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Redaktion

Taktische Asset-Allokation gewinnt an Bedeutung

Mit der Niedrigzinspolitik der Notenbanken haben sich die Anforderungen an ein aktives Fondsmanagement verändert. Investoren müssen mehr Risiken eingehen, um ihre Renditeziele zu erreichen. Der Rückzug auf den risikolosen Zins ist nicht mehr möglich. Wiederholt sind längere Börsenphasen zu erkennen, in denen Diversifikationseffekte einzelner Assetklassen außer Kraft gesetzt sind. Während sich in früheren Börsenzyklen in einem gemischten Portfolio Aktien und Renten in ihren Bewegungen in der Regel gegenläufig entwickelten und negative Trends dadurch weitgehend abfederten, verzeichneten in den Jahren 2013 und 2015 phasenweise alle Assetklassen, mit Ausnahme von Geldmarktanlagen, durchweg Verluste.

Häufiger Richtungswechsel

Der fehlende risikolose Zins hat bei den Anlegern zu einer erkennbaren Veränderung im Assetklassen-Mix geführt: Auf der Suche nach Anlagealternativen sind klassische gemischte Portfolien zunehmend für höher rentierliche Anlageklassen geöffnet worden, beispielsweise für Unternehmensanleihen, Euro- und Währungsanleihen aus den Emerging Markets, High-Yield-Bonds, aber auch für dividendenstarke Aktien. Folglich sind damit die Anforderungen an ein effizientes Risikomanagement gestiegen.

Aktuell verlaufen Kapitalmarktentwicklungen schneller als in der Vergangenheit. Heute müssen Entscheidungen, die früher auf einen mittleren bis langfristigen Zeithorizont ausgerichtet waren, häufiger Richtungswechseln weichen. Damit gewinnt die taktische Asset-Allokation zunehmend an Stellenwert. Sie verläuft wesentlich dynamischer und erfordert situativ sehr dezidierte Veränderungen, die strategische Positionierungen temporär überlagern können. Eine Anlagestrategie, die in diesem Sinne sehr aktiv und höchst flexibel umgesetzt wird, verspricht einen größeren Erfolg.

Fundamentale Einschätzungen zu einzelnen Volkswirtschaften, Branchen und Unternehmen sind nach wie vor ein zentrales Element der Asset-Allokation. Mit der Nullzinspolitik sind aber auch die Entscheidungen der internationalen Notenbanken in den Vordergrund gerückt und zu einem bedeutsamen marktbeeinflussenden Faktor geworden. So haben beispielsweise Ereignisse wie die Ankündigung des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke im Jahr 2013, das US-Anleiheankaufprogramm zu beenden, die Kapitalmärkte weltweit belastet.

Ebenso stark waren die Wirkungen des Zinsschocks im April und im Mai dieses Jahres. Die Renditen deutscher Bundesanleihen stiegen in dieser Phase vom Nullpunkt auf 1 % und egalisierten somit die Kursgewinne seit Andeutung des Quantitative-Easing-Programms der Europäischen Zentralbank (EZB). Zusätzlich haben politische Ereignisse heute das Potenzial, ganze Wirtschaftsräume zumindest temporär stark zu verunsichern - ein prägnantes Beispiel hierfür sind die Entwicklungen rund um Griechenland.

Antizyklisch investieren

Neben dem Einfluss der Notenbanken und der zunehmenden Bedeutung von politischen Geschehnissen gibt es einen weiteren wesentlichen Marktfaktor, der sich in den letzten Jahren erheblich verändert und damit einen maßgeblichen Einfluss auf Anlageentscheidungen hat: die Marktliquidität. Die Handelsbestände sind seit der Finanzkrise bereits um rund 70 % zurückgegangen. Wesentliche Gründe hierfür sind die langjährigen Anleihekaufprogramme der Notenbanken sowie reduziertes Inventar bei Investmentbanken. Die extrem reduzierte Liquidität kann in starken Korrekturphasen zu einem Anstieg der Geld-/Briefspannen führen. Aufgrund der strengeren Regulatorik ist der Handlungsspielraum von Marketmakern zudem eingeschränkt.

Die verringerte Marktliquidität erfordert ein stärkeres antizyklisches Investieren. Insbesondere im Management von Credit-Risiken werden verstärkt Swaps (CDS oder Total Return Swaps) zum Risikoauf- oder -abbau eingesetzt. Diese können von Banken ohne zusätzliche Belastung der risikogewichteten Aktiva (RWA) zwischen zwei Investoren vermittelt werden. Die Währungs- und Aktienmarktvolatilität ist von niedrigen Niveaus aus deutlich gestiegen. Auch Renten zeigen mittlerweile situativ ähnliche Volatilitätsmuster wie Aktienanlagen. Daraus abgeleitet dürften zukünftig schnelle Marktbewegungen weiter zunehmen.

Aktive Volatilitätsstrategien

Hierauf gilt es sich über die taktische Asset-Allokation einzustellen. In diesem Zusammenhang bieten sich insbesondere kurzfristig aktive Volatilitätsstrategien an, um zusätzliche Ertragschancen zu nutzen oder das eingesetzte Kapital über Volatilitätssicherungsstrategien im Vorfeld von Marktereignissen zu schützen.

Insgesamt erfordern die skizzierten Marktveränderungen eine Abkehr von der über Jahre weit verbreiteten Buy-and-Hold-Strategie und damit ein angepasstes Reaktions- beziehungsweise Anlageverhalten. Deutlich reduzierte Risikobudgets und der Wunsch nach möglichst zufriedenstellenden Renditen verlangen heute von einem professionellen Fondsmanagement, sich sehr kurzfristig auf Marktereignisse und potenzielle Reaktionen einzustellen. Die taktische Asset-Allokation hat somit enorm an Bedeutung gewonnen.

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Frank Hagenstein, Chefanlagestratege der Deka

Börsen-Zeitung, 28.11.2015, Autor Frank Hagenstein, Chefanlagestratege der Deka, Nummer 229, Seite B 2, 594 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2015229802&titel=Kurzfristige-Reaktion-auf-Marktereignisse-noetig
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