Redaktion

KOMMENTAR - ROCKET INTERNET
Der Kursverfall der Rocket-Internet-Aktie findet kein Ende. Mit weniger als 19 Euro ist der Anteilschein nicht einmal mehr die Hälfte des Emissionspreises wert, als die Start-up-Schmiede im Oktober 2014 vielfach überzeichnet und bei verkürzter Angebotsfrist zu 42,50 Euro an die Börse stürmte. Mehrere überraschende Kapitalmaßnahmen sowie einige umfangreiche Zukäufe später ist das Vertrauen der Aktionäre in das Management um Gründer und Firmenchef Oliver Samwer dahin. Vorübergehend Atem holen konnte die Aktie erst nach der Versicherung Samwers, in den nächsten 24 Monaten auf weitere Zukäufe zu verzichten und in den nächsten drei Jahren keine erneute Kapitalerhöhung zu starten. Ein zufriedenstellender Track Record ist das nicht.

Der im Normalfall vor Selbstbewusstsein schier platzende Samwer beurteilt die Lage - naturgemäß - anders. Dass sich Versicherer, Pensionsfonds und Stiftungen mit 370 Mill. Dollar an dem neuen Rocket Internet Capital Partners Fund beteiligt haben, sei nicht nur ein "unglaublicher Vertrauensbeweis" für Rocket, sondern auch für ihren überzeugenden Track Record, behauptete "Olli" gestern, als er ungewohnt zurückhaltend und in sich gekehrt die Vorteile des neuen Wachstumsfonds auflistete - zu denen nicht zuletzt gehört, dass sich den Rocket-Aktionären mit dem Fonds neue Gewinnmöglichkeiten eröffneten, ohne dass deren Anteile verwässert würden. Ein gebranntes Kind betreibt hier Seelenmassage bei den verbliebenen Aktionären.

Ansonsten ist der Start eines Wachstumskapitalfonds für begleitende Co-Investments für ein Unternehmen, das nach dem bisherigen Track Record faktisch kaum noch Zugang zu neuem Kapital hat, eine gute Idee. Rocket stärkt damit seine Feuerkraft für neue Investments und sichert sich Mittel, um die schwierigen Jahre zu überbrücken, bis all die Neugründungen erwachsen werden und an die Börse gebracht oder anderweitig verkauft werden können. Erst Ende nächsten Jahres können absehbar die ersten drei Start-ups zumindest operativ schwarze Zahlen ausweisen, lautet Samwers jüngstes Update - eine lange Zeit, in der Monat für Monat Cash verbrannt wird. Und vielleicht passen auch langfristig orientierte Pensionsfonds und Versicherer besser zu einer Start-up-Fabrik mit ihren längerfristig angelegten Entwicklungszyklen als eher kurzfristig ausgerichtete Aktionäre. Zu wünschen bleibt den neuen Co-Investoren, dass sich ihre Investments besser entwickeln als der Aktienkurs - aber das sollte nicht schwerfallen.


Börsen-Zeitung, 20.01.2016, Autor Ulli Gericke, Nummer 12, Seite 1, 340 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016012003&titel=Gute-Wuensche
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