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Redaktion

KOMMENTAR - G7-KLIMABESCHLUSS
Elmau hat geliefert", bejubelt Greenpeace das G7-Votum, bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf Kohle, Gas und Öl als Grundlage für Wirtschaft und Stromerzeugung zu verzichten. "Die G7 hat das Ende des fossilen Zeitalters auf die Agenda gesetzt", assistieren die Umweltaktivisten von Germanwatch. Alles gut also bei der Rettung der Welt vor Überhitzung, wenn schon die schärfsten Kritiker der bisherigen lahmen Klimapolitik die Gipfelbeschlüsse über den grünen Klee loben?

Schön wär's. Zwar klingt die Absicht der reichen G7-Länder, bei der Stromerzeugung schon 2050 weitestgehend auf die klimaschädlichen, da CO2-reichen fossilen Energieträger zu verzichten, durchaus ambitioniert. Doch ist der damit verbundene Ausstieg aus der Kohle nur wenige Jahrzehnte nach dem Atom-Aus hierzulande schon längst Beschlusslage - und damit in Arbeit. Während die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Fukushima eine CO2-Reduzierung von mindestens 80 % - verglichen mit dem Basisjahr 1990 - als Ziel vorgab, hatte der Stromverband BDEW schon zwei Jahre zuvor beschlossen, bis zur Mitte des Jahrhunderts eine CO2-neutrale Elektrizitätserzeugung sicherzustellen. Technisch sollte ein Industrieland wie Deutschland das Doppel-Aus stemmen können, zeigt sich die Branche überzeugt - auch wenn ein immenser Umbau ansteht. Basiert doch die hiesige Stromerzeugung bisher zu 16 % auf Atomkraft und zu 43 % auf Braun- und Steinkohle.

In der Praxis haben die Versorger für diesen radikalen Umbau Jahrzehnte Zeit, was die Wirtschaftlichkeit sichern sollte. Vorbild dürfte die Kernkraft sein. Sowohl Eon als auch RWE verzichten schon seit Jahren auf den Bau neuer Atommeiler, weil sich der damit verbundene Kapitaleinsatz absehbar niemals rentieren wird. Dies gilt künftig genauso für neue Kohlekraftwerke. Der Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung erfolgt also schleichend mit dem kontinuierlichen Aus einzelner Kohleblöcke. Umgekehrt gewinnen die Erneuerbaren, die heute schon die wichtigste Quelle der Stromproduktion sind, weiter an Gewicht. Zumindest in Deutschland.

Ob dies auch global gilt, darf bezweifelt werden. Der weltgrößte Klimasünder China will erst 2030 seinen CO2-Ausstoß kappen. Die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer agieren ähnlich. Wie das G7-Beispiel international Schule machen soll, ist offen - genauso wie die Frage, ob der Klimagipfel Ende des Jahres verbindliche CO2-Minderungsziele beschließen kann. Ob auch Paris "liefert", bleibt nach Elmau mehr als zweifelhaft.


Börsen-Zeitung, 10.06.2015, Autor Ulli Gericke, Nummer 107, Seite 1, 345 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015107002&titel=Kein-Fortschritt
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