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Redaktion

KOMMENTAR - FINANZMÄRKTE
Der erneute Absturz der chinesischen Festlandsbörsen hat an den Finanzmärkten der ganzen Welt hektische Aktivitäten ausgelöst. Das Resultat des bislang kürzesten Handelstages in Schanghai und Shenzhen - 29 Minuten inklusive einer Aussetzung von einer Viertelstunde - lässt Anleger das Wochenende herbeisehnen. Kurse machen Nachrichten, eine Erklärung muss her: War es nun die erneute Abwertung des Renminbi, der schwache Caixin-Einkaufsmanagerindex oder der Wasserstoffbombentest von Kim Jong-un, die den Abverkauf ausgelöst haben? Eigentlich ist das egal. Denn die Wirtschaftswunderbörsen sind so hoffnungslos überbewertet wie die Nasdaq zur Jahrtausendwende. Die Konjunktur erlahmt, das erreichte Niveau ist durch nichts mehr zu rechtfertigen. Der wesentliche Unterschied zum Platzen der Internet-Blase ist, dass die Staatsorgane der Volksrepublik den Crash durch ihren verzweifelten Aktionismus in die Länge ziehen.

Derweil rätseln selbsternannte China-Experten jeglicher Couleur, wie die weise Führung in Peking um die erforderliche Anpassung der hoch verschuldeten Wirtschaft an die Wirklichkeit herumkommen will - durch eine weitere Abwertung der Währung, Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur oder eine wundersame Erholung?

China ist einfach zu wichtig für das Wachstum der Weltwirtschaft, um allzu lange in den Hintergrund zu treten. Der Preisverfall an den Öl- und Metallmärkten geht nicht zuletzt auf die schwindende Nachfrage aus dem Reich der Mitte zurück.

Zuletzt wurden die Investoren von den Zentralbanken abgelenkt. Schließlich ging es um den ersten Zinsschritt der US-Notenbank und die Frage, wie schnell die EZB ihr Gelddruckprogramm ausweiten wird. Dazu herrscht nun mehr oder weniger Klarheit. Die Ängste vor einer von einer Schwellenländerkrise ausgelösten weltweiten Rezession rücken auf der Tagesordnung wieder nach oben.

Die Weltbank kürzte bereits ihre Wachstumsprognose. Der Finanzinvestor George Soros verlautbarte, er fühle sich an das Jahr 2008 erinnert. Man mag von ihm halten, was man will, aber sein Wort hat für viele Finanzmarktakteure Gewicht - ebenso wie die Äußerungen von Alan Greenspan oder Mervyn King in der Regel nicht im Raum verhallen. Noch bewegen sich die Ausschläge außerhalb der chinesischen Kommandowirtschaft im Rahmen der zuletzt üblichen Volatilität. Aber auch in Europa, vor allem aber in den USA ist das Bewertungsniveau ambitioniert. Auch hier könnten Kurse bald Nachrichten machen.


Börsen-Zeitung, 08.01.2016, Autor Andreas Hippin, Nummer 4, Seite 1, 338 Wörter

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