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Redaktion

KOMMENTAR - VOLKSWAGEN
Es ist vollbracht. Noch nicht so ganz, aber doch erkennbar. Der Rest der Krisenbewältigung folgt am Freitag, wenn der Aufsichtsrat von Volkswagen zusammenkommt: Martin Winterkorn, der 68-jährige VW-Konzernlenker, bis vor wenigen Tagen in seiner Funktion im Grunde alternativlos, hatte letztlich keine Alternative. Er musste die persönliche Verantwortung für das Abgasdebakel um VW-Dieselmotoren übernehmen und seinen Rücktritt verkünden. Wie überfällig dieser Schritt war, zeigt gerade die Nichtreaktion der VW-Aktien an der Börse.

Nach dem Führungsstreit im Frühjahr, den der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch mit den Worten "ich bin auf Distanz zu Winterkorn" auslöste und verlor, und der erst kürzlich verkündeten Absicht des Aufsichtsrats, Winterkorns 2016 endenden Vertrag um zwei Jahre zu verlängern, stehen die Verantwortlichen in Wolfsburg jetzt vor einem Totalschaden.

Noch zu Wochenbeginn wurden Berichte, Winterkorn stehe vor dem Rücktritt, als "Schwachsinn" abgetan. Dass der Manager nun erklärt, er übernehme die Verantwortung, "obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", ist ein Beleg dafür, wie stark Winterkorn gedrängt werden musste, den Weg für einen Neuanfang bei Volkswagen frei zu machen. Seine Verdienste um den Konzern sind hinlänglich bekannt. Aber woher nimmt das Präsidium des Aufsichtsrats in seiner Erklärung schon jetzt die Gewissheit, dass Winterkorn "keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten"?

Fest steht im Moment nur, dass der Neuanfang bei Volkswagen, den Winterkorn mit einer gewissen Dezentralisierung von Verantwortung noch selbst steuern wollte, nun auch unausweichlich mit weiteren personellen Konsequenzen verbunden sein wird. Am Freitag muss ein neuer Vorstandschef her. Man darf gespannt sein, ob tatsächlich der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller, wie schon kolportiert, auf den Schild gehoben wird.

Dabei kann und wird es nicht bleiben. Nicht im Vorstand und nicht in anderen Managementebenen, denn Volkswagen selbst will angesichts des "unermesslichen Schadens" aus dem Diesel-Debakel Strafanzeige stellen. Und es bleibt noch mehr zu tun. Denn hinsichtlich der Grundsätze guter Corporate Governance hat sich Volkswagen - dank der dominanten Stellung der Mehrheitseigner Porsche und Piëch sowie des Einflusses des weiteren Großaktionärs Niedersachsen - alles andere als vorbildlich verhalten.


Börsen-Zeitung, 24.09.2015, Autor Peter Olsen, Nummer 183, Seite 1, 324 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015183003&titel=Totalschaden
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