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Redaktion

Bündel von Maßnahmen zur Ankurbelung der Inflation - Dax gerät unter Druck - Euro legt kräftig zu

ms/ku Frankfurt - Im Kampf gegen die Mini-Inflation im Euroraum hat die Europäische Zentralbank (EZB) für einen Paukenschlag gesorgt: Die Euro-Hüter lockerten ihre Geldpolitik gestern viel stärker als von den meisten Marktakteuren und Volkswirten erwartet. An den Finanzmärkten lösten sie damit heftige Turbulenzen aus: Während die Aktienkurse zunächst einen Höhenflug hinlegten und sich der Euro erheblich verbilligte, drehten die Börsen später gar ins Minus und der Euro legte zu. Neben Skepsis dürfte dazu beigetragen haben, dass EZB-Präsident Mario Draghi sagte, dass die EZB aktuell nicht davon ausgehe, ihre Leitzinsen noch weiter zu senken. Das enttäuschte viele Beobachter. In Notenbankkreisen hieß es anschließend aber, dass damit keineswegs gesagt sei, dass etwa beim Einlagenzins von jetzt - 0,4 % auf jeden Fall die Untergrenze erreicht sei und weitere Zinssenkungen ausgeschlossen seien.

Der EZB-Rat hatte zuvor ein "umfassendes Maßnahmenpaket" geschnürt, wie es EZB-Präsident Mario Draghi nannte. Dazu gehört eine Absenkung aller drei Leitzinsen, wobei der Hauptrefinanzierungssatz von 0,05 % auf 0 % und der Einlagenzins von - 0,3 % auf - 0,4 % reduziert wurde. Zudem kauft die EZB ab April für monatlich 80 Mrd. Euro statt bisher 60 Mrd. Euro Anleihen, und zwar in Kürze auch Unternehmensanleihen. Darüber hinaus beschlossen die Euro-Hüter neue langfristige Liquiditätshilfen für die Euro-Banken, bei denen die Institute bei Erfüllung bestimmter Bedingungen am Ende sogar Geld dafür bekommen, wenn sie EZB-Liquidität abrufen - ein absolutes Novum in der Währungsunion.

Draghi begründete die Entscheidungen mit den deutlich erhöhten Risiken für das Wachstum und die Inflation im Euroraum - vor allem wegen der Abschwächung der Weltwirtschaft. "Wir geben nicht auf", sagte er mit Blick auf das Ziel von knapp unter 2 % Inflation, die die EZB mittelfristig anstrebt. Im Februar war die Teuerungsrate überraschend wieder unter null auf - 0,2 % gerutscht. Draghi sagte, dass es sich nicht verhindern lasse, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten negativ sein werde. Es gehe aber nun darum, unter allen Umständen Zweitrundeneffekte auf Löhne und Preise zu verhindern.

Der EZB-Präsident betonte, dass die Entscheidungen mit "überwältigender Mehrheit" gefallen seien. EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger und der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot stimmten nach Informationen der Börsen-Zeitung gegen den Beschluss. Zwei der größten Gegner einer zu aggressiven Politik, Bundesbankpräsident Jens Weidmann und der estnische Zentralbankchef Ardo Hansson, waren wegen der Rotation nicht stimmberechtigt.

Neben den beschlossenen Maßnahmen verstärkte die EZB auch ihre Forward Guidance, also ihren Zinsausblick. Die Notenbank geht nun davon aus, dass die Zinsen auf jeden Fall bis "weit nach" dem Ende der Anleihekäufe auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau verharren werden. Das Kaufprogramm endet derzeit im März 2017.

Am Aktienmarkt kam es zu deutlichen Turbulenzen. Beim Dax betrug die Differenz zwischen Tagestief und Tageshoch fast 500 Indexpunkte. Auch beim Euro Stoxx 50 gab es eine hohe Volatilität. Der Dax sprang zunächst um 2,8 % auf 9 996 Punkte. Danach geriet er jedoch immer weiter unter Druck und ging schließlich auf seinem Tagestief von 9 498 Punkten mit einem Minus 2,3 % aus dem Handel. Der Euro Stoxx 50, der zunächst bis auf 3 129 Punkte geklettert war, rutschte unter die Marke von 3 000 Zählern. Die Börsensitzung beendete er mit einem Abschlag von 1,5 % bei 2 971 Punkten.

Am Anleihemarkt sorgte die überraschende Entscheidung der EZB zunächst für einen deutlichen Anstieg des Bund-Future. Im Verlauf der Pressekonferenz der EZB wechselte der Markt jedoch mehrfach die Richtung. Im späten Handel befand sich der Bund Future mit 161,36 % um 85 Ticks im Minus. Die 10-jährige Bund-Rendite stieg von 0,24 % auf 0,30 %. Zeitweise sackte sie bis auf 0,16 % ab. Auch am kurzen Ende stiegen die Renditen, zum Beispiel bei den zweijährigen Bundesanleihen von - 0,53 % auf - 0,45 %. Umfangreiche Kursausschläge gab es ebenfalls am Devisenmarkt. Besonders ausgeprägt waren sie beim Währungspaar Euro/Dollar. Zwischen Tagestief und Tageshoch des Euro lagen rund 4 US-Cent. Der Euro fiel zunächst auf 1,0823 Dollar, um später bis auf 1,1212 Dollar emporzuschießen. Aus dem Handel ging er mit einem Plus von 1,9 % bei 1,1203 Dollar. Die Gemeinschaftswährung wertete gegenüber allen wichtigen Partnerwährungen auf. Gegenüber dem britischen Pfund betrug das Plus 0,9 %, zum Schweizer Franken 0,4 % und zum australischen Dollar sogar 2,1 %.

Der mittlerweile wieder als Angstmesser fungierende Goldpreis legte deutlich zu. Das gelbe Metall verteuerte sich um 1,3 % auf 1 269,48 Dollar. Marktteilnehmer sagten, die drastischen Maßnahmen der EZB machten deutlich, dass die Notenbank die konjunkturelle Lage als ernst einschätze.

Der Preis der wichtigsten Ölsorte Brent Crude gab um 0,8 % auf 40,45 Dollar je Barrel nach, wozu auch aufkommende Zweifel beitrugen, ob es tatsächlich zu einem Treffen der großen Produzentenländer am 20. März mit dem Ziel der Förderbegrenzung kommen wird.

- Nebenstehender Kommentar

- Schwerpunkte Seite 6, 7 und 17

Börsen-Zeitung, 11.03.2016, Autor Mark Schrörs/Dieter Kuckelkorn, Frankfurt, Nummer 49, Seite 1, 773 Wörter

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