Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 12.462,00+2,07% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.789,50+2,07% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.551,00+1,38% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 26.868,00+1,02% Gold: 1.488,63-0,36% EUR/USD: 1,1032-0,03%
Redaktion

KOMMENTAR - BAHN-SCHLICHTUNG
Natürlich geht es bei Tarifstreitigkeiten zwischen Unternehmen und Gewerkschaft in erster Linie um Lohnsteigerungen, Arbeitszeiten, Altersregelungen und vieles andere mehr. Es geht aber auch - mal mehr, mal weniger - um ein professionelles, sprich sachliches und vertrauensvolles Mit- und Gegeneinander der Verhandlungsführer sowohl der Gewerkschaften untereinander als auch im Verhältnis zur Arbeitgeberseite. Und hier lag im Konflikt zwischen Deutscher Bahn und Lokführergewerkschaft GDL, aber auch zwischen kleiner GDL und großer Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) so einiges im Argen. Die Spannung zwischen Bahn-Personalchef Ulrich Weber und GDL-Chef Claus Weselsky sei extrem gewesen, sagte Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck als einer der Schlichter: "Wenn sie zwischen die beiden Verhandlungspartner eine Glühlampe gehalten hätten, dann hätte sie geleuchtet."

Dass die Verhandlungen nach einem Abbruch und zwei Verlängerungen dann doch noch zu einem Ergebnis geführt haben, liegt wohl am wachsenden Unverständnis beim durchschnittlichen Bahnkunden, wegen innergewerkschaftlichen Streits um einzelne Berufsgruppen auf seinen Zug verzichten zu müssen. Zugleich hat die Bahnführung nach der schnellen und für die Eisenbahner erstaunlich erfolgreichen Lohnrunde mit der EVG deutlich gemacht, dass sie eventuell höhere Abschlüsse mit der GDL auch den EVG-Mitgliedern zugestehen will - womit Weselsky in der Falle saß. Ein erneuter Streik wäre auf Kosten "seiner" Lokführer gegangen, die mit einem geringen Streikgeld hätten klarkommen müssen, während die EVG-Kollegen umsonst von einem höheren Abschluss profitiert hätten. Und dass es den nicht gibt, hat die Bahn in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, als sie die Kunde einer merklichen Gewinnverfehlung für 2015 durchsickern ließ.

Der Rest war Bauchpinseln, damit Weselsky sein Gesicht wahren kann. Zusätzliche Lokführer waren eingeplant, weil die Zahl der Überstunden sonst explodiert wäre. Die eine Stunde weniger Arbeit ab 2018 wird in der nächsten Tarifrunde verrechnet. Zugleich garantiert die Bahn, die GDL bis zum Jahr 2020 als Tarifpartner anzuerkennen - obwohl das jüngst von Bundestag und -rat verabschiedete Tarifeinheitsgesetz genau dies in Frage stellt. Dafür musste die GDL akzeptieren, dass die Bahn künftig allein ein verbindliches Schlichtungsverfahren beantragen und damit mögliche Streiks verhindern kann. So hat allein die Drohung mit dem Tarifgesetz Weselsky den Zahn gezogen.


Börsen-Zeitung, 02.07.2015, Autor Ulli Gericke, Nummer 123, Seite 1, 337 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015123004&titel=Zahn-gezogen
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook

Unternehmensbereich:
Übersicht Kurse / Charts Redaktionelle BerichteResearch
Ad-hocFinanzanzeigenAktionärsstrukturDirectors’ Dealings
Termine Wertpapiersuche Audio / Video


Serien zu Unternehmen & Branchen
Themendossiers zu Unternehmen & Branchen


Termine des Tages
Montag, 14.10.2019

Ergebnisse
Ahlers: 3. Quartal
Charles Schwab: 3. Quartal
Fraport: Verkehrszahlen
Omnicom: 3. Quartal
United Airlines: 3. Quartal

Presse- und Analystenkonferenzen
EY Bankenbarometer 2019, Frankfurt




























22

0.527912 s