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Redaktion

GELD ODER BRIEF
Von Joachim Herr, München

Es geht wild auf und ab mit dem Aktienkurs von Leoni. Kein Wunder: Die Schwankungen spiegeln die Turbulenzen in dem Nürnberger Konzern wider. Dieter Bellé, seit Mai Vorstandsvorsitzender und seit 15 Jahren Finanzchef, nahm in dieser Woche kein Blatt vor den Mund, als er die schweren Managementfehler im größten Geschäftssegment Bordnetze beschrieb. Manches sei aus dem Ruder gelaufen. Die Folgen der Mängel im Projektmanagement: "Rumänien ist uns im September um die Ohren geflogen." Dort ertrank ein Werk in einer Auftragsflut für Pkw-Kabelsätze. Niemand hatte die Schleusentore geschlossen, da sich die beteiligten Konzerneinheiten nicht abgestimmt hatten. Eine erschreckende Diagnose für einen Konzern mit 75 000 Mitarbeitern und 4,4 Mrd. Euro Jahresumsatz.

In Kombination mit vorzeitig beendeten lukrativen Aufträgen sowie Nachfrageschwächen einzelner Kunden und Regionen musste Leoni Mitte Oktober die Ergebnisprognose für dieses und gleich noch fürs nächste Jahr streichen. Das war das Startsignal für einen heftigen Kursrutsch. An einem Tag verlor die Aktie mehr als ein Drittel ihres Werts, die Marktkapitalisierung verringerte sich von 1,75 Mrd. auf 1,16 Mrd. Euro.

Nachdem sich der Kurs etwas aufgerappelt hatte, folgte in dieser Woche der nächste Tiefschlag für die Aktionäre. Es kommt noch dicker als befürchtet: Leoni erwartet für 2015 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von nur 130 Mill. Euro. Wegen eines Sonderertrags dürfte es letztlich zwar etwas mehr werden, doch bis Mitte Oktober hatte der Vorstand 200 Mill. Euro angekündigt. Und Aktienanalysten hatten nach der ersten Hiobsbotschaft zumindest noch mit rund 160 Mill. Euro gerechnet.

Mehr als ein Unfall

Bellé will die Probleme im Projektmanagement an der Wurzel anpacken. Im Ausland neue Fertigungen für Bordnetze aufzubauen und möglichst rasch und effizient hochzufahren, ist das zentrale Element im Geschäftsmodell von Leoni. 25 solcher neuen Projekte startete das Unternehmen im vergangenen Jahr. Schon da verhagelte ein Werk in Mexiko das Ergebnis und schickte den Aktienkurs auf Talfahrt. Ein Unfall, so die Einschätzung des damaligen Vorstandschefs Klaus Probst. Doch in diesem Jahr bekam Leoni gleich mit vier von 27 neuen Projekten gravierende Probleme, wie Bellé zugab. Der zuständige Vorstand Andreas Brand musste in diesen Tagen seine Sachen packen. Unternehmensberater sind inzwischen in die Konzernzentrale eingezogen. Ohne Hilfe schafft Leoni den Weg zu effizienten Strukturen offensichtlich nicht.

Zafer Rüzgar von Independent Research stellt die Aktionäre auf eine Geduldsprobe ein: "Aus heutiger Sicht ist nicht mit einer schnellen Verbesserung zu rechnen." Wegen der getrübten Aussichten für das kommende Jahr und der Unsicherheit über weitere finanzielle Belastungen der problematischen Projekte rechnet er mit weiteren Kursverlusten und rät zum Verkauf des Titels. Auf der Suche nach Impulsen für die Aktie muss er weit nach vorn blicken: Am 26. März will Bellé in der Bilanzpressekonferenz den Geschäftsausblick für 2016 präsentieren.

"Nicht alles kann schlecht sein", überschrieb Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe Ende Oktober seine Kaufempfehlung für die Leoni-Aktie. Doch die jüngsten Nachrichten lassen ihn an seinem Rat zweifeln. "Ich habe etwas mehr Bedenken", sagt er. Die Probleme im Unternehmen könnten größer sein, als es auf den ersten Blick schien. Die Aussagen des Vorstands in dieser Woche über Lösungen und die Entwicklung der Ergebnismarge kritisiert er als unbefriedigend und wenig überzeugend.

Noch komplexere Projekte?

Auch Christian Glowa von Hauck & Aufhäuser vermisst Erkenntnisse über Fortschritte im Bemühen, die Effizienz im Bordnetze-Geschäft zu verbessern. Nach der Trennung vom zuständigen Vorstand ist er der Ansicht, dem Management fehle die volle Aufmerksamkeit für das Lösen dieser Probleme. Zudem könnte der künftige Vorstand ein Restrukturierungsprogramm starten, das mit Kosten verbunden wäre. Mit Blick auf die Technik hält es Glowa für möglich, dass die Projekte für Leoni noch komplexer werden - Stichworte: Elektromobilität und autonomes Fahren. Alle Bedenken zusammengenommen, stufte der Analyst die Leoni-Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herab und senkte das Kursziel von 46 auf 35 Euro.

Positiv ist aus Sicht von Ludwig vom Bankhaus Lampe der Auftragsbestand von 12 Mrd. Euro für die nächsten fünf Jahre in der Sparte Bordnetze. Das ist auch ein Anker für Vorstandschef Bellé im Werben um neues Vertrauen. Zudem betont er, die Probleme der Projekte wirkten sich nicht auf die Kunden aus - die Autohersteller. An der Prognose, den Umsatz im nächsten Jahr von 4,4 Mrd. auf 4,6 Mrd. Euro zu steigern, hält er trotz der jüngsten Enttäuschungen fest.

Doch den Investoren und Analysten fehlt eben eine Aussage über die Ergebnismarge. Das große Ziel des Leoni-Managements ist eine Umsatzrendite - bezogen auf das Ebit - von 7 %. Schon vor vier Jahren hatte der Vorstand diese Marke festgelegt - für 2016. Der Umsatz sollte auf 5 Mrd. Euro steigen. "Dann werden wir die Früchte ernten", hatte Bellés Vorgänger Probst noch im März den Aktionären versprochen. Die Investitionen von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro seit 2013, vor allem in die Expansion, sollten sich richtig auszahlen.

Trostpflaster Dividende

Mittlerweile würde Bellé nach dem Margenziel von 7 % am liebsten gar nicht mehr gefragt werden. "Solange wir das nicht erreicht haben, sprechen wir es nicht mehr an", sagte er in dieser Woche. In diesem Jahr werden es voraussichtlich - ohne den erwarteten Sonderertrag - nur 3 %. Damit verglichen erreichte Leoni im vergangenen Jahr stolze 4,5 %.

Ein kleiner Trost für die Aktionäre: Auf die Dividende für 2015 wirkt sich der Ergebnisrückgang voraussichtlich nicht im ganzen Maß aus. Der dafür entscheidende Nettogewinn ist in den ersten neun Monaten nur um 2,5 % gesunken. Hier profitierte das Unternehmen von einem gestiegenen Finanzergebnis und einer gesunkenen Steuerquote. Bellé kündigte an, für 2015 werde wieder ein Drittel des Nettogewinns an die Aktionäre ausgeschüttet.

Börsen-Zeitung, 13.11.2015, Autor Joachim Herr, München, Nummer 218, Seite 17, 898 Wörter

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