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Redaktion


Union Investment startet Online-Beratung

Fondsplattform für junge Generation, die mit der Bank fremdelt - Visualvest stellt 14 Portfolien aus 13 000 Produkten zusammen
Union Investment prescht als erste deutsche Fondsgesellschaft mit einer eigenen Online-Beratung vor. Im Dezember soll die Fondsplattform Visualvest an den Start gehen, allerdings ausschließlich mit Produkten anderer Anbieter.

Von Silke Stoltenberg, Frankfurt

Wie fängt man die Generation der 18- bis 35-Jährigen für die Finanzanlage ein, die bislang kaum eine Bank von innen gesehen haben? Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment wagt sich hierfür an ein Experiment: Im Dezember soll die eigene Online-Beratung und Fondsplattform Visualvest starten, mit 14 Portfolien für die Geldanlage im Angebot. Aus 13 000 aktiven oder passiven Fonds werden diese zusammengestellt - aber kein Produkt kommt von Union Investment selbst.

Das ist ein interessanter Schritt für einen Fondsanbieter, der bislang seine Produkte exklusiv über die Volks-, Raiffeisen-, Sparda- und PSD Banken vertreibt und bis dato keine Anlageberatung für Privatkunden anbietet. Insofern soll die geplante Angebotspalette über Visualvest sicherstellen, dass sich keine genossenschaftliche Ortsbank vor den Kopf gestoßen fühlt.

"Wir wollen durch die Plattform lernen, wie man die Generation der 18- bis 35-Jährigen, und zwar im Speziellen die technikaffinen, akademisch vorgebildeten Städter, für die Geldanlage gewinnen kann", erläutert Andreas Zubrod, Vorstand Recht, Finanzen und Infrastruktur bei Union Investment, den Beweggrund für das neue Angebot. Damit seien nicht die sogenannten Selbstentscheider im Visier, die sich ihr Portfolio selbst bei Direktbanken oder Online-Brokern zusammenstricken. Sondern Studenten und junge Berufstätige, denen das Vertrauen in die Banken fehlt (etwa als Folge der Finanzkrise), die zu bequem sind, sich in eine Filiale zu begeben, die Geldanlage lieber rund um die Uhr vom heimischen Sofa aus erledigen und die Finanzinformationen in verdaulichen Happen mit einem Social-Media-Ansatz online präsentiert bekommen wollen.

Generation abholen

"Diese Gruppe müssen wir unbedingt mit einem Online-Angebot abholen, da diese Generation kaum noch die klassischen Wege der Anlageberatung wahrnimmt", hebt Olaf Zeitnitz hervor. Zeitnitz ist Geschäftsführer von Visualvest, einer Tochter der Union Investment Holding. Er verfügt über ein Team von aktuell 14 Mitarbeitern, von Programmierern über Marketingfachleute bis hin zu Finanzberatern. Zeitnitz ist zugleich Mitglied der Geschäftsführung der Union IT-Services Gesellschaft.

Damit prescht die Fondsgesellschaft der Kreditgenossen als Erste der großen deutschen Anbieter mit einem eigenen Digitalangebot vor. Bislang sind die deutschen Häuser allerdings kaum unter Zugzwang. Während in den USA sogenannte Robo-Advisor wie Betterment, Wealthfront oder Nutmeg immerhin Milliardensummen zusammenbekommen haben und in Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden Fondsplattformen schon lange üblich sind, fristen deutsche Assetmanagement-Fintechs wie Vaamo, Quirion oder Cashboard ein Nischendasein. "Auch wenn die Gefahren durch Fintechs für die Finanzbranche zuweilen übertrieben dargestellt werden, ist es als Fondsanbieter alternativlos, Digitalangebote zu entwickeln", hebt Zubrod hervor.

Für die Plattform, die komplett in Eigenleistung entwickelt wurde, hat Union Investment knapp 5 Mill. Euro in die Hand genommen. Zu dieser Anfangsinvestition werden jährlich 2 Mill. Euro an Kosten hinzukommen. Die Genossen glauben, eine bessere Online-Vermögensberatung entwickelt zu haben, als sie bislang existiert.

"Unser Angebot ist wissenschaftlich fundiert, die Wertentwicklung der Portfolien wird mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen dargestellt, die bisher existierenden Konzepte in der Online-Anlageberatung sind im Vergleich dazu schlichter", zählt Zubrod als ersten Punkt auf. "Außerdem bieten wir eine breitere Anlageauswahl an als die meisten Wettbewerber, wofür wir nur einen Pauschalpreis prozentual zum Anlagevermögen verlangen", ergänzt Zeitnitz.

Wie teuer die künftige Online-Honorarberatung aus dem Hause Union Investment sein wird, will Zeitnitz noch nicht verraten. Jegliche Vertriebsvergütung, die von den Fondsanbietern an Visualvest für die Vermittlung bezahlt werden, wird jedenfalls an die Kunden weitergereicht. Das ist für die Deutschen, die mit dem Konzept der produktfinanzierten Provisionsberatung vertraut sind, eher ungewohnt.

Vor allem aber will Visualvest die potenziellen Kunden nicht wie manche Wettbewerber mit einem akribischen Fragenkatalog, der viel Zeit kostet, verschrecken. "Bei uns gibt es drei Fragen zur Einstufung in Anlegertypen, Anlagebetrag und geplanter Anlagezeitraum. Darauf basierend wird sofort ein Portfolio vorgeschlagen, denn würde es länger dauern, zeigen einschlägige Untersuchungen, dass die Interessenten abspringen", erklärt Zeitnitz. Etwa, wenn das gesamte Vermögen akribisch aufgeschlüsselt werden soll.

Für die sieben aktiven und die sieben passiven Portfolien namens "Vestfolio" stehen 13 000 Fonds der größten und erfolgreichsten Anbieter aktiver wie passiver Fonds wie BlackRock, Deutsche Bank oder Lyxor in den Assetklassen Aktien, Renten, Geldmarkt und Rohstoffe zur Verfügung. Die Auswahl erfolgt nach einer Analyse und einem Scoringprozess, abhängig von Größe und Performance.

Der Kunde kann, wenn er will, sein Portfolio einmal im Jahr neu mischen lassen, wenn es etwa der Markt erfordert, oder jederzeit kostenfrei in ein anderes Portfolio wechseln. Noch häufiger als einmal im Jahr das Portfolio anpassen zu lassen (Rebalancing) wäre für die Anleger wegen der entstehenden Transaktionskosten und der Abgeltungsteuer zu teuer, sagen Zubrod und Zeitnitz. Als Anlagehorizont empfiehlt Visualvest drei bis fünf Jahre.

Das gesamte Vertragsabschlussverfahren erfolgt online, die notwendige Identifizierung der Depoteröffnung per Video-Ident-Verfahren. "Alles genügt den juristischen Anforderungen an die Anlageberatung gemäß der Finanzanlagenvermittlungsverordnung", unterstreicht Zubrod. Eine Mindestanlagesumme gibt es nicht, neben einer Einmalanlage sind auch Sparpläne möglich.

Aktuell läuft die interne Pilotphase, der Test mit echten Kunden soll in einigen Wochen erfolgen. "Unser Ziel ist ein Markteintritt noch im Dezember, das wäre ein großer Erfolg", sagt Zeitnitz. Er und Zubrod wollen auch eigenes Geld anlegen. Damit folgen sie dem Beispiel von Professor Andreas Hackethal von der Frankfurter Goethe-Universität, der das Anlagekonzept bei Vaamo mitentwickelt hat und dort Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Komplett in Eigenleistung

Seit Anfang 2015 bastelt Union Investment an Visualvest herum, das Konzept wurde schon Ende 2014 entwickelt. Im Vorfeld wurden hierfür die bestehenden Angebote vor allem in Holland und Großbritannien untersucht. Das daraufhin entwickelte Programm ist komplett in Eigenleistung entstanden, unter Einbindung bestehender Monte-Carlo-Simulationstools.

Union Investment habe sich bewusst für ein völlig eigenständiges Digital-Angebot, neben dem stationären Vertrieb der Genossenschaftsbanken, entschieden, führt Zubrod aus. Entscheidend sei zunächst, ob die Zielkunden das Angebot annehmen. Dann sei denkbar, das Ganze weiterzuentwickeln, etwa die Plattform auch dem Bankvertrieb anzubieten. "Wir wollen bei dem Angebot den Break-even sehen, das würde beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", stellt Zubrod klar.

Börsen-Zeitung, 17.10.2015, Autor Silke Stoltenberg, Frankfurt, Nummer 199, Seite 5, 947 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015199020&titel=Union-Investment-startet-Online-Beratung
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