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Redaktion

Raiffeisens Botschaften sind aktueller denn je - Mit Nachdruck Weichen für eine noch stärkere Verankerung in Wirtschaft und Gesellschaft stellen

Die genossenschaftliche Idee hat einen weiteren Achtungserfolg erzielt: Als erster und bisher einziger deutscher Vorschlag wurde sie für die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit bei der Unesco nominiert. In Deutschland ist die Genossenschaftsidee bereits in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Träger von insgesamt 27 in diesem Verzeichnis aufgenommenen Traditionen und Wissensformen wurden im Rahmen einer festlichen Veranstaltung am 16. März in Berlin ausgezeichnet. Unter diesen Trägern befanden sich auch die Deutsche FriedrichWilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft und die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft, die gemeinsam den Antrag für die Genossenschaftsidee eingebracht hatten.

Hohe Wertschätzung

Bereits die Auszeichnung hierzulande reflektiert die hohe Wertschätzung durch Bund und Länder. Diese würdigen damit die große Bedeutung des genossenschaftlichen Prinzips der Hilfe zur Selbsthilfe für viele Bereiche in der Daseinsvorsorge, bei der Energiewende oder auch im kulturellen und sozialen Bereich. Schließlich leisten Genossenschaften damit einen maßgeblichen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und damit für das Gemeinwohl in unserem Land, auch für die nächsten Generationen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Genossenschaften ermöglichen breiten Bevölkerungsschichten wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe, die in anderer Weise so nicht eröffnet werden könnte.

Der Erfolg der Genossenschaftsidee beruht auch in der Gegenwart zweifellos auf der konsequenten Weiterentwicklung eines seit über 150 Jahren bewährten Grundgedankens. Aufbauend auf ethischen Werten wie Solidarität, Ehrlichkeit und Verantwortung konstruierten die "Väter" der Genossenschaftsidee, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, den grundlegenden rechtlichen Rahmen für die Genossenschaftsidee. Auch unter widrigen Bedingungen hat die Idee ihre Kraft behalten und sich durchgesetzt. Dabei erweist sie sich bis heute als ausgesprochen dynamisch und flexibel, indem sie auf kreative Weise immer wieder aktuelle Entwicklungen aufnimmt. Zudem haben Genossenschaften eine hohe gesellschaftliche Bindung.

Die Genossenschaftsidee wird von immer mehr Menschen beachtet, gewürdigt und als Unterscheidungsmerkmal gesehen. Ihre mittlerweile erreichte weltweite Bedeutung und Resonanz bestätigt das: Es gibt kaum ein Land auf dieser Welt ohne Genossenschaften. In über 100 Ländern sind heute mehr als 800 Millionen Menschen in rund 900 000 Genossenschaften organisiert. In Ländern wie Brasilien, Japan und auch in den USA haben sie eine herausragende volkswirtschaftliche Bedeutung. Dies gilt natürlich auch für Deutschland, wo genossenschaftliche Grundlagen neben vielen anderen Bereichen der Wirtschaft insbesondere auch in der Finanzdienstleistungsbranche anzutreffen sind. Hier bildet die genossenschaftliche Finanzgruppe eine von drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft - im Übrigen eine außerordentlich stabile Säule.

Alles fing ganz klein an

Dabei fing alles ganz klein an: In einer - nach heutigen Maßstäben - sehr überschaubaren Region im Westerwald. Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist es zu verdanken, dass diese Region zu einer Keimzelle für die Entwicklung des genossenschaftlichen Grundprinzips der Hilfe zur Selbsthilfe wurde. Die zentralen Botschaften von Raiffeisen sind heute aktueller denn je, auch und gerade mit Blick auf vielfältige Herausforderungen der Gegenwart. Ihr unverändert überzeugender Inhalt rückt zunehmend in den Fokus der deutschen und auch der internationalen Öffentlichkeit. Raiffeisen, der erfüllt war von der ständigen Bereitschaft, seine in Not geratenen Mitmenschen über die Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen, hat seine Ideen konsequent und beharrlich in die Tat umgesetzt. Bei all seinem Handeln hat er nie danach gefragt: Was habe ich davon? - sondern stets: Was kann ich tun?

Nicht nachlassen

Diese von Überzeugung und Konsequenz geprägte Haltung ist auch Maßstab beim Einsatz all derer, denen die Genossenschaftsidee am Herzen liegt. Die nach wie vor wachsende Anerkennung und Akzeptanz darf allerdings nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. Vielmehr gilt es, die Ideen von Raiffeisen, die in ihren Grundlagen von zeitlosem Charakter sind, immer wieder aufs Neue ins öffentliche Bewusstsein zu tragen und ihre Bedeutung - in bester Manier des Gründervaters - mit großer Beharrlichkeit hervorzuheben.

Dies gilt in allen Zeiten. Ganz besonders aber wohl in jenen, in denen maßlose Profitorientierung und grenzenlose Gier, so wie sie beispielsweise in Teilen der Finanzwirtschaft beobachtet werden mussten, den Menschen Eindrücke vermitteln, bei denen sie sich zu Recht abwenden. Die noch nicht allzu weit zurückliegenden Erfahrungen und Beobachtungen haben indes gezeigt, dass es Genossenschaften mit ihrem Förderzweck und ihrem solidarischen Gedanken in einem derartigen Umfeld gelegentlich schwer haben, sich und ihren Überzeugungen Gehör zu verschaffen. Darum sind vielleicht gerade heute mit Nachdruck die Weichen für eine noch stärkere Verankerung genossenschaftlicher Prinzipien in Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen. Die Gründung der Raiffeisen-Gesellschaft im Jahre 2012 und die Bündelung der verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten genossenschaftlicher Kulturpflege in der "Raiffeisen-Region" waren ein wichtiger Schritt, um das Lebenswerk von Raiffeisen nachdrücklich in Erinnerung zu rufen und zugleich mit Sorgfalt zu pflegen.

Es war die Überzeugung der Gründungsmitglieder, dass es die großartige Genossenschaftsidee verdient, weiter gefördert und immer wieder neu entdeckt zu werden. Laut Satzung widmet sich die Raiffeisen-Gesellschaft, die mittlerweile von rund 250 Mitgliedern getragen wird, der "Pflege und Würdigung des Lebenswerkes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seines in Schriften und Reden überkommenen geistigen Erbes", der "Förderung des darauf beruhenden Genossenschaftsgedankens in Deutschland" sowie der Auseinandersetzung mit dem Genossenschaftswesen.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten gibt es auf vielen Feldern. Beispielsweise in der Existenzgründungsberatung: Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern können bei ihren diesbezüglichen Aktivitäten darauf hinwirken, die eingetragene Genossenschaft als Rechtskleid zu wählen, um auf diese Weise den Rahmen für eine spezifische Unternehmenskultur zu schaffen.

Entdecke, was in dir steckt

Wichtige Stellschrauben für die Förderung des Genossenschaftsgedankens gibt es zudem in Bildung und Wissenschaft. Vor allem gilt es, die zentralen Botschaften von Raiffeisen der Jugend näherzubringen. "Entdecke, was in dir steckt" ist im übertragenen Sinn jene Einladung von Raiffeisen, die Tür zu einem selbstbestimmten Leben zu öffnen. In diesem Sinne hat sich beispielsweise die WGZ Bank Stiftung der Förderung der wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bildung junger Menschen verschrieben.

Für genossenschaftliche Werte wie Selbsthilfe und Selbstverantwortung steht auch die Raiffeisen-Campus eG, die im Sommer 2011 mit Unterstützung der deutschen Genossenschaftsbanken ein Ganztagsgymnasium in der Raiffeisenregion Westerwald ins Leben gerufen hat. Auch in der akademischen Lehre sollten Genossenschaften künftig noch mehr als bislang den ihnen zustehenden Raum einnehmen. Nicht zu vergessen: Die Genossenschaftler selbst müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie müssen die Bereitschaft zeigen, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und ihre Werte in der täglichen Praxis zu leben.

Entscheidung fällt 2016

2016 entscheidet die Unesco über die Aufnahme der Genossenschaftsidee in die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes. Von der Nominierung profitieren die Genossenschaften allein bereits dadurch, dass sie in diesem zweijährigen Prozess eine beträchtliche weltweite Aufmerksamkeit erfahren. Ähnliches zeigte sich bereits im Jahr 2012, das von den Vereinten Nationen zum Jahr der Genossenschaften ausgerufen worden war. Auch damit verband sich eine verdiente Würdigung der genossenschaftlichen Idee und eine globale Beachtung ihres Wirkens. Die Nominierung für das immaterielle Kulturerbe der Unesco macht nun erneut deutlich: Die Genossenschaftsidee lebt! Und die ihr innewohnende Werteorientierung kann in vielerlei Hinsicht jene Begrenzung sein, in der Maß und Mitte nicht verloren gehen.

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Werner Böhnke, Aufsichtsratsvorsitzender der WGZ Bank AG sowie Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Gesellschaft

Börsen-Zeitung, 10.06.2015, Autor Werner Böhnke, Aufsichtsratsvorsitzender der WGZ Bank AG sowie Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Gesellschaft, Nummer 107, Seite B 5, 1099 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015107808&titel=Genossenschaftsidee-auf-dem-Weg-zum-Unesco-Kulturerbe
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