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Redaktion

KOMMENTAR - EZB
EZB-Präsident Mario Draghi hat gestern - just an seinem 68. Geburtstag - die Tür für eine Ausweitung des historischen Anleihekaufprogramms (Quantitative Easing, QE) weit aufgestoßen. Ob die Euro-Hüter - um im Bild zu bleiben - auch hindurchgehen werden, ist zwar nicht sicher und scheint von der Entwicklung in China und an den Weltfinanzmärkten abzuhängen. Fakt aber ist: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich nun wieder selbst unnötig enorm unter Druck gesetzt - und läuft auch erneut Gefahr, fatale Signale zu senden.

Natürlich kann es die EZB nicht völlig kaltlassen, wenn China und andere Schwellenländer schwächeln und neuerliche Ölpreiskapriolen die ohnehin weit unter EZB-Ziel liegende Inflation drücken. Bislang aber ist die Hoffnung berechtigt, dass die Euro-Wirtschaft auch ohne weitere EZB-Stimuli durch die Krise in den Schwellenländern kommt, ohne zu großen Schaden zu nehmen - weil es binnenwirtschaftlich besser läuft. Und die Inflation dürfte mittelfristig anziehen - wenn auch langsamer als gedacht. Die EZB wäre also gut beraten, die Nerven zu behalten und nicht überzureagieren.

Draghi & Co. mögen nun darauf hoffen, dass die verbale Intervention im Stile eines "whatever it takes 2.0" ausreicht, die aufgeregten Märkte weiter zu beruhigen: "talk the talk" statt "walk the walk". Sicher ist das aber keineswegs, und so droht die EZB erneut zum Gefangenen der Märkte und der von ihr selbst geweckten Erwartungen zu werden.

Das bringt einen zu den Signalen: Längst ist auch vom "Draghi-Put" die Rede - dass er also immer rettend eingreift, wenn es an den Märkten schiefläuft. Dieses Bild verfestigt sich nun. Die EZB darf sich aber nicht zu einer Art Vollkaskoversicherung für Investoren degradieren (lassen). Zumal das auch andere Begehrlichkeiten wecken könnte: Viele Banken hätten sicher nichts dagegen, wenn die EZB ihnen als potente Bad Bank die faulen Kredite abnähme, und viele Politiker sähen es gerne, wenn die EZB endgültig zum "Kreditgeber der letzten Instanz" für klamme Staaten würde. Die Wünsch-Dir-was-Liste an die EZB ist schier endlos.

Eine andere Gefahr ist, dass die EZB mit Aktionismus ein Gefühl beschwört, dass die Lage schlimmer sei, als sie es ist. Das kann zu Attentismus beim Konsum und den Investitionen führen. Ganz zu schweigen, dass die EZB andere Notenbanken ermuntert, im "Wettrüsten" um eine immer lockerere Geldpolitik ebenfalls nachzulegen. Das alles kann und darf nicht im Interesse der EZB sein. Dass Bundesbankchef Jens Weidmann bei der nächsten Sitzung im Oktober wegen der neuen Rotation nicht stimmberechtigt ist, ist da nur eine - wenn auch interessante - Randnotiz.


Börsen-Zeitung, 04.09.2015, Autor Mark Schrörs, Nummer 169, Seite 1, 400 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015169001&titel=Wuensch-Dir-was
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