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Redaktion

KOMMENTAR - GRIECHENLAND
Wenn es ganz schlecht läuft, dann müssen die Filialleiter der Banken in Athen, Piräus und Thessaloniki am Montag die Hinweisschilder nur geringfügig korrigieren. Statt "Wegen Referendum vorübergehend geschlossen" muss es dann womöglich heißen "Wegen Referendum endgültig geschlossen".

Weil davor - wie Umfragen zeigen - viele Griechen Angst haben, sind zuletzt die Aussichten für ein Ja beim Referendum gestiegen. Das hieße, dass die Regierung in einer Schicksalsfrage keine Unterstützung mehr hätte. Insofern läge ein Rücktritt nahe - so wie ihn für diesen Fall Premier Alexis Tsipras in Erwägung zieht und Finanzminister Giannis Varoufakis bereits angekündigt oder - wenn man das nicht als feinsinnige Ironie empfindet - "angedroht" hat.

Ein Ja würde zwar die Chance auf neue Hilfsmilliarden befördern. Der Weg dorthin wäre aber verdammt kompliziert. Zunächst müsste geklärt werden, mit wem die Institutionen verhandeln. Neuwahlen würden viel Zeit beanspruchen, eine provisorische Statthalter-Regierung wiederum wäre nur schwer in Haftung zu nehmen, wenn Zusagen später nicht eingelöst würden. Jede Form der Zwischenfinanzierung und der Liquiditätssicherung wiederum brächte die Gefahr mit sich, die Regeln noch mehr zu biegen, als man es schon tut. Vor allem die Europäische Zentralbank würde sich endgültig dem Vorwurf des Regelbruchs aussetzen.

Ist Szenario "Ja" bereits kompliziert, so ist Szenario "Nein" noch vertrackter. Denn eigentlich müssen - den Regeln zufolge - die Euro-Partner einen Antrag für weitere Hilfen aus Athen trotzdem ernsthaft prüfen. Eine Verständigung dürfte in diesem Fall aber noch schwerer fallen als zuletzt - und das will nach ergebnislosen, monatelangen Verhandlungen etwas heißen. Der bloße Verweis, man sei bei den meisten Kennziffern ja gar nicht mehr weit auseinander gewesen, taugt nicht. Denn letztlich geht es ja nicht nur um Zahlen, sondern um das Vertrauen, dass Athen sich die Zusagen auch wirklich zu eigen macht und umsetzt. Und dieses Vertrauen ist längst verloren.

Bliebe noch eine dritte Option - das Szenario "Jein". Es würde endgültig in die Sackgasse führen - und wäre wohl der größte anzunehmende Unfall. Sollte das Referendum 51 : 49 ausgehen, ist mit zähen Debatten über die Deutung des Ergebnisses zu rechnen. In Zeiten eingeschränkten Kapitalverkehrs und verspätet ausgezahlter Renten wäre dies Sprengstoff. Denn der Übergang von einer solchermaßen verhakten Situation in chaotische Verhältnisse ist fließend.


Börsen-Zeitung, 03.07.2015, Autor Detlef Fechtner, Nummer 124, Seite 1, 357 Wörter

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