die über die in der klassischen Finanzberichterstattung enthaltenen Angaben hinausgehen. Nicht zuletzt ist die Unternehmensberichterstattung von einer Vielzahl unterschiedlicher regulatorischer Anforderungen geprägt, wodurch deren Detailtiefe und Umfang zusätzlich steigen.

Ruf nach Vereinfachung

Erste Schritte in Richtung einer Abstimmung der einzelnen Interessen und Regularien wurden mit dem Corporate Reporting Dialogue (CRD) unternommen, der eine Reaktion auf die Forderung nach einer Vereinfachung und Vereinheitlichung der Berichterstattungserfordernisse darstellt. Das im Juni 2014 vom International Integrated Reporting Council (IIRC) initiierte Forum bringt internationale Organisationen und Standardsetzer, die Einfluss auf die Reporting-Landschaft haben, zusammen. Erklärtes Ziel des CRD ist es, regulatorische Anforderungen an die Berichterstattung durch einen intensiveren Austausch besser zu koordinieren.

Für die Finanzberichterstattung hat das IASB als internationaler Standardsetzer bereits gehandelt und verschiedene Aktivitäten zur Verbesserung der Relevanz von Angabepflichten unter dem Namen "Disclosure Initiative" zusammengefasst. Mit den im Dezember 2014 veröffentlichten Klarstellungen zur Wesentlichkeit von Anhangangaben wurde nunmehr ein wichtiger Teilschritt abgeschlossen. Unternehmen sollen künftig den Blick stärker auf entscheidungsrelevante Informationen lenken und spezifischer im Hinblick auf die Unternehmenssituation berichten. Dadurch soll die Transparenz in den Berichten erhöht werden, ohne die Adressaten mit unwesentlichen Informationen zu überfluten.

Dies haben aktuell insbesondere Unternehmen im angloamerikanischen Raum erkannt und begonnen, ihre Geschäftsberichte einschließlich der Konzernanhänge "aufzuräumen" und zu verkürzen. Die Bereinigung um redundante sowie regulatorisch nicht geforderte Informationen wird international unter dem Begriff "cutting clutter" (zu Deutsch: "Weg mit dem Wirrwarr") diskutiert. Demgegenüber nehmen bei der Mehrheit der Dax-30-Unternehmen die Berichtsumfänge weiter zu.

Umdenken ist gefordert

Nicht nur in Sachen Vereinfachung und Verkürzung bewegt sich auf dem internationalen Parkett einiges. Die Forderung nach einem inhaltlich ganzheitlichen, auf mehr als nur auf die kurzfristigen Finanzen ausgerichteten Reporting wird zunehmend stärker. So erwartet auch der Kapitalmarkt, dass Unternehmen in ihrer Berichterstattung auf die langfristigen Folgen ihres Handelns, z. B. bei der Nutzung endlicher Ressourcen oder globaler Zulieferketten, eingehen. Während in der Vergangenheit allein das Hervorbringen exzellenter Produkte zu Wettbewerbsvorteilen führte, basiert der Unternehmenserfolg inzwischen in hohem Maße auf dem Management (nachhaltiger) Geschäftsmodelle. Silo-Denken ist nicht mehr zeitgemäß - integriertes Denken und Handeln gefordert. Dies bedeutet bei wesentlichen Entscheidungen und auch in der Berichterstattung, stets die Wirkungszusammenhänge innerhalb des Geschäftsmodells sowie mögliche Auswirkungen auf das gesamte Unternehmensumfeld zu berücksichtigen.

Insbesondere das Konzept der integrierten Berichterstattung (Integrated Reporting) greift diesen Gedanken auf. Bereits Ende 2013 hatte das IIRC hierzu ein internationales Rahmenkonzept herausgegeben, welches die Prinzipien und Inhalte einer ganzheitlichen und dennoch primär kapitalmarktorientierten Unternehmensberichterstattung neu definiert hat. Im Zentrum eines nach dem Rahmenkonzept des IIRC aufgestellten Berichts steht die unternehmensindividuelle kurz-, mittel- und langfristige Wertschöpfungsgeschichte. Im Unterschied zur klassischen Unternehmensberichterstattung, in der die einzelnen Berichtsthemen weitgehend isoliert behandelt werden, wird bei einem Integrated Report nach dem IIRC-Rahmenkonzept inhaltlich zusammenhängend berichtet.

Impulse für eine stärkere Fokussierung in Deutschland auf dieses Thema könnten sich durch die kürzlich verabschiedete EU-Richtlinie zur Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen ergeben (sogenannte CSR-(Corporate Social Responsibility)-Richtlinie). Ziel der CSR-Richtlinie ist es, dass große Unternehmen, die im öffentlichen Interesse stehen, sich mehr um die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte in der Unternehmensführung bemühen und dies transparent darstellen. Betroffene Unternehmen werden aller Voraussicht nach bereits für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2017 eine nichtfinanzielle Erklärung als Teil des Lageberichts oder in Form eines nach anerkannten Normen erstellten separaten (Nachhaltigkeits-)Berichts abgeben und über ihr Engagement in den Bereichen Umwelt, Soziales, Arbeitnehmer, Menschenrechte sowie Korruptionsbekämpfung Rechenschaft ablegen müssen. Dabei sind Angaben zum Geschäftsmodell und der Strategie, einschließlich der wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, der erzielten Ergebnisse, sowie zu wesentlichen in Verbindung mit diesen Themen stehenden Risiken und ihrer Steuerung zu machen.

Die eingangs dargestellte Grundforderung des "true and fair view" beschränkt sich nicht nur auf die dominierende Frage bilanzieller Wertansätze oder quantitativer Angaben. Neben dem Inhalt sollten auch die Darstellung und Visualisierung von Informationen diesen Prinzipien folgen. Eine effiziente und effektive Berichterstattung wird daher flankiert von einem gut durchdachten Information Design. Im Hinblick auf eine wahrnehmungsoptimierte Gestaltung haben viele deutsche Unternehmen noch ein gutes Stück Weg vor sich. So sind Art und Umfang von Visualisierungen in den Geschäftsberichten derzeit häufig nicht auf die Bedürfnisse von Investoren und Kapitalgebern optimiert. Zu diesem Ergebnis kommt die kürzlich erschienene Studie Information Design in den Geschäftsberichten der Dax-30-Unternehmen, die in Kooperation zwischen KPMG Deutschland und der FH Oberösterreich in Steyr entstanden ist.

Wie die Untersuchung zeigt, ist die Praxis der Dax-30-Unternehmen sehr heterogen. Einzelne Angaben, wie z. B. das Ergebnis, werden auf unterschiedlichste Weise dargestellt, sowohl innerhalb eines Berichts als auch im Vergleich der Berichte untereinander. Insgesamt werden immer noch relativ wenige Visualisierungen wie z. B. Diagramme und Abbildungen genutzt. So werden im Bereich der freiwilligen Zusatzinformationen der Geschäftsberichte, die nicht den veröffentlichungspflichtigen Konzernabschluss betreffen, im Durchschnitt lediglich 2,5 Seiten für Diagramme verwendet. Gleichzeitig ist der Informationsgehalt vieler Visualisierungen gering. Etwa 80 % der dargestellten Diagramme beinhalten weniger als zehn Datenpunkte. Dabei werden teilweise ungeeignete Formen der Visualisierung eingesetzt. Etwas zugespitzt ausgedrückt: Etwa jedes zehnte Diagramm verzerrt den dargestellten Sachverhalt, z. B. durch die Verwendung abgeschnittener Achsen.

Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur Etablierung von wissenschaftlich fundierten Gestaltungsstandards. So wurden typische Gestaltungselemente in Geschäftsberichten im Hinblick auf ihre Wahrnehmungsoptimierung empirisch überprüft. Zum Einsatz kam dabei die Eye-Tracking-Technologie, anhand derer Blicke und Blickverläufe von Lesern registriert und aufgezeichnet werden. Mit Hilfe dieser Methode lassen sich anhand von Vergleichen unterschiedlich aufbereiteter Darstellungen nicht nur offensichtliche Informationsverzerrungen aufdecken, sondern insbesondere auch Effektivitäts- und Effizienzvorteile bzw. -probleme von Visualisierungen sichtbar machen. Die Eye-Tracking-Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Gestaltung - entgegen der häufig angewandten Praxis - unter anderem dadurch verbessern lässt, dass man sich an der natürlichen Struktur der präsentierten Daten wie z. B. bei einer Zeitreihe von links nach rechts orientiert.

Dem Leser gerecht werden

Um den Anforderungen der Adressaten gerecht zu werden, müssen Unternehmen den Spagat zwischen einer verständlichen und prägnanten Berichterstattung einerseits und der Vermittlung eines Gesamtbildes der Wertschöpfung andererseits meistern. Hierfür bringen die aktuellen Entwicklungen Herausforderungen, aber, wie mit dem Konzept des Integrated Reporting, auch Chancen mit sich. Mehr Spielraum im Hinblick auf die Überarbeitung der Berichtskonzepte könnte sich dabei auch durch den geplanten Wegfall der Pflicht zur Veröffentlichung von Zwischenmitteilungen im Zuge der Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie ergeben. Unternehmen könnten sich wieder mehr auf eine effiziente und effektive jährliche Berichterstattung fokussieren oder eine freiwillige Zwischenberichterstattung für eine kurze und prägnante Informationsvermittlung nutzen.

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Robert Link, Solution Head Better Business Reporting und Prokurist bei KPMG

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Bettina Krause, Assistant Manager im Accounting Centre of Excellence bei KPMG

Börsen-Zeitung, 30.05.2015, Autor Robert Link, Solution Head Better Business Reporting und Prokurist bei KPMG und Bettina Krause, Assistant Manager im Accounting Centre of Excellence bei KPMG, Nummer 101, Seite B 3, 1136 Wörter

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